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Thüringen

Gewerkschafter fordert besseres Fahrtraining für Polizisten

Wenn Einsatzfahrzeuge von Polizei und Rettungsdiensten mit Blaulicht und Sirene unterwegs sind, haben sie es eilig. Das führt bisweilen zu Unfällen. Die Gewerkschaft der Polizei will Thüringer Polizisten auch deswegen besser für solche Fahrten schulen lassen.



Gewerkschafter fordert besseres Fahrtraining für Polizisten
Polizisten trainieren auf einem Gelände des Fahrtrainingszentrums der Polizei das Fahren und Bremsen auf nasser Fahrbahn   Foto: Fredrik von Erichsen, dpa

Der Landesvorsitzende der Polizeigewerkschaft GdP, Kai Christ, hat eine bessere Fahrausbildung von Polizisten gefordert. Vor allem Fahrten mit hohen Geschwindigkeiten müssten regelmäßiger als bisher trainiert werden, sagte Christ in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. «So etwas muss man üben, immer wieder.»

Insgesamt waren Polizeifahrzeuge in den vergangenen drei Jahren seltener in Unfälle verwickelt. Die Landespolizeidirektion sprach von einem Rückgang von 730 solcher Unfälle im Jahr 2017 auf 540 im vergangenen Jahr. Auch das Landeskriminalamt meldete für seinen Bereich sinkende Unfallzahlen.

Das Fahrtraining bei hohem Tempo sei sehr wichtig für den Alltag der Polizisten, betonte Christ. «Damit ihnen mal klar wird, was es heißt, wenn sie auf einer Landstraße mit Tempo 160 auf eine Kurve zufahren, die eigentlich nur für 80 Stundenkilometer ausgelegt ist.» Solche Szenarien kämen bei Verfolgungsfahrten immer wieder vor. Auch müsse es für die Beamten die Gelegenheit geben, jeweils neue Streifenwagen testweise in Grenzsituationen zu bewegen. Die verschiedenen Automodelle reagierten etwa auf Lenkbewegungen unterschiedlich. «Ganz besonders, wenn noch die Schutzausrüstung im Kofferraum liegt und die Hinterachse stärker belastet wird», erläuterte Christ.

Doch auch bei anderen Rettungs- und Einsatzkräften gibt es eine Unfallgefahr. Bei den Johannitern in Thüringen ist die Zahl der Unfälle von Rettungsfahrzeugen in den vergangenen Jahren gestiegen. 2019 seien es 15 gewesen, sagte ein Sprecher des Landesverbandes Sachsen-Anhalt-Thüringen. 2018 waren es demnach 7, im Jahr davor 9 Unfälle. Die Unfallursachen seien verschieden gewesen. Die Autos seien zum Beispiel mit Wildtieren zusammengestoßen oder in Auffahr-, Überhol- oder Spurwechselunfälle verwickelt worden.

Die Fahrer der Rettungswagen würden alle drei Jahre mit einem Fahrsicherheitstraining geschult, hieß es bei der Johanniter-Unfall-Hilfe. Hinzu kämen Simulatortrainings, in denen Einsatzsituationen mit Blaulichtfahrzeugen geübt würden.

Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes in Thüringen (DRK) gibt es auch für deren Rettungsdienstfahrer ähnliche Aus- und Fortbildungen. Konkrete Zahlen, wie viele DRK-Rettungswagen jährlich in Unfälle verwickelt waren, konnte der Landesverband nicht nennen. Auch gibt es laut Thüringer Innenministerium keine Überblicksdaten, wie viele Feuerwehrautos bei Einsätzen verunglückt sind.

Wenn Polizeiautos in Unfälle verwickelt werden, sind daran den Angaben zufolge zu etwa gleichen Teilen die Beamten selbst und die Fahrer der anderen beteiligten Fahrzeuge schuld. Immer wieder komme es vor allem zu Auffahrunfällen oder es werde der nötige Seitenabstand nicht eingehalten, so dass Autos zusammenstoßen. Auch würden Polizisten die Straßenverhältnisse nicht ausreichend beachten, hieß es von der Landespolizeidirektion.

Um Polizeifahrzeuge nach Unfällen zu reparieren, habe Thüringen in den vergangenen drei Jahren zwischen 640 000 und 772 000 Euro jährlich zahlen müssen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. «Der Freistaat tritt als sogenannter Selbstversicherer auf.» Das heißt, die Schäden werden aus dem Landeshaushalt und damit vom Steuerzahler beglichen. Unter bestimmten Umständen nimmt das Land die Beamten, die einen Unfall verschuldet haben, in Regress. Dagegen können sich Polizisten versichern. Laut Gewerkschafter Christ besteht etwa für Mitglieder seiner Gewerkschaft eine Regressversicherung.

Ein Sprecher der Johanniter-Unfall-Hilfe betonte unterdessen, wenn Rettungsfahrzeuge behindert würden, geschehe das meistens nicht einmal aus Absicht. «Moderne Autos lassen kaum noch Umgebungsgeräusche in die Fahrerkabine», sagte er. «Laute Musik, Gespräche, der Blick aufs Handy an der Ampel oder sonstige Ablenkungen tun dann ihr übriges und das Blaulicht und Martinshorn werden nicht mehr rechtzeitig wahrgenommen.»

 

Veröffentlicht am:
07. 03. 2020
10:01 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
07. 03. 2020
10:01 Uhr



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