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Thüringen

Berauschte Igel und warum Tiere manchmal betrunken sind

Zwei betrunkene Igel machten vor einigen Wochen Schlagzeilen, die eine Passantin in Erfurt gefunden hatte. Dabei sind berauschte Wildtiere gar keine Seltenheit. In diesem Jahr scheinen die Voraussetzungen für einen tierischen Rausch besonders gut zu sein.



Igel
Ein Igel (Erinaceus europaeus) sucht nach Futter.   Foto: Julian Stratenschulte/Archiv

Erfurt - Nicht nur alkoholische Getränke, sondern auch vergärende Früchte können wilde Tiere nach Einschätzung eines Naturschutzexperten in einen Rausch versetzen. «Dadurch können Igel, aber auch andere Säugetiere auf natürliche Weise betrunken werden», sagte der Thüringer Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Burkhard Vogel. Gefährlich sei der Rausch für die Tiere aber meist nicht. Mitte Juni waren am Rande des Krämerbrückenfestes in Erfurt zwei Igel gefunden worden, die offenkundig völlig betrunken waren. Es dauerte einige Zeit, bis sie wieder ausgenüchtert waren.

Doch nicht bei allen Tierarten wirkt Alkohol in gleicher Weise. Nach Angaben von Vogel ist es von Art zu Art unterschiedlich, ob sich Tiere durch Trinken und Fressen in einen Rausch versetzen können. Das hänge davon ab, ob sie ein bestimmtes Enzym im Körper haben, erläuterte Vogel. Neben Igeln gehörten beispielsweise Wildschweine zu den Tierarten, bei denen immer wieder Rauschzustände zu beobachten seien. Als Allesfresser sei auch bei ihnen die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie entweder von Menschen produzierten Alkohol zu sich nehmen, wenn sie etwa halbleere Bier- oder Schnapsflaschen finden, oder dass sie vergärende Früchte zu sich nehmen.

Die beiden betrunkenen Erfurter Igel waren von einer Passantin entdeckt worden. Sie hatte deswegen die Polizei gerufen. Die Beamten stellten nach eigenen Angaben schnell fest, dass die Tiere vom Inhalt einer auslaufenden Eierlikörflasche getrunken hatten. Sie brachten die beiden Igel anschließend zum Ausnüchtern in den Zoopark Erfurt.

Die Zoopark-Sprecherin Katharina Schendel sagte, die ältere der beiden Igelinnen habe kaum noch Zähne im Mund gehabt, so dass die kalorienreiche Flüssignahrung ihr sicherlich recht gekommen sei. Grundsätzlich sei es nicht verwunderlich, dass in der Stadt lebende Wildtiere Alkohol wie den Eierlikör ebenso wie auch Essensreste zu sich nähmen. Für die Tiere sei das eine recht einfache, wenn auch nicht ganz ungefährliche Form der Nahrungsbeschaffung, sagte sie. Vogel bestätigte das.

Zu den vergärenden Früchten, die nach Angaben Vogels bei Tieren besonders häufig Rauscherscheinungen verursachen, gehören grundsätzlich viele der Obstsorten, aus denen Menschen Schnaps oder Likör herstellen. Nach Vogels Einschätzung scheint dieses Jahr ein besonders gutes für Äpfel, Pflaumen und Kirschen zu werden. Für Wildtiere gebe es in den nächsten Wochen also viele Möglichkeiten, sich zu berauschen.

Zwar könne es bei häufigem Alkoholkonsum zu Organschäden bei Tieren kommen, sagte Zoopark-Sprecherin Schendel. Etwa für Igel aber sei die Gefahr, durch ein Auto getötet zu werden, deutlich größer, sagte Vogel. «Da die Tiere beim Annähern von Fahrzeugen häufig sitzen bleiben und auf ihr Stachelkleid vertrauen, werden sie oft überfahren», sagte er. Außerdem komme es immer wieder zu Vergiftungen von Igeln durch unsachgemäß gestreutes Rattengift.

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Von Sebastian Haak
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Veröffentlicht am:
10. 08. 2018
10:43 Uhr

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10. 08. 2018
10:43 Uhr



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