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Thüringen

Bauern brauchen den Regen für die neue Saat

Nach der Ernte ist vor der Ernte. In den Agrarbetrieben wird jetzt der Grundstein gelegt für 2020 - und die Trockenheit bleibt weiterhin das Thema.



Die Feldarbeiten - wie hier beim Ausbringen der Gülle bei Schleusingen - waren in den vergangenen Wochen stets eine staubige Angelegenheit. Nach dem Trockenjahr 2018 fehlte auch in diesem Jahr vielerorts der Niederschlag. Foto: B. Schunk
Die Feldarbeiten - wie hier beim Ausbringen der Gülle bei Schleusingen - waren in den vergangenen Wochen stets eine staubige Angelegenheit. Nach dem Trockenjahr 2018 fehlte auch in diesem Jahr vielerorts der Niederschlag. Foto: B. Schunk  

Mihla/Schleusingen/Schmalkalden - Fragt man Bernd Apfel, wann es bis zum Wochenende das letzte Mal in seinem Agrarunternehmen in Mihla (Wartburgkreis) ordentlich geregnet hat, muss er überlegen. "Das weiß ich aus dem Kopf schon gar nicht mehr auf Anhieb - so lange ist das her. Das Wort Regen kann man schon kaum noch buchstabieren."

Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Eisenach/Bad Salzungen weiß auch von seinen Berufskollegen, dass das Trockenjahr 2018 weiter nachwirkt. Das Wasserdefizit des Vorjahres ist auch 2019 noch lange nicht ausgeglichen - und schon wieder stehen extrem trockene Wochen aus dem Sommer und Frühherbst zu Buche.

Im letzten Jahr musste Apfel von 150 Hektar Raps zwei Drittel umackern und neu ansäen, weil die Saat wegen fehlendem Regen kaum aufgegangen war. Im August kam nun der Raps für die Ernte 2020 in den Boden. "Das sieht derzeit nicht viel besser aus." Weil wegen dem fehlenden Niederschlag allerorts die Futterreserven aufgebraucht waren, haben viele Betriebe den Maisanbau ausgeweitet.

Vorsichtig beim Düngen

Aktuell läuft die Ernte - früher als sonst, denn die Trockenheit hat auch in der Wartburgregion den Mais zeitiger abreifen lassen. Menge und Qualität bewegen sich von "im Durchschnitt" bis "deutlich weniger". Dabei hat nicht nur Trockenheit den Beständen zugesetzt. Auch die Wildschweine haben sich auf den Feldern bedient. "Teilweise geht der Verlust bis zu einem Fünftel", so Apfel.

Die Feldarbeiten waren in den letzten Wochen wegen der Trockenheit allerorts eine staubige Angelegenheit - so auch in der Landwirtschafts-Produktions-GmbH Schleusingen & Co. Vermögens KG. Die GPS-gesteuerte Technik, die die vergorene Gülle aus der Biogasanlage als Dünger ausbringt, drehte Schlag für Schlag ihre Runden - und zog eine Staubwolke nach sich. Sobald die verarbeitete Gülle auf die Erde kommt, wird sie mit dem Boden durchmischt. Das senkt nicht nur die Geruchsbelästigung, sondern sorgt auch dafür, dass weniger Stickstoff in die Luft abgegeben wird. "Das Fahrzeug fährt quasi von alleine und hält genau seine Fahrlinie ein", sagt Pflanzenbauchef Matthias Stumpf. So wird vermieden, dass bei einer Arbeitsbreite von sechs Metern teilweise Flächen womöglich doppelt gedüngt werden. "Die Stickstoffgaben sind genau berechnet - wir geben allerdings weniger Dünger in den Boden als erlaubt ist."

Zahlreiche Auflagen

Rund eine halbe Million Euro kostet solch ein modernes Fahrzeug. Der Betrieb hat einiges investiert - etwa auch in die Güllelagerstätten. Die Kapazität reicht nun, um die tierischen Abprodukte achteinhalb Monate lang zu lagern - sechs Monate wären Pflicht. So will das Unternehmen gut übers Jahr und die Sperrzeiten, in denen keine Gülle ausgebracht werden darf, kommen. "Alles Ausgaben, mit denen wir auf neue gesetzliche Regelungen der Düngeverordnung reagieren müssen und sogar noch mehr leisten als gefordert", sagt Stumpf. "Wenn dann aber noch Jahre mit geringeren Erträgen vom Feld und vom Grünland wie derzeit hinzukommen, wird es mehr als schwierig." Der niedrige Milchpreis drückt ebenso auf die Bilanz der landwirtschaftlichen Unternehmen.

Schlechtes Futter

Die Tierhalter bekommen die Trockenheit 2018 und 2019 deutlich zu spüren. Viehbestände werden abgebaut, das drückt auf den Preis. Futter ist weniger gewachsen - und wird somit teuer. Die Mutterkuhhalter, deren Tiere vom Frühjahr bis in den Spätherbst hinein auf der Weide stehen und naturnah heranwachsen, erleben die Folgen auch in anderer Hinsicht. Schlechtes Futter hat dazu geführt, dass die Fruchtbarkeit gesunken ist und die Tiere weniger Widerstandskraft haben.

Astrid Hatzel, die Vorstandsvorsitzende der Agrargenosschaft Schmalkalden-Schwallungen, spricht von "Futter, das nicht viel mehr wert ist als besseres Stroh". Und das tauge nicht viel und führe zu Stoffwechselproblemen. Unterm Strich gibt es weniger Kälber, die Zahl der Tiererkrankungen steigt. "Ein schleichender Prozess, der sich auf die kommenden Jahre auswirkt", so Hatzel.

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Birgitt Schunk
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Veröffentlicht am:
24. 09. 2019
00:00 Uhr

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Birgitt Schunk

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24. 09. 2019
00:00 Uhr



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