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Loraines größte Geschenke: Hilfe der Leser und der Weg zur Heilung

"Freies Wort hilft" macht mit einer überwältigenden Spende einer jungen Familie in Hildburghausen eine Riesenweihnachtsfreude und schenkt damit ein gutes Stück Sicherheit für eine noch ungewisse Zukunft.



Übergroße Freude unterm Weihnachtsbaum: Hilfsvereins-Chef Kersten Mey, Mutter Lisa Manteuffel, Isabel Höfer, die kleine Loraine, Vater Andreas und Bruder Aaron.
Übergroße Freude unterm Weihnachtsbaum: Hilfsvereins-Chef Kersten Mey, Mutter Lisa Manteuffel, Isabel Höfer, die kleine Loraine, Vater Andreas und Bruder Aaron.   Foto: ari » zu den Bildern

Hildburghausen - Bei Lisa und Andreas Manteuffel geht es an den Tagen vor Heiligabend bereits weihnachtlich zu. Der Baum, unterm dem schon Mama Lisa ihre Geschenke ausgepackt hat, steht, und die zweijährige Loraine hat eifrig mit geschmückt. Zehn Monate lang hat das kleine Mädchen, bei dem im März eine Akute Lymphatische Leukämie (ALL) diagnostiziert wurde, um sein Leben gekämpft. Seit ein paar Wochen ist der böse Blutkrebs nun unter Kontrolle, und Lori hat ihr Lächeln wieder gewonnen. Die Zweijährige quietscht vergnügt, plappert viel und liebt es, Geschenke auszupacken.

Das größte Weihnachtsgeschenk hat Kersten Mey, Vorsitzender des Vereins "Freies Wort hilft", mitgebracht: Einen Spendenscheck in Höhe von sage und schreibe 25 000 Euro. Etwa 22 000 Euro davon, sagt er, kommt direkt von den Lesern der drei Tageszeitungen in Südthüringen, die dem Spendenaufruf von Ende November gefolgt waren und die Weihnachtsaktion selbstlos unterstützten. Zahllose kleine sowie viele mittlere und große Spenden, Weihnachtsfeier-Sammlungen und Aktionen - die Welle der Solidarität war riesig. Das Hilfswerk der Zeitung hat dann aus seinen Beständen auf den runden Betrag aufgestockt.

Mama Lisa kann es gar nicht fassen. "Dass so viele Menschen Anteil am Schicksal unseres kleinen Mädchen nehmen und uns unterstützen, rührt mich tief. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, außer Danke und nochmals Danke." Auch Isabel Höfer, Freundin, ihre Arbeitskollegin und die Initiatorin der Spendenaktion, ist baff und drückt Lisa an ihr Herz. In den vergangenen Wochen ging nahezu stündlich Geld auf dem Spendenkonto ein. "Da hat man schon manchmal Gänsehaut bekommen", gibt Kersten Mey zu.

Der Vereinsvorsitzende weiß, dass solche Einzelschicksale viele Herzen öffnen - vor allem auch deswegen, weil bei "Freies Wort hilft" jeder einzelne Cent auch bei denen ankommt, für die er gespendet wurde. "Mit 25 000 Euro ist bei der diesjährigen Weihnachtsaktion für Loraine exakt so viel zusammen gekommen wie bei derjenigen im Vorjahr für die behinderten Zwillinge der Familie Barthelmäs in Immelborn", sagte ein beeindruckter Kersten Mey. Damit sind diese beiden Aktionen - nach der besonders überwältigenden für die Hinterbliebenen des Geisterfahrer-Opfers von der A73 - die erfolgreichsten, die "Freies Wort hilft" je für einzelne Familien organisierte. Übertroffen werden diese Summen in der 20-jährigen Vereinsgeschichte nur durch dessen Hilfsleistungen nach den Flut- und Erdbebenkatastrophen in Sachsen, Ostthüringen, Sri Lanka und Haiti.

An diesem Adventstag bei den Manteuffels in Hildburghausen hält Mey fast ungläubig die Mutperlenkette in der Hand, auf die für jede Behandlung Loraines eine kleine Perle gefädelt wurde. Es müssen um die 250 sein, schätzt er und ahnt, was das kleine Mädchen in den vergangenen Monaten durchmachen musste.

Loraine indes macht Fortschritte, hat seit Monaten endlich wieder mal in der Badewanne plantschen dürfen. Nur zwei kleine Narben erinnern noch an die Operationen. Täglich muss Lori einen Saft schlucken und einmal pro Woche eine Chemo-Tablette. Die Blutwerte werden regelmäßig kontrolliert, aber nicht mehr jeden Tag, und der komplette Check bei den Spezialisten im Erfurter Klinikum steht alle vier Wochen an.

Mutter Lisa ertappt sich noch immer dabei, wie sie alte Unterlagen durchschaut, wie sie stundenlang im Internet Rezidiv-Formen (also eine mögliche Wiederkehr des Krebses) recherchiert und auf jedes noch so kleines Unwohlsein ihrer Tochter fast panisch reagiert. Aber sie will positiv in die Zukunft blicken und wünscht sich nichts sehnlicher als den Erfolg der nun begonnenen Erhaltungstherapie.

"Wir wissen, wie viele Jahre da noch vor uns liegen, und das Geld wird uns hier eine Stütze sein, mit der wir sehr behutsam umgehen", sagt sie. Vielleicht fahren Lisa und Andreas mit den Kindern Loraine und Aaron auch mal ein paar Tage in den Urlaub, aber natürlich nur, wenn die Ärzte ihr Okay geben.

Jetzt ist erst mal Weihnachten, und in der Familie Manteuffel sind nach bangen Monaten wieder ein bisschen Ruhe und Hoffnung eingekehrt. Der Baum ist geschmückt, die ersten Geschenke, die Kersten Mey für die Kinder m itgebracht hat, sind ausgepackt.

Heute, an Heiligabend, gibt es bei den Manteuffels nach alter Tradition Linsensuppe, bevor der Weihnachtsmann an der Tür klopft. Lori freut auf sich Oma und Opa, auf den Onkel, Tante und ihren Cousin William. Der elfjährige Aaron ist glücklich, seine kleine Schwester und die ganze Familie wieder beisammen zu haben.

Und Lisa und Andreas? Sie sagen allen Spendern und dem Verein ein von Herzen kommendes Dankeschön. Das größte Weihnachtsgeschenk aber ist für die beiden, dass Lori auf einem guten Weg ist. Dafür wird weiter gekämpft.

Autor

Gabi Bertram
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Veröffentlicht am:
25. 12. 2019
08:07 Uhr

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Gabi Bertram

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Veröffentlicht am:
25. 12. 2019
08:07 Uhr



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