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Thüringen

Experten sehen Ende von großen Rechtsrockfestivals in Thüringen

Was bedeutet es, dass zum Rechtsrock-Konzert von Themar deutlich weniger Besucher kamen als im Vorjahr? Demokratieberater sehen einen Trend.



Erfurt/Themar - Nach dem Rechtsrock-Festival in Themar sehen Experten die Zeit solcher Großveranstaltungen dem Ende nahe. Das konsequente Eingreifen der Polizei am vergangenen Wochenende habe den Trend bestärkt, sagte ein Sprecher des Thüringer Projekts Mobit gegen Rechtsextremismus der Deutschen Presse-Agentur. «Es zeichnet sich ab, dass Großveranstaltungen dieser Art für einen großen Teil der Szene nicht mehr interessant sind.» Dass Besucher solcher Konzerte inzwischen nicht ungestört seien, mache solche Konzerte für viele unattraktiv.

Grund sind nach Einschätzung von Mobit die harten und breit kommunizierten Behördenauflagen sowie etwa im Fall von Themar das Durchgreifen der Polizei beim Durchsetzen dieser Regeln.

Das Projekt Mobile Beratung in Thüringen. Für Demokratie – gegen Rechtsextremismus (Mobit) beobachtet seit Jahren rechtsextreme Entwicklungen in Thüringen und veröffentlich regelmäßig auch eigene Zählungen zu Veranstaltungen der rechtsextremen Szene.

Schon im sächsischen Ostritz habe sich gezeigt, dass nur relativ wenige Besucher zu Rechtsrock-Konzerten kämen, wenn sie damit rechnen müssten, permanent von der Polizei beobachtet zu werden, sagte der Mobit-Sprecher. Auch Alkoholverbote würden die Konzerte zunehmend unattraktiv machen.

Sowohl in Ostritz als auch in Themar hatte die Polizei Alkohol auf dem Veranstaltungsgelände der Rechtsextremen beschlagnahmt, um Alkoholverbote umzusetzen. Zudem hatte die Polizei in Themar am Freitag die Auftritte zweier rechtsextremer Bands abgebrochen, nachdem diese mutmaßlich verbotene beziehungsweise nicht-angemeldete Lieder gespielt hatten.

In diesem Jahr waren zu dem Rechtsrock-Konzert in Themar deutlich weniger Besucher gekommen als im vergangenen Jahr. Nach Angaben der Polizei waren vergangenen Samstag über den Tag verteilt etwa 920 Menschen auf dem Gelände der rechtsextremen Veranstalter. Im Vorjahr waren nach damaligen Polizeiangaben noch mehr als 1700 Besucher gleichzeitig auf dem Festivalgelände. Wie viele es über den Tag verteilt waren, hatte die Polizei damals nicht erfasst.

Dass sich diese Tendenz abzeichne, bedeutet aber nicht, dass die rechte Szene weniger gefährlich werde, sagte der Mobit-Sprecher. Auch ändere dieser Trend nichts daran, dass Thüringen weiterhin eine Hochburg für rechtsextreme Musikveranstaltungen sei.

Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) hofft, dass zumindest die Großveranstaltungen bald aus dem Freistaat verschwinden. Die kleineren Konzerte seien schwieriger zurückzudrängen. «Das sind nämlich Versammlungen in geschlossenen Räumen», sagte Maier. Da sei es unter anderem schwieriger, strenge Auflagen zu erteilen.

Nach der jüngsten Mobit-Statistik gab es 2018 in Thüringen 71 rechte Musikveranstaltungen – so viele wie nie zuvor seit Beginn der Zählung in den 2000er Jahren. Vier dieser Veranstaltungen klassifizierten die Demokratieberater als Großveranstaltungen. Dagegen waren davon 45 Liederabende. Deren Zahl lag am Beginn der 2010er-Jahre noch bei sechs bis sieben pro Jahr. dpa

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Veröffentlicht am:
10. 07. 2019
07:25 Uhr

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10. 07. 2019
07:25 Uhr



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