Topthemen: Orkan: Keine große Waldschäden - Trauer um Feuerwehrmann

Thüringen

Aufräumen nach «Friederike» - Minister würdigt Retter

Einen Tag nach den Verwüstungen durch das Orkantief «Friederike» gehen auch in Thüringen die Aufräumarbeiten weiter. Der Innenminister des Freistaats erinnerte daran, was Helfer in solchen Situationen regelmäßig und selbstlos für die Menschen im Land leisten.



Sturmschaden in Bad Salzungen
In Bad Salzungen zerstörte am 18. Januar 2018 ein umgestürzter Baum das Dach eines Wohnhauses.   Foto: Heiko Matz » zu den Bildern

Erfurt/Bad Salzungen – Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) hat einen Tag nach dem Wüten des Orkantiefs «Friederike» im Freistaat die Hilfe gewürdigt, die Polizisten, Feuerwehrleute und Sanitäter den Menschen im Land immer wieder zu teil werden lassen, wenn es zu Katastrophen welcher Art auch immer kommt. Bei einem Besuch in Bad Salzungen anlässlich des Tods eines Feuerwehrmanns am Donnerstag in Folge des Orkans sagte er, dieses Unglücke "macht uns wieder bewusst, dass sie alle oft genug ihr Leben aufs Spiel setzen, um anderen zu helfen. Sie tun in manchmal unberechenbaren Situationen alles, um noch schlimmere Ereignisse zu verhindern."

Der 28 Jahre alte Feuerwehrmann aus Bad Salzungen war von einem Baum erschlagen worden, als er eine Frau aus ihrem Auto befreien wollte. Die Bundeswehr unterstützte mit einem Schützenpanzer die Bergungsarbeiten später. Dieser half dabei, die Bäume abzutransportieren, die den Weg zum Unfallort versperrten. Nach Polizeiangaben wurde der tote Feuerwehrmann am frühen Abend geborgen. Ein weiterer Feuerwehrmann aus der Stadt erlitt bei dem Rettungsversuch der Frau schwere Verletzungen.

Die Thüringer Polizei war wegen des Orkans zu fast 1000 Einsätzen ausgerückt, wie die Landespolizeidirektion am Freitagmorgen mitteilte. Zwischen 13 Uhr am Donnerstag und 4 Uhr am Freitag wurden mehr als 1400 Notrufe zu dem Sturmtief gezählt, 947 Mal fuhren Polizisten daraufhin zu Einsätzen.

18.01.2018 - Sturmschäden bei Bad Salzungen - Foto: proofpic.de

Bergung Schwerverletzter
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Anders als der Sturm «Kyrill» im Jahr 2007 verursachte «Friederike» in den Wäldern im Land indes nur relative geringe Schäden. «Eine genaue Schadensbilanz ist erst in den nächsten Tagen leistbar, wenn die Forstwege von umgeworfenen Bäumen freigeschnitten und die Waldflächen wieder zugänglich sind, sowie die Schadensorte begutachtet werden können», sagte Thüringenforst-Vorstand, Volker Gebhardt, laut einer Mitteilung am Freitag. In einer ersten Prognose gehe er von 40 000 bis 100 000 Festmeter Bruch- und Wurfholz aus. Das sei ein überschaubarer Schaden, sagte er.

Gebhardt warnte dennoch davor, in den nächsten Tagen die Wälder zu betreten. Auf Spaziergänge sollte noch verzichtet werden, bis die Aufräumarbeiten abgeschlossen seien.

In Artern (Kyffhäuserkreis) musste eine Grundschule evakuiert werden, weil Dachziegel herunterfielen. In Böhlen (Ilm-Kreis) blieb ein Schulbus im Schnee stecken. Vielfach wurden die Polizisten alarmiert, weil Bäume umgestürzt waren oder Dächer abgedeckt wurden - vermehrt etwa in Erfurt. In Gera sei das Dach der Feuer- und Rettungswache abgedeckt worden. Der Betrieb dort sei aber weitergegangen.

Laut Polizei bleiben viele Straßen im Freistaat weiterhin abschnittsweise gesperrt. Im Berufsverkehr sei mit einzelnen Behinderungen zu rechnen. Nicht überall hätten es Einsatzkräfte geschafft, Bäume von den Fahrbahnen zu räumen. Außerdem sei damit zu rechnen, dass auch in der Nacht weitere Bäume umgestürzt sind.

Der Bahnverkehr sollte am Freitagmorgen wieder ohne größere Störungen rollen. Die Züge im Nahverkehr würden am Morgen weitgehend nach Fahrplan fahren, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Allerdings seien noch einzelne Einschränkungen zu erwarten.

Die Thüringer Energie AG, der größte Stromversorger im Freistaat, geht nach Angaben eines Sprechers davon aus, dass die Reparaturarbeiten an den Leitungen noch den ganzen Freitag in Anspruch nehmen. Bäume waren in Leitung gestürzt und hatten sie beschädigt. Der Orkan hat nach Angaben des Sprechers aber auch Strommasten umfallen lassen. Windräder mussten abgeschaltet werden. Im Altenburger Land hatten am Freitagmorgen noch rund 700 Kunden keinen Strom.

Nach Angaben von Bildungsminister Wolfgang Holter (Linke) konnten Eltern am Freitag selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder aus Sicherheitsgründen zu Hause behalten wollten. Wichtig sei allerdings, dass die Eltern die Schulen informierten, wenn die Kinder zu Hause blieben. Nur so sei sichergestellt, dass kein Kind verloren gehe. In Pößneck hatte der Orkan am Donnerstag das Dach einer Schule abgerissen, in der sich noch Kinder befanden. Nach Angaben des Landratsamtes des Saale-Orla-Kreis blieben aber alle Schüler unverletzt.

Das Sturmtief war mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 138 Stundenkilometern über den Freistaat gefegt. Wie in anderen Bundesländern kam der Bahnverkehr zeitweise zum Erliegen. dpa/maz/sh

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Veröffentlicht am:
19. 01. 2018
07:48 Uhr

Aktualisiert am:
19. 01. 2018
14:05 Uhr

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19. 01. 2018
07:48 Uhr

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19. 01. 2018
14:05 Uhr



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