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Thüringen

"Für Thüringen nicht zu übernehmen"

Die Studie der Bertelsmann-Stiftung, nach der hunderte Krankenhäuser in Deutschland geschlossen werden sollten, stößt in Thüringen nicht nur in der Politik auf entschiedenen Widerspruch.



Erfurt/Berlin - Die Überlegungen der Bertelsmann-Stiftung, die Zahl der Krankenhäuser in Deutschland drastisch zu reduzieren, lassen sich nach Ansicht unter anderem von Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) nicht auf den Freistaat übertragen. Aus gutem Grund beziehe sich die entsprechende Studie auf eine Metropolregion, sagte Werner am Montag unserer Zeitung. "Das ist für Thüringen nicht zu übernehmen." Die Zustände im Studiengebiet um Köln und Leverkusen seien mit den Zuständen in ländlichen Regionen wie dem Freistaat nicht vergleichbar. Auch ein Vertreter der Landeskrankenhausgesellschaft Thüringens lehnte entsprechende Überlegungen als fernab der Thüringer Realität ab.

Die Bertelsmann-Stiftung schlägt in ihrer Studie - ausgehend von einer Untersuchung im Großraum Köln - vor, mehr als jedes zweite Krankenhaus in der Bundesrepublik zu schließen. Das könne dazu führen, dass die Versorgung der Patienten besser werde, heißt es in dem am Montag präsentierten Papier.

Der Sprecher der Landeskrankenhausgesellschaft sagte, grundsätzlich sei es zwar richtig, dass eine starke Spezialisierung der Krankenhäuser der Sicherheit der Patienten diene. "Das ist nicht in Frage zu stellen." Doch werde dieser Überlegung schon in der aktuellen Krankenhausplanung Rechnung getragen. Werner sagte, aus ihrer Sicht sei neben den Fragen der Spezialisierung der einzelnen Kliniken auch wichtig, dass die Krankenhäuser tatsächlich auch die erforderlichen Fachärzte hätten, um bestimmte Eingriffe durchzuführen. Genau aus diesem Grund gelte in Thüringen inzwischen eine Facharztquote. Zudem dürfe nicht übersehen werden, dass gerade ländliche Regionen eine gute und für die Menschen schnell erreichbare sogenannte Grundversorgung bräuchten: also Krankenhäuser, in denen häufig vorkommende, aber medizinisch nicht besonders komplexe Krankheiten behandelt werden können.

In Thüringen gibt es derzeit etwa 40 Krankenhäuser. Ihre Verteilung im Land wird durch den Freistaat gesteuert. Dazu gibt es einen Landeskrankenhausplan, der regelmäßig überarbeitet wird. Aus Sicht der Landeskrankenhausgesellschaft seien alle derzeit in Thüringen ansässigen Kliniken mindestens mittelfristig "auch bedarfsnotwendig", sagte der Sprecher der Landeskrankenhausgesellschaft. Das gelte auch dann, wenn sich die Zahl der Thüringer in den nächsten Jahren - wie von Statistikern prognostiziert - weiter verringern sollte. Immerhin sei absehbar, dass der Anteil der älteren Menschen an der Gesamtbevölkerung steigen werde. Ältere Menschen müssten öfter stationär behandelt werden als jüngere. "Der junge Sportler, der sich mal das Bein bricht und dann für einige Tage ins Krankenhaus muss, ist eher die Ausnahme", sagte der Sprecher.

Werner sprach sich dafür aus, nicht nur immer wieder über die Zahl der Krankenhäuser in Deutschland nachzudenken, sondern sich auch intensiv damit auseinanderzusetzen, wie deren Finanzierung angesichts des demografischen Wandels auf eine breite Basis gestellt werden könne. Sie stehe zum Beispiel dem Vorschlag offen gegenüber, den Bund regelmäßig und nicht nur über Sonderfonds an der Finanzierung der Kliniken zu beteiligen, sagte sie.

Autor
Sebastian Haak

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Veröffentlicht am:
16. 07. 2019
08:01 Uhr

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Sebastian Haak

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16. 07. 2019
08:01 Uhr



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