Lade Login-Box.
Topthemen: Gebietsreform: Das ändert sich in SüdthüringenMobilität und EnergieFußball-Tabellen

Thüringer helfen

"Die Mama kann keiner ersetzen"

Das Schicksal wühlt auf. Die Familie einer beim Geisterfahrerunfall auf der A 73 gestorbenen jungen Frau erfährt viel Zuspruch, Trost und auch konkrete Hilfe in diesen Tagen. Das kann die Familie dringend gebrauchen.



Gedenkfeier
Gedenkfeier für die tödlich verunglückte Verena.   Foto: Hubert

Eisfeld - Anna blinzelt in die Sonne und begründet das Frühlingswetter: "Die Mama freut sich da oben, sie ist stolz auf uns." Die Neunjährige ist mit einer Bekannten unterwegs, um angemessene Kleidung zu kaufen. Für die Trauerfeier. "Sehen Sie, unser 15-jähriger Dennis, sein drei Jahre jüngerer Bruder Florian und ihre Schwester Anna haben unser Drama von vornherein miterlebt. Stunde um Stunde. Seit dem vergeblichen Warten auf ihre Mama", sagt Christoph Rehberg, mit 35 Jahren urplötzlich Witwer und alleinerziehender dreifacher Vater.

Am Gründonnerstag machen sich alle auf, um sich in Eisfelds Dreifaltigkeitskirche von Ehefrau und Mutter Verena zu verabschieden. Am 26. November wäre sie 37 Jahre geworden.

Tapfere Kinder

Aber dass dieses Trauma für die drei tapferen Halbwaisen mit dem gemeinsamen Gang in die Kirche schon ausgestanden sein könnte, mag Vater Christoph zwar still hoffen. Doch nicht so recht glauben, während sich die Kirche füllt, Ruhe einkehrt, sich in den Augen der Kinder die vielen von fast hundert Trauergästen entzündeten Kerzen spiegeln.

Spenden helfen

Der Verein "Freies Wort hilft - Miteinander Füreinander", das gemeinnützige Hilfswerk der drei Südthüringer Tageszeitungen, nimmt unter der Bankverbindung IBAN: DE39 8405 0000 1705 017 017 bei der Rhön-Rennsteig-Sparkasse Spenden für die Rehbergs mit dem Stichwort "Rehberg" an. Die Spenden sind steuerlich absetzbar.

 

Als die Glocken den bewegenden Abschiedsgottesdienst einläuten, Pfarrer Bernd Kaiser bewegende Worte spricht, Trost spenden möchte, da treten zunächst all die Sorgen um die künftige Familien-Alltagsbewältigung ohne die Mutter und Ehefrau in den Hintergrund. "Die Stunde gehört jetzt allein unserer Verena. Und unserem Versprechen, ihre letzte, leise geäußerte Bitte nach dem mörderischen Aufprall des Geisterfahrers einzulösen: Haltet immer schön zusammenhalten, passt gut auf euch auf…"

In den Tagen vor der Bestattung ist Christoph Rehberg mit Sorgen, Problemen, Behörden- und Alltagserledigungen eingedeckt. Auch dafür, aber auch, um seinen Kindern jetzt besonders viel Halt, Wärme und Nähe geben zu können, ist er von seinem Arbeitgeber freigestellt. Seine Hauptsorge gilt indes der Psyche "meiner jetzt vielleicht doch nur vermeintlich so stabil wirkenden Kinder".

Er hat von seinem Arbeitgeber "kürzlich die nicht so selbstverständliche Bestätigung schriftlich bekommen", seinen Arbeitsplatz künftig auch im Normal-, statt Vierschichtsystem behalten zu dürfen. Eine Sorge weniger.

30 000 Euro überwiesen

Doch alleine die Tausenden von Euro Kosten im Umfeld der Bestattung haben dem jungen Familienvater aber gezeigt, wie sich all die unerwarteten "Kosten addieren, von denen man vorher nichts ahnte. Und da ist noch nicht mal die Grabstelle für Verenas Urne dabei", sagt Christoph Rehberg.

Unendlich dankbar und überwältigt ist er, weil ihm der Verein "Freies Wort hilft" binnen weniger Tage seit dem Spendenaufruf vom 12. April bereits30 000 Euro an Zuwendungen der Leserinnen und Leser überweisen konnte. Für den jungen Mann aus Waffenrod eines der irdischen Hoffnungszeichen, wie er sie sonst angesichts des Dramas in seinem Glauben als evangelischer Christ findet.

Er weiß dabei freilich auch, dass bei aller anhaltenden Hilfsbereitschaft durch Wegfall der Schichtarbeit bis zu 700 Euro fehlen werden. Monat für Monat. "Neben dem Komplettausfall des Einkommens unserer Verena!"

Im Gebet bei dem Trauergottesdienst versucht sich Christian Rehberg ganz auf seine schließlich doch eher grässlich umgebrachte statt friedlich verstorbene Ehefrau zu konzentrieren. Manchmal gelingt ihm das. Doch dann kreisen seine Gedanken wieder und wieder um morgen, übermorgen, die nächsten Monate und Jahre.

"Alles okay, Papa!"

Können wir jetzt auch über Geld reden? "Dass ich mal - ganz vorsichtig - von 80 000 Euro Mehrausgaben bei zugleich halbierten Einnahmen der Familienkasse ausging, hing auch damit zusammen: Die Mama, die kann unseren Kindern ja keiner ersetzen." Aber sie "werden, auch wenn sie heute tapfer sagen ,Alles okay Papa!‘, noch einige Jahre Betreuung erfahren müssen. Nicht nur in schulischen Fragen oder der durch mich: morgens und nach Feierabend. Oder durch hilfsbereite Familienangehörige sowie Patinnen und Freunde."

Christoph Rehberg streicht seinen für den Abschiedstag gekauften schwarzen Anzug glatt: "Ich meine die - mir bereits sehr nahelegte - professionelle Hilfe für ihre verwundeten Seelen." Auch als nach der Trauerfeier noch Pfarrer Bernd Kaiser, viele Jahre im Ilm-Kreis eingesetzter Notfallseelsorger mit den Trauernden ins Gespräch kommt, blieben die zwei großen Fragen weiter offen. Die nach dem Warum der Irrsinnsfahrt der 67-Jährigen auf der A 73. Und die nach einem ersten Zeichen der Haftpflichtversicherung des Todesfahrers. Aber diesbezüglich habe ihn sein Suhler Anwaltsbüro Oskar Steiger auch nur auf bislang begrenzten Akten-Einsichtsmöglichkeiten und den ausstehenden Strafprozess verwiesen.

"Bis zu dessen Abschluss - schwierig!" Bisher habe trotz klarer Beweislage die Haftpflicht des Verursachers noch nicht mal eine Anzahlung geleistet. Alles liege noch bei der Meininger Staatsanwaltschaft, könne noch Monate dauern, so hieß es.

Unterdessen erreicht eine Welle an Hilfs- und Spendenbereitschaft den Witwer. Eine junge Spenderin aus Suhl berichtet Dramatisches: "Eigentlich hätte ich das Opfer sein ,üssen, als der Mann auf der falschen Seite vor mir auftauchte. Aber ich konnte noch knapp ausweichen. Ich war so entsetzt, als er kurz danach diese junge Mutter totgefahren hat."

Ein Punkt auf der Liste

Unter den Tausenden von Spenderinnen und Spendern zugunsten der Freies-Wort-hilft-Aktion "Rehberg" ist auch Olaf Dobberkau aus Schleusingen, Chef eines Speditions-, Taxi- und Fahrschul-Unternehmens unweit der Unfallstelle an der A73: "Wir leben von der Straße, der Autobahn, verdienen so unser Geld, fühlen uns natürlich in der Pflicht." Olaf Dobberkau ermöglicht mit seiner zielgerichteten 4000 Euro-Spende die Kreditablösung des zerstörten Familienautos der Rehbergs.

Nach dem Abschied von ihrer getöteten Mama erleben die Kinder, wie ihr Papa von der langen Sorgenliste die ersten Punkte dank finanzieller Hilfe durch die Südthüringer streichen kann. Ungezählte weitere solcher Seiten mit Notizen harren noch ihrer Klärung.

Darunter auch die, was Menschen dazu bringt, ein Video, aufgenommen von der Kamera eines Unfallzeugen, im Internet zu verbreiten. Man sieht, wie es Verenas blauen Kombi zerreißt. Die Horrorbilder haben sich dem Witwer in die Seele eingebrannt.

Warum?

Und über alledem liegt - nur manchmal kurz beiseite geschoben - der Schmerz, die Trauer und die große Frage nach dem Warum.

Lesen Sie dazu auch:

Autor

Klaus-Ulrich Hubert
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
19. 04. 2019
18:50 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Beerdigungen Evangelische Kirche Familien Haftpflicht Kirchen und Hauptorganisationen einzelner Religionen Löhne und Einkommen Mütter Pfarrer und Pastoren Spenderinnen und Spender Trauer Väter
Eisfeld
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Ein 67-jähriger Falschfahrer auf der A 73 bei Schleusingen nahm der Familie die Mutter: Christoph Rehberg mit einem Foto, auf dem Verena und die gemeinsamen Sprösslinge Florian und Anna zu sehen sind. Samt Sohn Dennis sind es nun drei Schulkinder, um die sich der 35-jährige Witwer im heimischen Haus in Waffenrod bei Eisfeld kümmern muss. Foto: uhu

12.04.2019

"Meine vier, haltet immer zusammen!"

Eine junge Südthüringerin starb am 28. März durch einen Falschfahrer auf der A 73 bei Schleusingen. Verena Rehberg wurde nur 36. Unsere Zeitung startet eine dringend notwendige Spendenaktion für die Hinterbliebenen: Drei... » mehr

Miko Danz (links) spielt mit seinem "Buwa", und Conny Luck (rechts) spielt wie so oft mit. Die Familien-Freundin war es, die Hilfe für die Eltern Sabrina und Christian (Mitte) vorschlug - damit sie nicht schon wieder eine Therapie aus eigener Tasche bezahlen müssen. Nun springt das Zeitungs-Hilfswerk ein. Foto: fotoart-af.de

06.09.2018

Miko soll auf eigenen Beinen stehen

Miko kam viel zu zeitig zur Welt. Aus dem Frühchen aus Floh-Seligenthal mit wenig Überlebenschancen ist ein aufgeweckter Junge geworden. Auch dank den Eltern, die für seine Therapien kämpfen. Für eine gibt das Zeitungshi... » mehr

Der durch Leserspenden von Freies-Wort-hilft finanzierte Pkw im Hintergrund ist das gute Stück der Familie Öztürk. Für die Alltagsfahrten mit dem schwerstbehinderten Sohn Evan im Ort bevorzugt hier Nurettin sein E-Bike mit Spezialanhänger. Foto: uhu

03.08.2018

Sechs Jahre später: "Danke, uns geht's supi!"

"Was machen eigentlich...?" Dieser häufig gestellten Leserfrage zum Schicksal von Menschen, denen durch "Freies Wort hilft" vor Jahren Hilfe zuteil wurde, gehen wir an dieser Stelle in loser Folge nach. Heute: Familie Öz... » mehr

Jeden Tag aufs Neue bedrücken Dieter Weiß die Überreste des Brandes, denen er täglich zuleibe rückt. Foto: Dolge

19.04.2019

"Das hätten wir nicht erwartet"

Manuela und Dieter Weiß haben durch einen Brand alles verloren. Die Hilfe der Nachbarn in Böhlen war und ist überwältigend. » mehr

Das Haus Am Bahnhof ist bei dem Großbrand am 11. April massiv beschädigt worden. Das Foto zeigt das von der Feuerwehr aufgebrochene Dach. Nur so ließ sich der Feuersbrunst beikommen. Fotos (2): privat/anb

19.04.2019

"Wir geben nicht auf, was wir hier haben"

Viele Zeichen der Anteilnahme haben die Steinacher jener Familie zukommen lassen, deren Haus seit einem Großbrand am 11. April unbewohnbar ist. Rathaus und Verein Freies Wort hilft beteiligen sich mit einem Spendenaufruf... » mehr

Eine starke Familie aus Unterfranken, die gemeinsam versucht, den Verlust von Joschi, der nach einem Verkehrsunfall gestorben ist, zu bewältigen: Antonia-Viktoria, Vater Enrico, Mutter Diana und Sohn Henry (von links). Fotos: Helmut Weill

29.09.2017

Und plötzlich bleibt ein Platz leer ...

Vor zwei Jahren stirbt der Sohn von Diana und Enrico Mußbach aus Haßfurt bei einem Unfall - kurz vor seinem vierten Geburtstag. Für die Familie ändert sich das Leben von einer Sekunde auf die andere. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Suhler Ballnacht mit Joachim Llambi Suhl

Suhler Ballnacht mit Joachim Llambi | 18.05.2019 Suhl
» 19 Bilder ansehen

Thüringer Wandertag

Thüringer Wandertag | 19.05.2019 Breitungen
» 11 Bilder ansehen

Rennsteiglauf Schmiedefeld Schmiedefeld

Rennsteiglauf 2019 Zielort Schmiedefeld | 18.05.2019 Schmiedefeld
» 88 Bilder ansehen

Autor

Klaus-Ulrich Hubert

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
19. 04. 2019
18:50 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".