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Thüringen

Freie Schulen im Land erleben einen großen Zulauf

Trotz Schulgeldes lernt inzwischen mehr als jeder zehnte Schüler in Thüringen an einer privaten Schule - Tendenz steigend. Die Bildungsgewerkschaft GEW sieht das mit Skepsis.



Besondere Atmosphäre, besonderer Zusammenhalt? Warum Eltern ihre Kinder vermehrt auf freie Schulen schicken, ist nicht ganz klar. Die Nachfrage jedenfalls ist in einigen Thüringer Städten so hoch, dass sie nicht gedeckt werden kann. Foto: Florian Schuh/dpa
Besondere Atmosphäre, besonderer Zusammenhalt? Warum Eltern ihre Kinder vermehrt auf freie Schulen schicken, ist nicht ganz klar. Die Nachfrage jedenfalls ist in einigen Thüringer Städten so hoch, dass sie nicht gedeckt werden kann. Foto: Florian Schuh/dpa   » zu den Bildern

Erfurt - Das Interesse an den freien Schulen in Thüringen ebbt nicht ab. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen an den Schulen in freier Trägerschaft ist in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gestiegen, wie Daten des Bildungsministeriums in Erfurt belegen. Demnach lernten zuletzt knapp 27 000 Mädchen und Jungen an den derzeit 171 privaten Schulen im Freistaat. Das waren rund 19 Prozent mehr Schüler als vor zehn Jahren. Während im selben Zeitraum 69 staatliche Schulen im Freistaat verschwanden, gab es bei den freien Schulen 30 Neugründungen.

Die freien Schulen in Zahlen

In Thüringen ist in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der Schulen in freier Trägerschaft gestiegen, während die der öffentlichen Schulen sank. Die Entwicklung in Zahlen:

Im Schuljahr 2008/2009 gab es 888 staatliche und 141 Schulen in freier Trägerschaft. Im Schuljahr 2018/2019 waren es noch 819 staatliche und 171 freie Schulen.

In den vergangenen zehn Jahren entstanden damit im Freistaat 30 neue freie Schulen; davon waren
19 Gemeinschaftsschulen. Die Zahl der staatlichen Schulen nahm im selben Zeitraum um 69 ab.

Im abgelaufenen Schuljahr lernten 26 998 Mädchen und Jungen an freien Schulen, 217 087 Kinder und Jugendliche an den staatlichen Schulen. Zehn Jahre zuvor waren es 22 613 Schüler an freien und 228 722 Schüler an staatlichen Schulen.

Damit hat sich die Schülerzahl an den freien Schulen in den vergangenen zehn Jahren um 4385 vergrößert, die an den staatlichen Schulen um 11 636 verringert.

 

Zwei Drittel davon waren freie Gemeinschaftsschulen. Die zunehmende Schülerzahl an den freien Schulen lasse sich daher zum Teil auch mit dem wachsenden Interesse am längeren gemeinsamen Lernen begründen, sagte Ministeriumssprecher Frank Schenker. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht den steigenden Anteil an Schülern in freien Einrichtungen allerdings mit Sorge. "Der Zulauf zeigt, dass wir im staatlichen Schulwesen Probleme haben, die wir bewältigen müssen", erklärte die Landesvorsitzende Kathrin Vitzthum.

 

Eltern glaubten, dass die öffentlichen Schulen ihren Bildungsauftrag nicht mehr gut umsetzen könnten, so Vitzthum. Freie Träger hätten Strukturen aufgefangen, dort wo der Staat Schulen geschlossen habe. Einen weiteren Grund für das starke Interesse an den freien Bildungseinrichtungen sieht die Gewerkschaftschefin in den pädagogischen Lernansätzen. "Freie Schulen fangen konzeptionell mehr auf." Allerdings trügen sie nicht gerade zur Bildungsgleichheit bei, weil das Milieu dort von einer gut situierten Elternschaft mit hohem Bildungsabschluss geprägt sei.

Dem widersprach die Geschäftsführerin der Evangelischen Schulstiftung in Mitteldeutschland, Katrin Vogel. Die Elternschaft sei gemischt und spiegle - auch was die Einkommen betreffe - die gesellschaftliche Bandbreite wider. Die Schulgeldsätze seien zudem sozial gestaltet. In Trägerschaft der Stiftung befinden sich in Thüringen laut Vogel 18 Schulen.

"Wir betreiben keine Schulen im Sinne von Eliteschulen", stellte Vogel klar. Eltern entschieden sich für diese Schulform, weil dort eine besondere Atmosphäre, ein besonderer Zusammenhalt herrsche, und aufgrund der dort vermittelten christlichen Werte und Normen. Die Lehrer seien engagiert und die Kinder würden so angenommen, wie sie sind.

Besonders in Städten wie Erfurt, Jena oder Eisenach übersteige die Nachfrage die Zahl der Plätze deutlich, sodass Schüler abgewiesen werden müssten. Pläne für weitere Neugründungen freier Schulen hat die Stiftung laut Vogel derzeit aber nicht. Die Finanzhilfen des Landes für die freien Schulen reichen aus Sicht der Stiftung nicht aus. dpa

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Veröffentlicht am:
08. 08. 2019
07:16 Uhr

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Veröffentlicht am:
08. 08. 2019
07:16 Uhr



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