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Thüringen

Erfurt-Express bringt Regio-Halt Ilmenau wieder ins Gespräch

Der geplante Erfurt-Nürnberg-Express lässt Träume von einem Regionalbahn-Halt östlich Ilmenaus aufleben. Der Ilm-Kreis will nun dafür kämpfen.



Erfurt-Express bringt Regio-Halt Ilmenau wieder ins Gespräch
Erfurt-Express bringt Regio-Halt Ilmenau wieder ins Gespräch  

Ilmenau - Bahnsteige an jeder Seite, Parkplätze, barrierefreie Unterführungen, eine neue Zufahrtstraße zur B 88, zur A 71und ins sechs Kilometer entfernte Stadtzentrum: Alles war 1996 schon geplant für den Regionalbahnhof Ilmenau-Wümbach an der ICE-Trasse durch den Thüringer Wald. In einer Viertelstunde wäre man am Erfurter Hauptbahnhof gewesen; erstmals überhaupt hätte es in Ilmenau Züge nach Süden gegeben, und das mit sagenhaften 100 Minuten Fahrzeit bis Nürnberg.

Wäre. Hätte. Der Traum von Universität, Wirtschaft und vielen anderen in der Region Ilmenau wurde im Juni 2012 jäh gestoppt: Man wolle zwischen Erfurt und Bamberg keinen weiteren Fernzughalt, beschloss der Bund, dem damals schon der (später dann doch eingerichtete) ICE-Stopp in Coburg nicht ins Konzept passte. Und für einen Regionalbahn-Stopp liege die Station zu weit außerhalb, befand wiederum die Landesregierung und schloss mit diesem Argument gleich jeglichen Nahverkehr auf der neuen Trasse aus. Keine Züge, kein Bahnhof: Die ICE-Planer schwenkten um - und bauten Wümbach als reine Überholstation. Seit Eröffnung der ICE-Strecke Ende 2017 können auf drei Nebengleisen langsamere Züge halten und schnelleren Platz machen. Ein- und aussteigende Fahrgäste sind nicht vorgesehen.

Vorgesehen war aber bisher auch kein Regionalverkehr. Bis Montag, als plötzlich eine Ausschreibung ab Ende 2023 auftauchte, die auch einen Regionalexpress Erfurt-Coburg-Nürnberg für den (wahrscheinlichen) Fall vorsieht, dass Coburg keinen ICE-Halt im Zwei-Stunden-Takt erhält. Was ihr Haus dazu bewogen hat, nun doch Regionalbahnen über die ICE-Trasse zu schicken, lässt Verkehrsministerin Birgit Keller (Linke) im Dunkeln. Klar scheint aber: Das Ministerium hätte kein Problem damit, wenn der Express, den Bayern und Thüringen gemeinsam bezahlen müssten, mit Tempo 190 ohne Halt durch Südthüringen rauscht. Es gebe "keine konkreten Pläne", sich für einen Regionalbahnhof Ilmenau-Wümbach zu engagieren, hieß es.

Eine andere Linke hat nun genau dieses Engagement angekündigt: Petra Enders. Sie plädiert vehement für den Stopp in Wümbach, seit sie im Juli 2012 - zeitgleich zum damaligen Schwenk des Bundes - Landrätin im Ilm-Kreis wurde. Enders war damals gegen den Verzicht auf den Regionalbahnhof vor das Oberverwaltungsgericht gezogen. Zwar wurde ihr Ansinnen, die ursprünglichen Baupläne wieder in Kraft zu setzen, Ende 2015 aus formalen Gründen abgelehnt. In der Sache selbst sieht sich Enders aber durch das damalige Urteil im Recht. Die Richter hätten ausdrücklich die Pflicht der Bahn betont, in Wümbach so zu bauen, dass ein Regionalzughalt auch nachträglich eingerichtet werden könnte, sagte Enders und kündigte angesichts der veränderten Zug-Pläne an: "Ich nehme den Kampf wieder auf."

Als "wirtschaftlich dynamischste Region mit dem Erfurter Kreuz" habe der Ilm-Kreis eine Anbindung an das schnelle Bahnnetz verdient, sagte Enders. Auch angesichts des bundesweiten Rufs der Technischen Universität sei es nicht akzeptabel, dass Bahnfahrer aus dem Süden erst an Ilmenau vorbeifahren, um dann in großem Bogen über Erfurt wieder im Bummeltempo nach Ilmenau zurückzufahren, so die Landrätin. Das Gegenargument des einstigen Ilmenauer OB Gerd-Michael Seeber, wonach ein Halt an der ICE-Trasse die Existenz des Innenstadtbahnhofs gefährde, lässt sie nicht gelten: "Dort endet die Bahn in einer Sackgasse, in Wümbach aber würde auch ein Anschluss nach Süden geschaffen."

Wie aufwendig und teuer ein Umbau zum Regio-Halt wäre, bleibt zunächst offen. Nur eines der drei Nebengleise hat eine Oberleitung. Es gibt eine Brücke, aber die vorgesehene Straße zur B 88 existiert nur als kurzer Stumpf. Die Bahn-Bauleute sagten stets, man habe eine etwaige spätere Umrüstung eingeplant. "Jetzt ist das Geld dafür da, später nicht mehr", hatten enttäuschte Kommunalpolitiker 2012 geargwöhnt.

Allerdings nähren Details der aktuellen Ausschreibung Hoffnung. So trägt der künftige Betreiber das Einnahme-Risiko; muss sich also um möglichst viele Fahrgäste kümmern. Zugleich hat nach Expertensicht nur die Deutsche Bahn realistische Chancen auf den Zuschlag, der Anfang 2020 erteilt werden soll. Betrieb und Bahnhöfe lägen so in einer Hand - was die Lust des Bauherrn Bahn auf eine Umrüstung Wümbachs steigern dürfte. Schließlich bringt jeder Stopp zusätzliche zahlende Passagiere. er

Lesen Sie dazu auch: Mit Express rückt für Sonneberg auch Nürnberg näher heran

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Veröffentlicht am:
09. 08. 2019
08:21 Uhr

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Veröffentlicht am:
09. 08. 2019
08:21 Uhr



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