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Thüringen

Freiwillig wiederholen statt sitzen bleiben

Wegen des vielen ausgefallenen Unterrichts hat das Thüringer Kultusministerium die Möglichkeit ausgeweitet, Klassen freiwillig zu wiederholen. Dies hat eine neue Debatte ums Sitzenbleiben ausgelöst.



Erfurt - Eltern, deren Kinder Probleme in der Schule haben, können in diesem Jahr einfach die freiwillige Wiederholung des Schuljahrs beantragen. Laut der aktuellen "Verordnung zur Abmilderung der Folgen der Corona-Pandemie im Schulbereich" ist das auch möglich, wenn die betreffende Klasse bereits wiederholt wurde. Den Antrag können Eltern bis eine Woche nach Ausgabe der Zeugnisse für dieses Schuljahr stellen - mit Ausnahme von Abschlussklassen.

Die Verordnung sieht auch vor, dass Schüler der Klassenstufen 4, 6 und 8 in diesem Jahr automatisch in die nächsthöhere Klassenstufe aufrücken. Ohnehin gilt in Thüringen, dass es am Ende der 5. und der 7. Klasse kein "Sitzenbleiben" gibt. Damit ist in diesem Schuljahr ein Sitzenbleiben praktisch nur in der 9. und 10. Klasse möglich.

Kritik am üblichen Aussetzen des Sitzenbleibens in der 5. und 7. Klasse kam von der CDU. Diese Regelung habe sich nicht bewährt, kritisierte der CDU-Bildungpolitiker Christian Tischner in der Thüringer Allgemeinen . Die Folge sei, dass die Sitzenbleiberquote in den darauffolgenden Jahren deutlich steige, so der CDU-Politiker.

Demgegenüber bezeichnete die Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Astrid Rothe-Beinlich, das Sitzenbleiben als "veraltetes Instrument". Bildungsforscher bemängelten seit Jahren, dass das erzwungene Sitzenbleiben faktisch teuer und unwirksam sei. "Wenn überhaupt, dann gibt es nur im Wiederholungsjahr empirisch belegte Verbesserungen, die aber spätestens im Folgejahr wieder verpuffen. Sie haben leider keine nachhaltig günstige Wirkung auf die Lernentwicklung", so Rothe-Beinlich.

Angesichts der Auswirkungen der Corona-Pandemie war der Verzicht aufs Sitzenbleiben aus den verschiedensten Richtungen gefordert worden. Durch die Schulschließungen bildeten die bisher gegebenen Noten das Leistungsvermögen der Schüler allenfalls in Ausschnitten ab, erklärte etwa der SPD-Bildungspolitiker Thomas Hartung. Auch könne eine Bewertung der zu Hause bearbeiteten Aufgaben nicht die Beurteilungen im Unterricht ersetzen. Ähnliche Entscheidungen haben auch andere Bundesländer bereits getroffen.

Mit den vereinfachten Regelungen zum freiwilligen Wiederholen soll dem Sitzenbleiben zugleich sein schlechtes Image genommen werden. Diese Möglichkeit sei ein wichtiges Signal und könne jede Menge Druck von denen nehmen, die unter der schwierigen Situation der Pandemie besonders gelitten hätten, sagte Rothe-Beinlich. Betroffene hätten im Homeschooling vielleicht weniger Unterstützung erfahren oder nicht über die technischen Voraussetzungen verfügt, um gleichermaßen teilhaben und digitale Lernangebote nutzen zu können. "Das wiederholte Jahr wird zudem nicht auf die Schullaufzeit angerechnet. Freiwillige Klassenwiederholungen haben im Gegensatz zum verordneten Sitzenbleiben zudem häufig auch positive pädagogische Wirkung", so die Grünen-Politikerin. Trotzdem brauche es für alle Kinder und Jugendlichen vor allem individuelle Förderung von Anfang an.

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Jens Wenzel

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Veröffentlicht am:
19. 05. 2020
07:32 Uhr

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19. 05. 2020
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