Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Thüringen

Bahn rüstet sich für Winter und investiert 70 Millionen Euro

Zugausfälle, eingefrorene Weichen, gesperrte Strecken: Der Winter erwischt die Deutsche Bahn bisweilen kalt. Dabei trifft der Konzern im Kampf gegen Schnee und Eis jedes Jahr umfangreiche Vorkehrungen.



Wintereinbruch in Bayern
Stillstand in Berchtesgaden: Der Zugverkehr wurde eingestellt. (Symbolbild)   Foto: Tobias Hase

An der ICE-Strecke mitten im Thüringer Wald weist Holger Kühnast auf einen unscheinbaren Mast. «Wir sind hier auf dem neuesten Stand der Technik», erklärt der Infrastrukturchef bei der DB Netz in Erfurt. Ein Laserstrahl erfasst Schneehöhen, Sensoren messen Temperatur, Niederschläge, Windstärke und Luftfeuchtigkeit, eine Kamera übermittelt Livebilder. Die Wetterstation am Tunnel Lohmeberg ist eine von vier, die von der Bahn zwischen Ilmenau und Theuern nahe der bayerischen Grenze eigens für die ICE-Trasse München-Erfurt-Berlin errichtet wurden.

Seit Eröffnung der milliardenteuren Schnellstrecke vor zwei Jahren liefern die bahneigenen Wetterstationen streckenbezogene Livedaten und die Grundlagen für präzise Wetterprognosen. «Zwei Grad können den Unterschied zwischen Regen und Schnee ausmachen», sagt Kühnast. Davon hänge ab, wie die Bahn vor allem im Winter Personal und Technik einsetze.

«Die Wetterprognosen sind für uns das A und O», betont der Winterexperte der DB Netz AG, Markus Schubert. Vor allem bei Schnee oder extremen Witterungen sei es wichtig, möglichst früh die Lage einzuschätzen und daraus Schlüsse für den Bahnverkehr zu ziehen. Das könne vom Drosseln der Geschwindigkeit bis zum Warten der Züge in den Bahnhöfen reichen.

Damit die täglich mehr als sieben Millionen Bahnreisenden auch im Winter an ihr Ziel kommen, trifft der Staatskonzern umfangreiche Vorbereitungen. Für den Winterdienst in dem bundesweit 33 400 Kilometer langen Schienennetz stehen in diesem Jahr nach Unternehmensangaben rund 40 Millionen Euro und für die 5700 Bahnhöfe etwa 30 Millionen Euro zur Verfügung.

Bundesweit springen 18 000 Winterdienst-Profis der Bahn und externer Firmen ein, wenn die Gleise bei Extremfrost oder starken Schneeverwehungen per Hand freigeräumt werden müssen. An strategischen Punkten wie am ICE-Knoten Erfurt steht außerdem Spezialtechnik für schneefreie Gleise bereit.

Zudem sind laut Bahn inzwischen 49 000 der deutschlandweit rund 70 000 Weichen mit einer Heizung ausgerüstet, um ein Einfrieren zu verhindern. Doch auch Wetterexperte Schubert weiß: «Trotz der ganzen Vorbereitungen sind wir nicht gegen alle Wetterlagen gefeit.»

So hatten im vergangenen Winter vor allem die Bahnmitarbeiter im Süden alle Hände voll zu tun. Auf den Regionalstrecken im bayerischen Alpengebiet ging bei Schneehöhen von bis zu 1,80 Meter nichts mehr. Als Lehre daraus werden dort in diesem Winter zusätzliche Räumfahrzeuge eingesetzt, um die Oberlandstrecken schneller wieder frei zu bekommen.

In Leipzig legten 2018 starke Schneefälle den Hauptbahnhof lahm. 2017 musste die Schnellfahrstrecke Köln-Rhein/Main wegen des Wintereinbruchs zeitweise gesperrt werden, und schnee- und eisbedingte Schäden an der ICE-Flotte sorgten für Zugausfälle und Schlagzeilen. Dennoch erreichten in den vergangenen beiden Wintern laut Bahn zwischen 75 und 78 Prozent aller Fernzüge pünktlich ihr Ziel.

Im ICE-Werk in Leipzig beginnen die Wintervorbereitungen schon Ende August. «Die Züge bekommen bei uns alle einen vier- bis sechsstündigen Wintercheck», sagt der Leiter Instandhaltungssteuerung, Thomas Foß. So werden etwa Heizsysteme, Wasseranlagen und Sicherheitskomponenten überprüft und gewartet. Im Winter werden in dem Werk außerdem vereiste Züge wieder flott gemacht.

«Die Bahn tut schon eine Menge», erkennt auch der Sprecher vom Fahrgastverband Pro Bahn, Karl-Peter Naumann an. «Ob es aber immer reicht, ist die große Frage.» In der Vergangenheit sei viel Bahninfrastruktur zurückgebaut worden. Es gebe daher bei Problemen zu wenig Ausweichstrecken oder Ausweichbahnhöfe. «Es fehlt grundsätzlich an Reserveinfrastruktur», meint Naumann. Das gelte an 365 Tagen im Jahr und mache sich bei Wintereinbrüchen erst recht bemerkbar. dpa

Autor

Redaktion
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
01. 12. 2019
10:05 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bahnmitarbeiter DB Netz AG Deutsche Bahn AG Deutsche Presseagentur Fahrgastverbände Niederschlag Pro Bahn Räumfahrzeuge Schienennetz Schnee Wetterexperten Wetterlagen Winterdienste Züge
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Sonne über Rapsfeld

05.06.2019

Bis zu 35 Grad am Mittwoch - auf Rekordtemperaturen folgen Gewitter

Erst kommt die große Hitze, dann folgen Gewitter: In Mitteldeutschland schwankt die Wetterlage in den kommenden Tagen stark. Der Mittwoch könnte der bisher heißeste Tag des Jahres werden. » mehr

Lokführer

05.11.2019

Gewerkschaft will bessere Arbeitsbedingungen für Lokführer

Wer Lokführer ist, der trägt eine große Verantwortung für die Menschen und Güter, die mit Zügen unterwegs sind. Kein leichter Job. Mit unbequemen Arbeitszeiten. Aber mit Zukunft - sagen Experten. » mehr

Regionalbahn

28.08.2019

Ilmenauer wollen für Regio-Bahnhof kämpfen

Universität, Stadt und Ilm-Kreis dringen beim Freistaat gemeinsam auf einen Regionalbahn-Halt Ilmenau auf der ICE-Strecke. Ob Land und Bahn ihn wollen, ist offen. » mehr

Schnee am Großen Inselsberg Tabarz/Oberhof

15.11.2019

Sonne, Regen, Schnee - wechselhaftes Wetter am Wochenende

Das Wetter in Thüringen ist am Wochenende wechselhaft und ungemütlich. Auch Schnee ist in höheren Lagen möglich. » mehr

Mehr Rücksicht auf Behinderte beim Schneeräumen nötig

01.12.2019

Mehr Rücksicht auf Behinderte beim Schneeräumen nötig

Wenn Gehwege im Winter mit Schnee zugeschoben werden, ist das ärgerlich für Fußgänger. Ein großes Hindernis ist es für Blinde oder Menschen im Rollstuhl, kritisiert Thüringens Behindertenbeauftragter. » mehr

Blick auf den Bahnhof Meiningen. In der Bildmitte bereiten Bagger rund um das bisherige Betriebsgelände von Komarek und Schwerda den Abriss vor. Dort soll die Werkhalle der Süd-Thüringen-Bahn entstehen. Fotos: Sven Wagner

06.09.2019

Meiningen wird abgehängt

Meiningen bezahlt die Modernisierung seines Bahnhofs mit einer zehnwöchigen Komplettsperrung. Die Zugbetreiber von der STB sind empört. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Neues Löschfahrzeug in Crock

Neues Löschfahrzeug Crock |
» 5 Bilder ansehen

Unfall Schnee Laster Bedheim Bedheim

Laster-Unfall Bedheim | 11.12.2019 Bedheim
» 31 Bilder ansehen

Hubschrauber-Säge Baumbeschneidung Sonneberg Sonneberg

Baumfällarbeiten Sonneberg | 09.12.2019 Sonneberg
» 37 Bilder ansehen

Autor

Redaktion

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
01. 12. 2019
10:05 Uhr



^