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Thüringen

Angeklagter im Prozess um Attacke auf Fernseh-Team des MDR erneut verurteilt

Ausgerechnet als sie einen Beitrag mit syrischen Jugendlichen wegen fremdenfeindlicher Attacken drehen, soll ein Journalisten-Team in Erfurt selbst angegriffen worden sein. Jetzt ist der Angeklagte verurteilt worden.



Erfurt - "Ich mag sie nicht": Mit dieser Aussage hat ein Angeklagter Angriffe und Beleidigungen gegen Ausländer und Polizisten begründet. Am Mittwoch hat das Landgericht Erfurt den 42 Jahre alten Familienvater nun wegen neun ihm vorgeworfene Taten zu einem Jahr und elf Monaten Haft verurteilt - ohne Bewährung. Die hatte ihm das Amtsgericht in einem früheren Urteil wegen der Vorwürfe unter anderem der Beleidigung und Körperverletzung noch gewährt. Schon in dem früheren Urteil war von ausländerfeindlichen Motiven die Rede gewesen.

Der Angeklagte räumte die Taten weitgehend ein. Er gab an, zuvor meist getrunken zu haben. Mitglieder des MDR-Journalisten-Teams, das der Mann 2017 in Erfurt angegangen haben soll, sagten als Zeugen aus. Sie hätten zwar Bierflaschen bei dem Angeklagten und der Gruppe, mit der dieser vor Ort war, gesehen. Ob der Angeklagte aber tatsächlich betrunken gewesen sei, konnten sie nicht beurteilen.

Einem Gutachter zufolge soll der Mann bei dieser Tat zwar leicht betrunken gewesen sein. Da er Alkohol aber gewöhnt sei, habe dieser keine Auswirkungen auf ihn gehabt. Er sei zum Tatzeitpunkt voll schuldfähig gewesen.

Er sei mit dem Team zum Dreh bei einer syrischen Familie gewesen, deren Söhne selbst zuvor attackiert worden sein sollen, sagte der 33 Jahre alte syrischstämmige Journalist als Zeuge vor Gericht. Als das Team für Außenaufnahmen über einen Platz lief, sei zuerst das Kamerateam von der Gruppe um den Angeklagten angepöbelt worden. Später sei der Angeklagte bedrohlich auf ihn zugelaufen, habe ihn ausländerfeindlich beleidigt und verfolgt.

Der Kameramann erklärte, der Angeklagte hätte ihn zuvor am Kragen gepackt und gedroht, er würde ihm das Gesicht einschlagen, sollte er gefilmt worden sein. Auch soll einer der Männer einen Schlagstock gezogen haben. Sie sollen dann plötzlich von ihm und seinem Assistenten abgelassen haben. "Für mich wirkte das wie "Ah, Fernsehteam! Denen zeigen wir es mal!" und dann "Oh, ein Ausländer! Noch viel besser!"», sagte der Kameramann vor Gericht.

Ausgelebte Abneigung

Auch auf Fragen seitens des Vorsitzenden Richters hielt sich der Angeklagte mit seiner Abneigung gegenüber Ausländern und Polizisten nicht zurück. Auf die Frage, was er gegen Polizisten habe, sagte er: "Ich mag sie einfach nicht." Er sei selbst bei der Armee gewesen. Gegen Uniformen habe er also nichts.

Das Gericht sah einem Sprecher zufolge die Gesinnung des Mannes als Grund für die ihm vorgeworfenen Taten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. dpa

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Veröffentlicht am:
19. 07. 2018
00:45 Uhr

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19. 07. 2018
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