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Thüringen

Am Rennsteig soll Holz das neue Gold werden

Der Rohstoff der Zukunft wächst in den Thüringer Wäldern - Holz. Aber er wird hier kaum veredelt. Gesucht werden nun innovative Ideen und Technologien. Es winkt eine Millionen-Förderung.



Zurzeit sind die Holzpreise im freien Fall. Ein Bündnis will Holz nun zum Rohstoff der Zukunft machen. Archivfoto: ari
Zurzeit sind die Holzpreise im freien Fall. Ein Bündnis will Holz nun zum Rohstoff der Zukunft machen. Archivfoto: ari  

Cursdorf - Klar kann man Holz auch einfach verbrennen. Wenn es ein romantischer Abend vor dem Kamin sein soll, dann muss darin das Holz nun einmal knistern. Nicht nur auf die althergebrachte Art lässt sich Holz verfeuern. Das geht auch in modernen Hackschnitzel-Öfen, die in der Bedienung mit jeder Erdgas-Heizung mithalten können. Aber mal ehrlich: Ist das Verbrennen von Holz nicht irgendwie Steinzeit?

Das jedenfalls findet Forst-Professor Erik Findeisen von der Fachhochschule Erfurt. Er hat das Bündnis "Holz-21-regio" gegründet. Das Bündnis will die steinzeitliche Holznutzung in die Zukunft beamen. Es hat sich nicht weniger vorgenommen, als im Thüringer Wald das Holz zum Rohstoff der Zukunft zu machen.

Die Rennsteig-Region kann so einen Schub gebrauchen. Nicht wenige Häuser gibt es hier, wo hinter der Schieferfassade niemand mehr wohnt. Oft sind nur die Alten noch da. Die Jungen sind weg - und mit ihnen die Zukunft. Dass es um die in doppelter Hinsicht geht, davon ist der Forst-Professor überzeugt. Denn mit der verstärkten Nutzung von Holz käme nicht nur Wohlstand und damit frisches Leben in die Region. Zugleich würde der nachwachsende und umweltfreundliche Rohstoff dem globalen Klimawandel entgegenwirken.

Das treibt Findeisen an. Am Freitag haben sich auf seine Einladung hin in Cursdorf Kommunalvertreter, Wirtschaftsförderer und Wissenschaftler getroffen, um "Holz-21-regio" voranzutreiben. Die Zeit drängt: Bis Mai muss ein schlagkräftiges Konzept beim Bundesforschungsministerium eingereicht werden. Sollte das Holz-Bündnis aus dem Thüringer Wald aus deutschlandweit 44 Bewerbern ausgewählt werden, würden Fördergelder von zunächst bis zu acht Millionen Euro fließen.

Dafür jedoch muss die Jury überzeugt sein, dass "Holz-21-regio" erfüllt, was das Förderprogramm des Bundesministeriums verlangt: "Wandel durch Innovation in der Region." Der Wandel von Strukturschwäche zu Wachstum soll der landschaftlich reizvollen Rennsteig-Region durch ihr Holz gelingen. "Die Region kann massiv profitieren, weil hier der Rohstoff ist", sagt Findeisen. Die 600-Einwohner-Gemeinde Cursdorf besitzt allein 300 Hektar Wald, bisher ihre wichtigste Einnahmequelle. Allerdings versiegt sie gerade, weil die Borkenkäfer-Katastrophe zu einem Überangebot und damit zu einem dramatischen Verfall des Holzpreises geführt hat.

Das trifft Thüringen hart, weil der Rohstoff hier kaum veredelt wird. Das Bündnis will daher, dass mehr aus ihm gemacht wird als nur geschnitten Holz, das anderswo in der Welt zu Endprodukten verarbeitet wird. Gesucht werden nun Unternehmen, die rund um das Holz aus dem Thüringer Wald neue Produkte, Geschäftsideen und Technologien entwickeln. "Wenn das gelingt, herrscht auch eine ganz andere Grundstimmung in der Region", sagt Findeisen.

Die größten Möglichkeiten gibt es nach seiner Auffassung zunächst beim Bau. Holz ersetzt hier Beton und Stahl, beide Kohlendioxid-Superspreader. Aber Holz macht als Werkstoff der Zukunft womöglich auch Produkte auf Erdölbasis überflüssig. So könnte Thüringen, das Land der Automobilzulieferer, den jetzt begonnenen Strukturwandel zur E-Mobilität nutzen, um Holz als alternativen Werkstoff im Fahrzeugbau zu etablieren. Mit Holzfasern kann auch Kleidung hergestellt werden.

Zudem steht so etwas wie die Digitalisierung des Waldes auf der Agenda. Es geht um Innovationen in der Holzwirtschaft. Professor Gunther Notni von der Technischen Universität Ilmenau bringt Roboter ins Spiel, die Bäume pflanzen, und autonome Fahrzeuge, die den Waldzustand ermitteln oder gar die Holzernte übernehmen. Bislang sind Holz und Forst ein eher unterschätzter Wirtschaftsbereich in Thüringen. Dabei beschäftigt die Branche rund 40 000 Leute und macht 2,4 Milliarden Euro Umsatz. Geht es nach dem Holz-Bündnis, werden es noch viel mehr.

Autor

Eike Kellermann
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
17. 10. 2020
09:27 Uhr

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Eike Kellermann

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Veröffentlicht am:
17. 10. 2020
09:27 Uhr



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