Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagt#GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-Hilfsbörse

Thüringen

Für Schausteller geht es ums Überleben

Spätestens ab dem Sommer gehören Volksfeste eigentlich zum festen Bild in den Kommunen. Doch die Corona-Krise hat auch hier das Leben zum Stillstand gebracht. «85 bis 90 Prozent der Betriebe steht das Wasser bis zum Hals.»



Zahlreiche Thüringer Schausteller bangen in der Coronavirus-Pandemie um ihre Existenz. Schon Anfang März waren der Eisenacher Sommergewinn und der Erfurter Altstadtfrühling abgesagt worden, dann traf es den kompletten Volksfestkalender. Mit dramatischen Folgen: «85 bis 90 Prozent der Betriebe steht das Wasser bis zum Hals», sagte René Otto, Vorsitzender des Thüringer Schaustellervereins, der Deutschen Presse-Agentur. Die Schausteller seien klassische Familienbetrieb, die - anders als große Unternehmen - keine Rücklagen bilden könnten. «Es geht für viele ums nackte Überleben», so Otto. In dem Verein sind 51 Schaustellerbetriebe organisiert.

Für die Schausteller stelle sich wie für viele andere die Frage, wenn und wie es irgendwann weitergehen könne. Dabei sei es auch sinnvoll, zwischen der Größe von Veranstaltungen zu differenzieren, sagte Otto. «Bei einer kleinen Kirmes sind ja in der Regel nicht Hunderttausende Besucher unterwegs.» Zuletzt hatte er noch darauf gebaut, dass die Branche ab Juli wieder durchstarten könne. Allerdings ist diese Hoffnung zerstört: Großveranstaltungen, zu denen auch Volksfeste gehören, bleiben bis zum 31. August verboten.

Wenn es nicht in absehbarer Zeit erste Lockerungen bei den Schutzmaßnahmen gebe, stünden viele Betriebe vor dem Aus. «Wobei ich ungern von Betrieben spreche, schließlich handelt es sich hier um Familien», unterstrich Otto. Mit Bedacht und Fingerspitzengefühl sollte es seiner Meinung nach möglich sein, auf den Festwiesen wieder Leben einkehren zu lassen. Schutzmaßnahmen wie Desinfektionsmittel, eine beschränkte Platzzahl bei Fahrbetrieben oder ähnliches sei denkbar.

Otto berichtete, dass seine Kollegen zum Teil sehr schlechte Erfahrungen mit den zugesagten Unterstützungsleistungen gemacht hätten. Die Auszahlung laufe nur sehr zögerlich, zudem mache es den Schaustellern zu schaffen, dass bei der Beantragung von Soforthilfen die Betriebsgröße und damit Staffelung nach Mitarbeiterzahl zum Zeitpunkt der Antragstellung maßgeblich sei. «Im Frühjahr sind meist nur bis zu fünf Beschäftigten in den Familien tätig, im Juli und August, wenn es bis zum Weihnachtsmarktgeschäft in die Vollen geht, werden mehr Leute beschäftigt.»

Die großen Betriebe wie Riesenrad, Autoscooter oder Break-Dance-Karussell seien nur vor der Saison ohne Mitarbeiter und würden nun gleichgestellt mit dem Soloselbstständigen am Crepesstand. «Es wäre uns schon noch wichtig deutlich zu machen, dass wir eine Lösung in Form eines Rettungsschirmes brauchen und nicht von verzinsten Krediten, wo Banken entscheiden, wer etwas bekommt und wer nicht», sagte Otto.

Dennoch wollen er und seine Kollegen nicht in Schwarzmalerei verfallen. «Der Schausteller ist grundsätzlich ein optimistischer Mensch», sagt der Verbandschef. Es ärgert sie aber, wenn Politiker öffentlich verkünden, Jahrmärkte und Volksfeste seien die letzten Branchen, in denen das Leben sich wieder normalisieren müsse. Ganz das Gegenteil sei der Fall: «Wir sind die Antidepressiva für die Menschen nach wochenlangen Kontaktverboten!» dpa

>>> Mehr zum Thema

Autor

Von Jörg Aberger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
19. 04. 2020
09:10 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitnehmer Coronavirus 19 Deutsche Presseagentur Jahrmärkte Kirchweih Mitarbeiter und Personal Mitarbeiterzahl Riesenräder Schausteller Volksfeste
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Die Vorstände Mario Winkler, Stefan Schneider und Heiko Nikolaus (von links) haben auf die Corona-Krise mit einer Umorganisation der Arbeit reagiert. So soll sichergestellt werden, dass nie zu viele Mitarbeiter gleichzeitig im Unternehmen sind. Archivfotos: ari

02.04.2020

Damit ein Teil des Lebens weiterläuft

Trotz aller Einschränkungen müssen wir auf viele Annehmlichkeiten nicht verzichten. Fließend Wasser, Strom, Milch in den Supermarkt-Regalen. Die Firma BN Automation aus Ilmenau sorgt mit dafür, dass kritische Infrastrukt... » mehr

Bauarbeiter

09.06.2020

Thüringer Bauwirtschaft hinkt bundesweitem Wachstum hinterher

Die Thüringer Bauwirtschaft hinkt trotz kräftigem Umsatzplus im ersten Quartal der deutschlandweiten Entwicklung hinterher. » mehr

Herzpatient in der Sauna

09.06.2020

Saunen und Bäder sollen wieder öffnen dürfen

Nach Grundrechtseinschränkungen und zahlreichen Verboten in der Corona-Krise will die Thüringer Landesregierung den nächsten Schritt zur Rückkehr in eine Art Normalität wagen. » mehr

Ausbildung

26.04.2020

Thüringens Handwerkern brechen Aufträge weg

Die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie haben viele Handwerker hart getroffen. Umsatzeinbußen sind die Folge. Die Erwartungen an die schrittweisen Lockerungen sind hoch. » mehr

Coronavirus - Homeoffice

14.06.2020

Richterin: Homeoffice birgt Gefahr der Selbstausbeutung

Während der Corona-Pandemie arbeiten viele Beschäftigte am heimischen Schreibtisch. Das Recht auf Homeoffice will Bundesarbeitsminister Heil nun gesetzlich verankern - was nicht nur von Arbeitgebern kritisch gesehen wird... » mehr

Bodo Ramelow

08.06.2020

Ramelow warnt vor Leichtsinn im Umgang mit Corona-Virus

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat angesichts von Bildern mit dicht gedrängten Menschen auf Demos und Partys vor Leichtfertigkeit gewarnt. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Verkehrsunfall Oberhof Oberhof

Unfall Oberhof | Oberhof
» 6 Bilder ansehen

Verkehrsunfall Hildburghausen Hildburghausen

Verkehrsunfall Hildburghausen | 07.07.2020 Hildburghausen
» 11 Bilder ansehen

Motorradunfall Streufdorf Streufdorf

Motorradunfall Streufdorf | 04.07.2020 Streufdorf
» 7 Bilder ansehen

Autor

Von Jörg Aberger

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
19. 04. 2020
09:10 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.