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"Diese Hilfsbereitschaft gibt uns Kraft"

Die Hilfsaktion für den schwer kranken Bruno und seine Familie im Schleusinger Ortsteil Erlau hat ein überwältigendes Echo gefunden. Das gibt der Familie Mut und Kraft.



Familie Hoffmann, vereint um den kleinen Bruno: Mutter Janine, Vater André und Bruder Tom. Alle sind gerührt von der großen Hilfsbereitschaft.	Foto: K. Schlütter
Familie Hoffmann, vereint um den kleinen Bruno: Mutter Janine, Vater André und Bruder Tom. Alle sind gerührt von der großen Hilfsbereitschaft. Foto: K. Schlütter   » zu den Bildern

Schleusingen - Es ist später Nachmittag an diesem heißen Julitag bei Familie Hoffmann in Erlau. Der schwer kranke Bruno sitzt in seinem stützenden Spezialstuhl. Ein Fahrdienst hatte ihn vor zwei Stunden aus dem integrativen Kindergarten in Eisfeld zurückgebracht. Brunos Lieblingsmensch - sein siebenjähriger Bruder Tom - ist gerade nach Hause gekommen und albert mit dem Kleinen. Der jauchzt und lacht vor Freude. In solchen Minuten scheint die Welt der kleinen Familie in Ordnung. Vater André hat in dieser Woche Frühschicht, Mutter Janine arbeitet wieder in ihrer Apotheke. Sie war ein paar Wochen krank geschrieben, nachdem die Bandscheiben allzu schmerzhaft aufgemuckt hatten.

Es ist ein Nachmittag nach Feierabend, an dem die Familie komplett vereint ist, was durch die Schichten des Vaters nicht immer der Fall ist. In solchen Stunden vergessen die Eltern ein bisschen ihre Sorgen um den kleinen Jungen, um die Zukunft, um das "Wie-weiter".

Ein unbeschwertes, sorgloses Leben werden sie aber nie mehr führen können. Bruno, der Vierjährige, ist mit einem seltenen Gen-Defekt auf die Welt gekommen, lange unerkannt von den Ärzten. Seine Muskeln funktionieren nicht. Der kleine, hübsche Junge kann weder alleine sitzen, geschweige denn stehen, er kann kaum sehen, auch das Kauen muss er noch lernen. Momentan kann er Nahrung nur in Breiform zu sich nehmen. Fast vier Jahre hat die Familie ihr Schicksal weitgehend im Stillen getragen. Wenige kannten die Situation. Erst nach einem erneuten Bandscheibenvorfall hat sich Mutter Janine, ermuntert von guten Freunden, entschlossen, um Hilfe zu bitten und einen Spendenaufruf über soziale Netzwerke gestartet.

Denn Bruno wächst und wird größer und schwerer. Und das kleine Haus am alten Bahnhof in Erlau mit schmaler, steiler Treppe, muss dringend barrierefrei umgebaut werden, um der Familie ein wenig mehr Lebensqualität zu ermöglichen. Dabei hatte sie sich ihr Nest so schön hergerichtet - damals, als Janine mit dem zweiten Kind schwanger war. Vater André hatte in der Elternzeit viel selbst gemacht. Damals hatte niemand daran gedacht, dass es anders kommen würde.

Inzwischen ist die Hilfsaktion in vollem Gange. Eine große Welle ist daraus geworden, vor allem nachdem Freies Wort die Geschichte von Bruno publik gemacht hat und der Verein " Freies Wort hilft - Miteinander Füreinander" einen Spendenaufruf für Bruno startete. "Wir sind einfach bewegt und überwältigt von dieser Resonanz", sagt Janine Hoffmann. Viele große und kleine Spenden sind über Aktionen in den sozialen Netzwerken eingegangen. "Wir haben so viel Zuspruch erfahren, Hilfe auf so vielfältige Art und Weise, von Freunden, von Nachbarn. Meine Mädels in der Schleusinger Kloster-Apotheke unterstützen uns", weiß Janine Hoffmann zu schätzen, "Es ist auch für sie nicht leicht, wenn ich immer mal ausfalle, um mit Bruno zu Therapien und ärztlichen Untersuchungen zu fahren oder wie jetzt durch die kranken Bandscheiben."

Viele kleine Gesten geben der Familie das gute Gefühl, nicht allein zu sein mit ihrem Schicksal und all den Sorgen und Problemen. Das größte Problem ist derzeit der Umbau.

Wer ins Innere des Häuschens blickt, kann erahnen, dass das keine leichte Sache werden wird. "Jetzt hat uns Herr Lönnecker von der Planungsgesellschaft Projektscheune St. Kilian zugesagt, sich das mal anzusehen." Familie Hoffmann hat noch keine Ahnung, in welchen Dimensionen der Umbau nötig sein wird. Sie könnte ihn ohne finanzielle Hilfe überhaupt nicht bewältigen. "Wir sind allen, die uns unterstützen, sehr, sehr dankbar", sagt Vater André.

Janine zeigt eine Postkarte: "Eines Tages lag ein Päckchen mit zwei Schachteln Kinderschokolade und zehn Euro vor unserer Tür", erzählt sie. Auf der Karte stand: "Mögen viele finanzielle Pusteblumen Ihnen zu Hilfe kommen!" Worte, die tief berühren. Ein Sprichwort aus Afrika besagt: "Viele kleine Leute in vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern." Sie können auch die Welt eines kleinen, tapferen Jungen und seiner Familie schöner machen, erträglicher. Das erlebt die Familie gerade. "Das gibt uns Kraft und baut auf", sagt Janine Hoffmann.

Da sind Menschen, die vermitteln neue Kontakte. So bemüht sich Carolin Herchenhahn vom Pflegestützpunkt im Landratsamt Meiningen-Schmalkalden sehr engagiert um die Familie, gibt Tipps, vermittelt. "Wir wussten ja gar nicht, dass es solch eine Anlaufstelle gibt." Und da ist Christian Korff vom Verein Helping Angels, der schwer kranke Menschen betreut und hilft, Wünsche zu erfüllen. Inzwischen gibt es Kontakt zum ambulanten Kinderhospizdienst in Meiningen. Marcella Stephan hat die Familie besucht. Sie wird eine Vertrauensperson schicken, die die Familie ab und zu entlastet von der Rundum-Betreuung ihres kleinen Sorgenkindes.

Ein großes Erlebnis für Bruno war vor ein paar Tagen der Besuch im Tierschutzhof Rhön-Grabfeld in Großeibstadt bei Bad Königshofen. Die dortige erste Vorsitzende, Franziska Dorsch, hatte von dem Schicksal Brunos gehört und via Facebook gebeten, den Kontakt herzustellen. Das hat der Schleusinger Stadtrat Frank Eichler übernommen.

Gerade in der Ausbildung zur Pferde-Therapeutin, hat Franziska Dorsch Bruno vor sich auf das Pferd gesetzt, ist mit ihm geritten. "Wir haben gemerkt, der Kontakt mit dem Tier hat Bruno sehr gut getan", freut sich Brunos Mutter. Ob sie künftig regelmäßig mit dem Kleinen dorthin fahren kann, ist auch eine Zeitfrage.

Da ist auch Hoffmanns Nachbarin Kathleen Rassbach. Sie hat Flyer gestaltet "Bruno braucht eure Hilfe!" Im Schleusinger Druckzentrum wurden sie kostenlos gedruckt.

Im Klinikum Suhl ist eine Spendenaktion im Gange. In Jana Brodführers Arztpraxis stand eine Spenden-Box. Mitarbeiter und Patienten hatten 240 Euro gespendet. Und Sohn Ben Brodführer gab noch 100 Euro dazu. An weiteren Orten wie im Blockhaus Breitenbach sind ebenfalls Spendengläser aufgestellt.

Ein BBQ-Event-Unternehmer unterstützt die Aktion "Bruno" ebenfalls. Thomas Krannich will während der Umbau-Arbeiten für einen Tag nach Erlau kommen und für Helfer und Spender Burger braten.

Das sind nur einige Beispiele, die für die große Anteilnahme am Schicksal der Familie stehen. Eingeschlossen sind auch die vielen Freies-Wort -Leser, die seit dem 18. Juli, dem Tag, an dem der Bruno-Artikel in unserer Zeitung erschien, schon gespendet haben. Bislang sind von Ihnen, liebe Leser, weit über 12 000 Euro für diesen kleinen tapferen Kerl eingegangen. Und es werden noch mehr werden. Jeder Euro für Bruno und seine Familie kommt garantiert eins zu eins bei Familie Hoffmann an. Spenden an den Hilfsverein sind übrigens steuerlich absetzbar.

Übrigens hat auch die Online-Zeitung apotheke-adhoc über Brunos Schicksal berichtet und auf das Konto von Freies Wort hilft verwiesen. Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Schritte tun, können sie die Welt des kleinen Bruno, seines liebevollen großen Bruders Tom und seiner tapferen Eltern heller machen.

 

Spenden an:

"Freies Wort hilft e.V."

Stichwort: Bruno

IBAN: DE 39 8405 0000 1705 0170 17

Autor

Karin Schlütter
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Veröffentlicht am:
02. 08. 2020
12:56 Uhr

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Karin Schlütter

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02. 08. 2020
12:56 Uhr



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