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Thüringen

Aktuell 88 Intensivbetten in der Region

Verläuft die Erkrankung schwer, müssen Covid-19-Patienten künstlich beatmet werden. Die Zahl der dafür nötigen Betten gilt als einer der größten Unsicherheitsfaktoren in der Corona-Krise.



Die Intensivbetten mit der Herz-Lungen-Maschine - links im Bild - sind das eine, noch viel mehr wird es auf das Personal ankommen in den kommenden Wochen. Kliniken berichten von intensiven Vorbereitungen. Archivfoto: dpa
Die Intensivbetten mit der Herz-Lungen-Maschine - links im Bild - sind das eine, noch viel mehr wird es auf das Personal ankommen in den kommenden Wochen. Kliniken berichten von intensiven Vorbereitungen. Archivfoto: dpa  

Erfurt/Suhl - Noch ist die Situation in den Krankenhäusern vergleichsweise ruhig. Aber es ist eine angespannte Ruhe. Wenn in den kommenden Tagen das eintritt, was viele Experten prophezeien, dann ist es die Ruhe vor dem Sturm. Dann kommt auf die Krankenhäuser ein Ansturm von Menschen zu, bei denen die Covid-19-Erkrankung einen schweren Verlauf nimmt. Patienten, die dann intensivmedizinisch versorgt und auch künstlich beatmet werden müssen. Mit diesen Prophezeiungen sind Unsicherheiten verbunden. Dass die Zahl der Betten nicht ausreichen wird. Dass das medizinische Personal unter der Last des Ansturms zusammenbricht.

Es sind die Bilder aus Italien, die den Menschen auch in Südthüringen Angst machen. Bilder von überfüllten Krankenhäusern. Bilder von Särgen, die sich in den Leichenschauhäusern aufreihen. Berichte von Ärzten und Krankenschwestern, die erzählen, wie ihnen die Patienten unter den Händen wegsterben.

Müssen wir auch in Deutschland solche Bilder fürchten? Fieberhaft arbeiten Kliniken und Politik daran, die Zahl der Intensivbetten zu erhöhen. Nach Angaben des Thüringer Gesundheitsministeriums gibt es in Südthüringen derzeit 88 Betten mit Beatmungstherapie. Wobei diese Zahl von einer Umfrage des Ministeriums unter den Kliniken vom 11. März stammt. Innerhalb von 24 Stunden könnten die Klinik die Zahl um 43 erhöhen.

In ganz Thüringen sind derzeit sind 517 Intensivtherapiebetten aufgestellt, weitere 270 können in den Krankenhäusern innerhalb von 24 h aufgestellt und betrieben werden. "Die freien Beatmungskapazitäten werden täglich abgefragt. Heute wurden 225 freie Beatmungsplätze gemeldet, das sind bereits 66 Plätze mehr als vorgestern", heißt es aus dem Ministerium in Erfurt.

Die Krankenhäuser würden die Aufforderung des Hauses von Ministerin Heike Werner ernst nehmen, Kapazitäten für die zu erwartenden Corona-Patienten frei zu lenken. Zur Bewältigung der Corona-Pandemie wird von einer notwendigen Verdopplung der vorhandenen Beatmungskapazitäten ausgegangen. "Das Bundesgesundheitsministerium hat daher angekündigt, Beatmungsgeräte zu bestellen und an die Länder zu liefern. Thüringen hat einen Bedarf von 780 zusätzlichen Beatmungsgeräten gemeldet", heißt es in der Mitteilung aus Erfurt weiter.

Doch was bedeutet das jenseits der Zahlen im Klinik-Alltag? Im SRH Zentralklinikum Suhl wurde am Sonntag der erste Südthüringer Corona-Patient zur Beatmung eingeliefert. 22 Intensivbetten stehen nach Auskunft von Klinik-Sprecher Christian Jacob aktuell zur Verfügung. Wobei er darauf hinweist, dass jedes Intensivbett automatisch über eine Beatmungstherapie verfüge. Das Klinikum habe einen Stufenplan aufgelegt. Zunächst sollen die vier Isolierzimmer mit Vorraumschleusen zu Corona-Zimmern werden. Reicht das nicht mehr aus, wird die gesamte Intensivstation zur Corona-Station. Andere Intensiv-Patienten würden dann auf eine andere Station verlegt, die zur Intensivstation umgebaut werden könnte.Zudem habe das Klinikum beim Land 22 weitere Intensivbetten beantragt.

Jacob beobachtet unter den Ärzten, Schwestern und Pflegern aktuell eine große Anspannung, "aber keine Angst". Natürlich würden sich viele Mitarbeiter Sorgen machen, aber weniger um sich selbst, sondern vielmehr um die eigene Familie. Sorgen, dass sie das Virus aus dem Krankenhaus mit nach Hause tragen. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen.

Die Bereitschaft zum Dienst auf der potenziellen Corona-Station sei groß. Ebenso der Teamgeist. Innerhalb einer Woche sei das komplette Klinikum umgekrempelt worden. Von einem medizinschen Vollversorger auf ein Krankenhaus, das sich für genau eine Sache rüsten. Operationen, bei denen es medizinisch vertretbar sei, seien verschoben worden, berichtet Jacob. 200 Betten seien so in den vergangenen Tagen frei geworden. Wachen würden kontrollieren, dass sich wirklich nur noch die Menschen im Krankenhaus aufhalten, die dort auch hingehören.

Schon Ende Januar hat das Suhler Zentralklinikum eine Task-Force zum Thema Corona gegründet. Seit Tagen liefen Trainings und Schulungen im Klinikum. Alles mit der Hoffnung verbunden, dass die personellen Kapazitäten, die durch die frei gewordenen Betten zur Verfügung stehen, in den nächsten Wochen ausreichen werden.

Wenn die Krise dann bewältigt ist, die Spitze der Pandemie überschritten, dann wird auch für die Kliniken die Geldfrage stellen. Am ersten Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zur finanziellen Unterstützung von Krankenhäusern gab es noch heftige Kritik. Inzwischen erklärt Uwe Leder, Geschäftsführer des Suhler Zentralklinikums, dass der neue Entwurf für den Rettungsschirm für die Kliniken wohl helfen könnte.

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Jolf Schneider

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Veröffentlicht am:
24. 03. 2020
07:07 Uhr

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24. 03. 2020
07:07 Uhr



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