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Thüringen

Besser als andere: Tarifbindung der Thüringer Metallindustrie steigt

Von Tarifflucht ist in einigen Thüringer Branchen die Rede. Laut DGB bekommen nur 43 Prozent der Arbeitnehmer im Land Tariflöhne. Doch das gilt nicht für alle Branchen.



Die Metallindustrie gehört zu einem der wichtigsten Standbeine der Thüringer Wirtschaft. In Ichtershausen zum Beispiel werden Stahlblechbänder in den Produktionshallen der Gonvauto Thüringen GmbH für die Auslieferung vorbereitet. Archivfoto: Martin Schutt/dpa
Die Metallindustrie gehört zu einem der wichtigsten Standbeine der Thüringer Wirtschaft. In Ichtershausen zum Beispiel werden Stahlblechbänder in den Produktionshallen der Gonvauto Thüringen GmbH für die Auslieferung vorbereitet. Archivfoto: Martin Schutt/dpa  

Erfurt - In der Thüringer Metall- und Elektroindustrie steigt nach Angaben der IG Metall die Zahl der Beschäftigten mit Tarifentgelten. Die Entwicklung in der stärksten Industriebranche in Thüringen verlaufe gegen den Trend. "Wir haben eine seit Jahren wieder steigende Tarifbindung", sagte IG Metall Bezirksleiter Jörg Köhlinger auf Anfrage. Die Zahl der Unternehmen, die an Flächen- sowie Anerkennungs- oder Firmentarifverträge gebunden sind, sei von 98 im Jahr 2011 auf jetzt etwa 130 gewachsen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sieht in anderen Branchen ein wachsendes Problem durch die Flucht von Unternehmen aus den tarifgebundenen Arbeitgeberverbänden. Untersuchungen hätten ergeben, dass branchenübergreifend nur noch 18 Prozent der Thüringer Betriebe tarifgebunden seien. Damit würden 57 Prozent der Beschäftigten die tariflich ausgehandelten Löhne verwehrt, so der DGB. Die Praxis, dass Arbeitgeber aus den Verbänden austreten, die Tarife schließen, und in nicht tarifgebundene Verbände wechselten, sabotiert nach Meinung des DGB Hessen-Thüringen das System der Sozialpartnerschaft.

Laut IG Metall ist die Zahl der Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie, für die Tarifvereinbarungen gelten, seit 2011 um mehr als 10.000 auf etwa 37.000 gestiegen. "Es gibt eine stabile Zahl an Mitgliedsunternehmen im Verband der Metall- und Elektroindustrie, die damit an die Flächentarifverträge gebunden sind, sowie inzwischen über 70 einzelbetriebliche Tarifverträge", so Köhlinger.

In den Firmenverträgen werde für mehr als 15 000 Beschäftigte eine schrittweise Angleichung der jeweiligen betrieblichen Regelungen an die der Flächentarifverträge geregelt. Das sei zur Fachkräftegewinnung auch dringend nötig. "Als Billiglohnland hat Thüringen jedenfalls keine Zukunft", erklärt Köhlinger.

Aktuell setzt sich die IG Metall für die Einführung der 35-Stunden-Woche in der ostdeutschen Metallindustrie ein. Sie gilt bereits seit vielen Jahren in Westdeutschland. Im Osten werden laut Tarifvertrag noch 38 Stunden pro Woche gearbeitet.

Die Metallindustrie einschließlich Autozulieferer und Maschinenbau ist der umsatzstärkste Industriebereich in Thüringen. Allein im ersten Quartal beliefen sich seine Umsätze auf rund 3,3 Milliarden Euro.

Auch in Südthüringen ist die Zahl der Unternehmen in der Metall- und Elektroindustrie in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. So berichtete Thomas Steinhäuser, erster Bevollmächtigter der IG Metall Suhl/Sonneberg bereits im vergangenen November, dass die Zahl der Unternehmen mit gewählten Betriebsräten von 62 im Jahr 2014 auf 74 im Jahr 2018 gestiegen sei.

"Damit haben inzwischen 1210 Beschäftigte mehr in Südthüringen als noch zuvor eine betriebliche Interessenvertretung", hatte Steinhäuser seinerzeit erklärt. Ähnlich verhalte es sich bei den Wahlen der Schwerbehindertenvertrauensleute in 19 Betrieben (2014 in 12 Betrieben) und bei den Wahlen der Jugend- und Auszubildendenvertretungen in 15 Betrieben (2016 in 10 Betrieben).

Allein in den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres konnte die IG Metall in Südthüringen 355 neue Mitglieder aufnehmen. "Die IG Metall Suhl-Sonneberg weist nach, dass sie durchsetzungsfähig ist. Durch die Steigerung unserer Mitgliederzahl in den Betrieben konnten wir zugleich die Tarifbindung weiter ausbauen", hatte Steinhäuser damals berichtet.

Neben den Tarifabschlüssen in den Flächentarifverträgen der metall- und Elektroindustrie und der holz- und kunststoffverarbeitenden Industrie Thüringens habe die Gewerkschaft in sieben Betrieben im vergangenen Jahr Tarifverträge durchsetzen können, davon in drei Betrieben in Südthüringen mit insgesamt 240 Beschäftigten erstmals.

In zehn weiteren Betrieben hatte sich die IG Metall zum damaligen Zeitpunkt in Haus-Tarifverhandlungen befunden. "Ohne eine starke IG Metall gelingen solche Erfolge nicht", so Steinhäuser. Einige dieser Verhandlungen konnten inzwischen erfolgreich abgeschlossen werden, mit zum Teil zweistelligen Zuwachsraten bei der Bezahlung. dpa/jol

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01. 06. 2019
08:50 Uhr

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01. 06. 2019
08:50 Uhr



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