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Thüringen

Behörde: Land darf Ohrdrufer Wölfin schießen

Die Wölfin, die bei Ohrdruf über den Truppenübungsplatz der Bundeswehr streift und dort schon viele Schafe gerissen hat, darf getötet werden. Die Wölfin geriet nicht nur wegen ihrer Schafsrisse in die Schlagzeilen.



Die Wölfin bei Ohrdruf darf nun offiziell getötet werden. Die Genehmigung für den umstrittenen Abschuss des Tieres, das nachweislich Dutzende Schafe getötet hat, liege seit Montag vor, teilte das Thüringer Umweltministerium mit. Das Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz habe als zuständige Behörde den vom Ministerium gestellten Antrag zuvor intensiv geprüft, hieß es.

Grundlage zum Abschuss der eigentlich streng geschützten Wölfin sind Ausnahmeregelungen im Bundesnaturschutzgesetz und in der Bundesartenschutzverordnung. Unter anderem weil die Wölfin genetisch nachweislich mehrfach hohe Schutzzäune von Schafsherden überwunden hat, sei die Tötung gerechtfertigt. Auch drohten den Schäfern durch die Wölfin weitere erhebliche wirtschaftliche Schäden, so die Begründung des Ministeriums. Um die Weidetierhaltung in Zukunft mit der Rückkehr des Wolfes nach Thüringen in Einklang bringen zu können, sei es in Ausnahmefällen notwendig, einzelne Tiere zu töten.

Der Abschuss eines Einzeltieres führt nicht zu einer Verschlechterung des allgemeinen Erhaltungszustandes der Population der Art, betonte das Ministerium. Details darüber, wie oder von wem die Wölfin geschossen werden soll, nannte das Ministerium nicht - aus Schutz der beteiligten Fachleute, wie es hieß.

Der Abschuss wird nach Ministeriumsangaben ausführlich dokumentiert werden. Auch der Kadaver der Wölfin soll umfangreich analysiert werden. Bis vor Kurzem hatte das Ministerium stets darauf verwiesen, die Wölfin zumindest einfangen zu wollen, und sie mit einem Peilsender auszustatten. So hätte mehr über die Wölfin im Speziellen und der Art Wolf im Allgemeinen in Erfahrung gebracht werden sollen.

Alternativen zu einem Abschuss der Wölfin gebe es unter diesen Umständen keine, so das Ministerium. Die Wölfin lebend einzufangen und sie in einem Gehege unterzubringen, füge dem Wildtier Leid zu.

Den Herdenschutz weiter zu verbessern, indem etwa noch höhere Zäune genutzt werden, sei für die Schäfer des unverhältnismäßigen Aufwands wegen nicht zumutbar. Thüringen unterstützt Weidetierhalter finanziell bei Schutzmaßnahmen gegen Wölfe: So werden etwa spezielle Elektrozäune gefördert.

Auch die vom Naturschutzbund Thüringen (Nabu) ins Spiel gebrachten Herdenschutzhunde seien für die spezielle Situation bei Ohrdruf nicht geeignet, führte das Ministerium aus. Bei den Großherden dort, wären bis zu zehn oder mehr solcher speziell zum Schutz von Tierherden ausgebildete Hunde nötig. «Dies bedeutet nicht nur einen erheblichen finanziellen Aufwand, sondern daraus entstehen auch logistische und tierschutzrechtliche Probleme», hieß es in einer Erklärung des Ministeriums.

Der Nabu hatte einen möglichen Abschuss der Wölfin bereits kritisiert. Der Verein zweifelt etwa an der Rechtmäßigkeit eines Abschusses. «Eine mögliche Klage gegen eine Genehmigung zur Tötung der Wölfin prüft der Verband gerade», hieß es dort Ende vergangener Woche. Allerdings hatte erst am Donnerstag der Bundestag ein Gesetz beschlossen, wonach der Abschuss von Wölfen wie der Ohrdrufer Wölfin rechtlich erleichtert werden soll.

Die Wölfin schaffte es nicht nur wegen ihrer Risse in die bundesweite Schlagzeilen: Lange galt sie als einzige Vertreterin ihrer Art mit festem Revier in Thüringen. Wohl in Ermangelung eines Artgenossen paarte sie sich mit einem Haushund und brachte Mischlinge zur Welt. Einige dieser Hybride wurden mit Genehmigung aus Artenschutzgründen geschossen, andere sind wohl abgewandert.

2019 brachte sie abermals sogenannte Hybriden zur Welt. Auch diese Hybride sollen geschossen werden, damit sie nicht den Genpool der als stark gefährdeten eingestuften Art Wolf verwässern. dpa

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Veröffentlicht am:
23. 12. 2019
15:03 Uhr

Aktualisiert am:
23. 12. 2019
17:02 Uhr

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23. 12. 2019
15:03 Uhr

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23. 12. 2019
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