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Thüringen

Altmaier pocht auf Südlink; Protest in Schmalkalden

Schmalkalden - Beim Bürgerdialog am Abend in Schmalkalden mit Peter Altmaier (CDU) protestierten etwa 200 Bürger gegen die geplante Starkstromtrasse Südlink. Der Bundesiwrtschaftsminister lässt an deren Notwendigkeit aber keine Zweifel aufkommen.



Grundsätzliche Kritik an der geplanten Stromtrasse Südlink, die durch Südthüringen verlaufen könnte, lässt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) nicht gelten. Vorausgegangen war ein vernichtendes Urteil von Linken-Energiepolitiker Steffen Harzer. Er hatte zu den beiden in Thüringen geplanten Leitungen Südlink und Südostlink erklärt: „Diese Trassen werden nicht benötigt und sind nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch ökologischer Unsinn.“

Darauf angesprochen erwiderte Altmaier: „Wenn sie Unsinn wären, dann hätte die Bundesnetz-Agentur sie nicht vorgeschlagen.“ Der Minister besucht derzeit Thüringen und Bayern, wo die Leitungen unter anderem entlanglaufen sollen. Sie sollen Strom aus erneuerbaren Quellen von Norddeutschland in die süddeutschen Ballungsräume mit ihrer energiehungrigen Industrie leiten. Altmaier war am Donnerstagnachmittag in Erfurt mit den Thüringer Ministerinnen für Umwelt und Infrastruktur, Anja Siegesmund (Grüne) und Birgit Keller (Linke) zusammengetroffen.

Die beiden Ministerinnen forderten, dass der Thüringer Alternativvorschlag für den Südlink, der von der Bundesnetz-Agentur im Januar abgelehnt worden war, noch einmal geprüft wird. Bisher hätten die Betroffenen in Südthüringen den Eindruck, dies sei allenfalls „mäßig“ geschehen, sagte Keller. Solch ein Eindruck sei mit einem „hohen Vertrauensverlust“ in den Rechtsstaat sowie in Landes- und Bundespolitik verbunden. Sie forderte Altmaier auf, sich für einen „nachvollziehbaren Kompromiss“ einzusetzen.
Ministerin Keller betonte, die Landesregierung unterstütze die Energiewende und sei bereit, einen Beitrag zum Netzausbau zu leisten. Allerdings werde Thüringen durch die geplanten Leitungen „übermäßig belastet“.

Altmaier vermied jede Festlegung. Er sei nicht in Thüringen und Bayern, um sich auf den konkreten Verlauf der Trasse zu einigen, sagte er. Vielmehr wolle er zuhören, Argumente aufnehmen und die Bürger einbinden, auch wenn am Ende möglicherweise nicht alle zufrieden seien.

Auf Nachfrage von insuedthueringen ließ es Altmaier offen, ob es die von Thüringen geforderte neue Prüfung der alternativen Südlink-Trasse geben werde. Sein Ziel sei es zu versuchen, sich auf „ausgewogene Lösungen zu einigen“ mit einer „nachvollziehbaren Lastenverteilung“, sagte er.

Am Abend demonstrierten in Schmalkalden etwa 200 Bürger gegen den Südlink, wo sich Altmaier in einem Bürgerdialog stellte. Die Botschaft war eindeutig: „Wir lassen uns nicht Linken“, stand etwa auf den Plakaten. „Vielleicht bekommen wir von Herrn Altmaier eine Antwort auf die Frage, warum Thüringer Wasserschutzgebiete weniger wert sein sollen als hessische Kläranlagen“, sagte Christoph Friedrich, Vorsitzender der Bürgerinitiative gegen den Südlink. Es sei frustrierend, dass die Bürger zwar schon mehrfach dazu aufgerufen gewesen seien, ihre Anmerkungen und Bedenken gegen den Trassenbau vorzubringen, diese Eingaben aber bislang nur in irgendwelchen Schubladen verschwinden würden. ek/jol

 

Lesen Sie dazu auch folgende Beiträge:

Altmaier als Moderator zwischen Thüringen und Bayern gefragt 

Thüringen fordert Prüfung seines Südlink-Vorschlags

Begrüßt mit Pfiffen, verabschiedet mit Applaus

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15. 11. 2018
18:06 Uhr

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15. 11. 2018
18:06 Uhr



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