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Tod, Tränen, Mitmenschlichkeit

Die Anteilnahme an den Kindermorden von Altenfeld ist so riesig wie das Entsetzen darüber. Nun wird der Mutter ganz konkret geholfen.



Ein Kindersarg wird aus dem Haus in Altenfeld getragen. Archiv
Ein Kindersarg wird aus dem Haus in Altenfeld getragen. Archiv   » zu den Bildern

Altenfeld - Nein, Bürgermeister Peter Grimm kann sich in seinem 15 Dienstjahrem an kein Ereignis erinnern, das die Altenfelder auch nur annähernd so sehr aufgewühlt, hilflos und entsetzt erlebt hätte wie die grausige Tat vom vergangenen Donnerstag: Ein 27-jähriger Familienvater ersticht seine Kinder.

Fünf Tage danach haben Abscheu und Entsetzen der mitmenschlichen Solidarität für die 29-jährige Mutter der getöteten ein- und vierjährigen Kinder sowie ihrem schwerverletzten dreijährigen Sohn Raum geschaffen. Das Dorf hilft - und ruft andere zur Unterstützung auf.

"Wir wollen Mutter Daniela helfen, damit sie nach ihrem momentanen Krankenhausaufenthalt Mut fassen und wieder halbwegs auf die Beine kommen kann", sagt der Bürgermeister - auch, um eine würdige Beisetzung für die toten Kleinkinder zu finanzieren.

Grimm, der bei Bekanntwerden der grausigen Tat gerade in Gera war und bei der Heimfahrt massenhaft Anrufe von Gemeinderäten, Bürgern und Behörden bekam, sagt heute, er wisse nicht mehr, wie er es "mit so viel Tränen in den Augen und mit so viel bedrückten Fragen nach Hause geschafft hatte." Zumal aus den "anfangs vermeldeten schwerverletzten bald zwei tote Kinder wurden.

An dem erst vor zwei Monaten von der Familie bezogenen Haus im Ort viel Polizei, Spurensicherung der Kripo, Rettungsdienste, Notärzte ... und der Abtransport der kleinen weißen Särge vor laufenden TV-Kameras."

Wie ein finsterer Schatten liegt das Blutbad in der Grundstraße seither über dem Ort im engen Oelzetal nahe dem Rennsteig, der Auswärtigen bisher nur als Knotenpunkt umstrittener Hochspannungsleitungen ein Begriff war.

Aus der Schockstarre lösen sich die Altenfelder nur langsam, seit die junge Mutter ihre drei Kinder zu Hause in ihrem Blut fand und verzweifelt Hilfe holte. Was auch immer in den kommenden Tagen erhärtend als "Grund" für die Bluttat des Vaters aus dem nahen Stützerbach zutage kommt: Befragungen der Kripo und andere Zeugenaussagen bekräftigen, dass der mutmaßliche Kindsmörder zuletzt zwei Tage vor der Tat seine Frau schwer misshandelt haben soll. Die Staatsanwaltschaft geht der Vermutung nach, dass die Tötung der eigenen Kinder eine Rache für die Trennungsabsicht der Mutter vom Vater war.

Noch immer klingelte auch am Dienstag das Telefon des ehrenamtlichen Bürgermeisters, gibt es viele Fragen von Mitbürgern. Eine davon - zur Freude von Peter Grimm - besonders häufig: Wie soll's denn nun mit Daniela und hoffentlich bald auch ihrem überlebenden Dreijährigen weitergehen, wenn sie mal aus dem Krankenhaus kommen?

Eine Antwort darauf versuchen längst Danielas Familie und zwei besonders enge Freundinnen mit ihrer tröstenden, hilfreichen Mitmenschlichkeit zu finden. Ihre Mitbürger in Altenfeld und Umgebung haben sie dabei auf ihrer Seite. Sie sammeln bereits Spenden, denn finanziell stand die junge Familie nicht gut da: Er als zeitweise arbeitsloser Berufskraftfahrer, sie als gelernte Krankenschwester mit drei Kindern daheim. "Dazu dürfte kürzlich der Umzug innerorts, von der nach dem dritten Kind zu klein gewordenen Wohnung in eine größere, an die Reserven gegangen zu sein", sagt Bürgermeister Grimm.

Am kommenden Sonntag 10 Uhr gibt es einen besonders schweren Trauergottesdienst in der Altenfelder Dorfkirche. Es wird sicher sehr voll, wenn dort der kleinen Mordopfer gedacht werden wird.

"Trost", sagt Grimm, "kann in der Situation sowieso niemand spenden. Doch wir können alle zusammen Daniela und ihrem hoffentlich wieder genesenden Söhnchen zur Seite stehen. Sie und wir alle können doch gar nicht anders, als so solidarisch zu sein, dass sie die Chance hat, irgendwann in ein Leben danach zu finden." Wie auch immer das aussehen mag: In das Haus der entsetzlichen Tat, so sagte die Mutter dem Bürgermeister, will sie nie wieder zurück.

 

Der Verein "Freies Wort hilft - Miteinander Füreinander" bittet die Leser der Heimatzeitung, dieses Anliegen zu unterstützen. Spenden bitte auf das Konto von Freies Wort hilft e.V. bei der Rhön-Rennsteig-Sparkasse unter der IBAN: DE39 840500 00 1705 017 017 mit dem Verwendungszweck "Altenfeld". Alle Spenden sind steuerlich absetzbar und kommen zu 100 Prozent bei den Betroffenen an.

Autor

Klaus-Ulrich Hubert
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Veröffentlicht am:
20. 06. 2017
16:39 Uhr

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Autor

Klaus-Ulrich Hubert

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Veröffentlicht am:
20. 06. 2017
16:39 Uhr



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