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Thüringer helfen

Leser spendeten 130.000 Euro: Hilfe mit vollem Vertrauen

Die Spendenbereitschaft der Südthüringer ist so ungebrochen wie das Vertrauen ins Hilfswerk ihrer Zeitung: Rund 130 000 Euro konnte "Freies Wort hilft" 2015 und 2016 für Menschen in Not ausgeben. Nun zog der Verein Bilanz.



"Die Hilfsbereitschaft war so wahnsinnig, das hätte ich nie gedacht": Jacqueline Knedlik (stehend) mit ihrer 13-jährigen Lucy auf der Mitgliederversammlung von "Freies Wort hilft".
"Die Hilfsbereitschaft war so wahnsinnig, das hätte ich nie gedacht": Jacqueline Knedlik (stehend) mit ihrer 13-jährigen Lucy auf der Mitgliederversammlung von "Freies Wort hilft".  

Suhl - "Ich würde gerne alle umarmen", sagt Jacqueline Knedlik und wischt sich eine Träne weg. "Es ist wie ein Wunder, dass so viel Geld für Cora eingegangen ist", ergänzt sie und blick zu ihrer älteren Tochter Lucy. Die kleine Dankesrede vor den versammelten "Freies Wort hilft"-Mitgliedern in Suhl zeigte beispielhaft, wie Berichte über Nachbarn in Not Menschen bewegen können. Mit der Solidarität der Zeitungsleser nicht nur ohne Umweg finanzielle Not lindern, sondern Kräfte mobilisieren, um auch schwierigste Situationen zu meistern: Das ist Sinn und Zweck des Vereins "Freies Wort hilft", der am Dienstag turnusmäßig Bilanz für 2015 und 2016 zog.

Jeder Fall ist da neu beeindruckend. Cora (3), die kleine Schwester Lucys, kämpft sich mit einem Gendefekt durchs Leben. Die drei Ilmenauerinnen stellen nahezu ihr ganzes Leben in den Dienst des Wohlergehens der extrem beeinträchtigten Cora. Dass bei der Spendenaktion nahezu 16 000 Euro zusammenkamen, können die Knedliks bis heute kaum fassen. Das neue, krankheitsgerechte Auto, mit dem Cora nun endlich vernünftig transportiert werden kann, heilt das Leiden nicht, spendet den Drei aber ungemeinen, ganz praktischen Lebensmut.

Schwere Krankheiten, die den Familien ein hartes Leben bescheren. Feuer, die das Zuhause zerstören. Naturkatastrophen, die alles mit sich reißen: Es waren die klassischen Schicksalsschläge, die in den vergangenen beiden Jahren die Arbeit von "Freies Wort hilft" prägten. Fast 131 000 Euro verteilte der Vorstand an Dutzende Familien und Einzelpersonen. Möglich machten das wie immer die vielen hundert Mitglieder und Spender, die insgesamt 137 000 Euro zusammenbrachten. Auf rund 1,7 Millionen summieren sich die Spendenleistungen seit der Vereinsgründung vor nun fast 20 Jahren.

Die lange Liste von Projekten sei nicht nur ein Ausweis großer Hilfsbereitschaft Südthüringer, sondern auch ein Zeichen "dass die Menschen ihrer Heimatzeitung in ganz besonderem Maße vertrauen", wie Vereinschef Kersten Mey anmerkte. "Man weiß, dass die Gelder zuverlässig an die Betroffenen fließen und das auch jeder nachlesen kann."

Etwa bei dem desaströsen Erdbeben vor genau zwei Jahren in Nepal. Phura Bartholome Sherpa, die in Ilmenau lebt, berichtete in der Zeitung vom Elend in ihrem Heimatdorf Khumjung nahe dem Mount Everest. Die 33-Jährige unternahm selber tagelange Fußmärsche in diese bitterarme Himalaya-Gegend und brachte mit den 11 500 gespendeten Euro Hoffnung zu Dutzenden Familien. Phuras Handy-Fotos voll rührender Dankbarkeit zeugen davon.

Naturgewalten setzen auch manchen Thüringern zu, so der sintflutartige Regen, der im Mai 2016 über Teilen von Suhl und Ilmenau niederging und so manche Wohnung komplett unter Wasser setzte. Mit insgesamt 15 000 Euro griff "Freies Wort hilft" fünf besonders bedürftigen Familien und Vereinen bei der Schadensbehebung unter die Arme.

Weiterer Hilfsprojekte mit einem Volumen von jeweils mehreren Tausend Euro: Eine sozial schwache Familie aus Oberschönau, von deren Drillingen zwei so stark behindert sind, dass sie andauernde Pflege brauchen. Linda aus Dermbach, der Reitstunden bei ihren Entwicklungsstörungen helfen. Die zweijährige Anne aus Breitungen, der ein Therapiezimmer das Leben mit Down-Syndrom erleichtert. Ein Schlaganfallpatient aus der Rhön, der nun mit einem Elektrorollstuhl seiner Lähmung trotzen kann. Eine arme Familie, die sich nun einen Grabstein für ihren gestorbenen Sohn leisten kann. Und - wie leider jedes Jahr - eine Reihe von Bränden, nach denen die ihres Habs und Guts beraubten Bewohner eine Starthilfe erhielten.

Ganz besonders hoben Hilfsvereins-Vorsitzender Mey und sein Vize Markus Ermert drei Projekte hervor, die beeindruckend zeigten, wie sehr die Südthüringer zusammen stehen, wenn es drauf ankommt: Der verwitweten Karin Schmidt und dem schwerkranken Hans-Jürgen Ziegler, beide aus dem Wartburgkreis, verschaffte das Hilfswerk eine neue Heizung beziehungsweise einen rollstuhlgerechten Haus-Zugang - nicht nur mit erklecklichen Spendensumme, sondern auch der tatkräftigen und selbstlosen Unterstützung von Nachbarn, Freunden und Firmen.

Und schließlich Beate Stöcklein,. Ihr mutiger Kampf gegen einen besonders heimtückischen Krebs bewegte viele Menschen rund um ihre Heimatstadt Schleusingen. Nach den Berichten in Freies Wort gingen nahezu stündlich Spenden ein, es kamen unglaubliche 20 500 Euro zusammen, um der 45-Jährigen eine Palliativpflege zu ermöglichen. Am Ende musste sich Beate Stöcklein dem Krebs ergeben - sie und ihre Familie hatten die tröstende Gewissheit, das eine ganze Region Anteil nahm an ihrem Schicksal.

Auf solche Notlagen wird "Freies Wort hilft" auch künftig reagieren können. Die Mitgliederversammlung sprach dem Führungsteam für die kommenden zwei Jahre ihr Vertrauen aus: Kersten Mey (Vorsitzender), Markus Ermert (Vize), Barbara Gerhardt (Finanzen) sowie Silke Wolf (Beisitzerin) wurden im Amt bestätigt. Neu in den Vorstand gewählt wurde Verlags-Marketingleiterin Silvia Bergner als Nachfolgerin von Pierre Döring.

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Veröffentlicht am:
26. 04. 2017
09:13 Uhr

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26. 04. 2017
09:13 Uhr



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