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"Sowas von glücklich": Erik Kellermann ist eingezogen

Es ist geschafft: Erik Kellermanns Häuschen steht und der 18-Jährige ist eingezogen. Der an einer unheilbaren Muskelkrankheit leidende junge Mann kann in Erlau wohnen bleiben. Auch dann, wenn er nicht mehr laufen kann.



Die fünfjährige Hannah, Stiefvater Jan Fritz, Erik Kellermann und Claudia Fritz sind überglücklich: Das Häuschen für Erik steht - und er ist eingezogen.
Die fünfjährige Hannah, Stiefvater Jan Fritz, Erik Kellermann und Claudia Fritz sind überglücklich: Das Häuschen für Erik steht - und er ist eingezogen.   » zu den Bildern

Erlau - Es ist unglaublich, was Freies-Wort-Leser, Freunde und Bekannte der Familie Kellermann/Fritz und Firmen der Region gemeinsam geschafft haben. Ein junger Mann mit einer unheilbaren, noch wenig erforschten Form der Muskeldystrophie wird weiterhin selbstständig bleiben können, auch dann, wenn er nicht mehr mit eigenen Beinen durchs Leben gehen kann. Erik Kellermann, der vor wenigen Wochen 18 Jahre jung geworden ist, muss nicht in eine betreute Wohneinrichtung umziehen. Er hat sein eigenes Dach über dem Kopf. Ebenerdig, behindertengerecht und wenige Meter von seinem Elternhaus entfernt. Das hätte nur mit riesigem baulichen und finanziellen Aufwand behindertengerecht umgebaut werden können.

Große Sorgen

Nach reiflichen Überlegungen und einer niederschmetternden Arzt-Diagnose hatten Mutter Claudia und Eriks Stiefvater Jan Fritz im vergangenen Jahr gemeinsam mit ihrem Sohn den Entschluss gefasst, ein separates Häuschen zu bauen. Im Garten, in direkter Nachbarschaft zum eigenen Haus. Die Zeit drängte, denn niemand konnte genau sagen, wann Erik die steilen Treppen im Elternhaus nicht mehr würde erklimmen können.

Ein Jahr ist seit dem Baubeginn vorüber. "Ich kann mich noch genau erinnern, wie wir hier die Korkenzieherhasel rausreißen wollten, es aber nicht ging. Was haben wir gewühlt . . .", erzählt Claudia Fritz. Und heute steht das Haus genau an dem Platz - und Erik noch auf eigenen Beinen. Doch längst nicht mehr so sicher. Beim Treppensteigen braucht er das Geländer, um sich zu ziehen. Doch er steht und läuft - wenn auch viel wackeliger und langsamer. Hinter Erik liegt ein Jahr mit vielen Höhen und Tiefen für die gesamte Familie. Claudia Fritz lächelt. Das kann sie mittlerweile wieder. Doch noch vor einem halben Jahr habe sie nicht gewusst, wie es weitergehen würde. Das Häuschen war halbfertig, das Geld alle. Viele Tränen liefen. Die psychische Belastung für die Familie war enorm. Sie wussten nicht mehr weiter und gingen mit ihren Problemen an die Öffentlichkeit. Heute sagen sie rückblickend: "Es war richtig, das zu tun!"

Eine riesige Welle der Solidarität schwappte nach Erlau. Ja, es gibt immer Menschen, die helfen. Der Verein "Freies Wort hilft" hat Leser der Tageszeitung dazu aufgerufen. Zahlreiche Geldspenden gingen ein, aber auch Firmen klopften bei der Erlauer Familie an und boten Hilfe an. Hilfe, die mit großer Dankbarkeit angenommen wurde. Mit vereinten Kräften ging es im Frühjahr weiter - und Anfang Mai konnte Erik einziehen. "Ich bin sowas von glücklich", sagt er heute. Er erinnert sich an den Tag, als er aus Erfurt - dort macht er eine Ausbildung zum Fachangestellten für Arbeitsmarktdienstleistungen - wiederkam und seine Eltern ihm sagten: "Du braucht nicht mehr hoch." Alles sei schon eingeräumt gewesen, erzählt er. Das Lächeln scheint ihm ins Gesicht gemeißelt. "Es war von Anfang an mein Zuhause."

Ein großes Dankeschön

Wenn Claudia Fritz ihren Erik strahlen sieht, macht auch ihr Herz Luftsprünge. Auch sie freut sich wie ein Schneekönig. Für ihren Sohn. "Allen, die irgendwie geholfen haben, möchten wir Danke sagen. Ohne sie hätten wir es so nicht geschafft. Vor allen Dingen nicht so schnell." Sie denkt an die kleinen Aufmerksamkeiten, an geschriebene Worte von Unbekannten, Arbeitskollegen, an Geld- und Sachspenden, aber auch an die Firmen, die mit Preisen entgegengekommen sind oder gar kostenfrei gearbeitet haben.

Jetzt fehlt nur eines: Der Hof muss noch gemacht werden. "Wir müssen die Pflasterhöhe an die Rampe anpassen. Sodass Eriks Häuschen tatsächlich barrierefrei erreichbar ist." Und dass das in die Tat umgesetzt werden kann, daran haben auch die Schüler von Eriks ehemaliger Regelschule "Gerhart Hauptmann" in Schleusingen einen Anteil. Denn sie sind gelaufen und gelaufen. Ein Teil des Spendenlauf-Erlöses - 4000 Euro, - haben sie auf das Konto von "Freies Wort hilft" überwiesen. Für Erik Kellermann. Und so ist das Ziel, das Hofprojekt bis zum Herbst abhaken zu können, ein realistisches. Dann bleibt nur noch der Außenputz . . . Doch der drängt nicht, denn wohnen kann Erik im Haus auch ohne.

Eine Einzugsparty hat der junge Mann noch nicht gefeiert. Doch Freude waren schon zu Besuch - und überwältigt. Die Party aber, die wird‘s noch geben. Vielleicht auch erst, wenn er seine Fahrprüfung bestanden hat. An der arbeitet Erik zurzeit. Auch hier helfen Schleusinger - die Firma Dobberkau. Und so wird sich in absehbarer Zeit ein weiterer Traum für den jungen Mann aus Erlau erfüllen: Er wird ein eigenes Automatik-Auto, angepasst auf seine Bedürfnisse, fahren können.

Autor

Katja Wollschläger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
17. 07. 2019
15:54 Uhr

Aktualisiert am:
18. 07. 2019
16:29 Uhr

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Katja Wollschläger

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Veröffentlicht am:
17. 07. 2019
15:54 Uhr

Aktualisiert am:
18. 07. 2019
16:29 Uhr



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