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Suhl/ Zella-Mehlis

Wünschelrutengänger mit Inszenierungsdrang

Mit den Zeichnungen und Radierungen von Robert Schmiedel, einem Meister der Inszenierung, endet das Ausstellungsjahr in der Galerie im Zella-Mehliser Bürgerhaus.



Galerist Frank Rothämel (rechts) begrüßt Robert Schmiedel zur Vernissage am Freitagabend.
Galerist Frank Rothämel (rechts) begrüßt Robert Schmiedel zur Vernissage am Freitagabend.   » zu den Bildern

Zella-Mehlis - Es scheint, als kann Robert Schmiedel alles. Angefangen als Kind mit kleinen Kritzeleien fand er als Abiturient, zur Wendezeit in Karl-Marx-Stadt, seine Passion im Zeichnen von Karikaturen. Doch das Kurze, das Verknappte füllte seine Welt bald nicht aus. Er wollte schwelgen und begann, sich Zeichnungen und Radierungen zuzuwenden. Das Finden der Arbeitstechnik habe sich angefühlt wie das Laufen mit einer Wünschelrute, erklärt er. "Und plötzlich schlägt sie aus." Es war wie ein Drang, eine Manie, der er sich ergab.

66 seiner Werke sind seit Freitag in der Galerie im Bürgerhaus zu sehen. "Aber es gibt auch Dinge, die ich nicht kann. Skifahren zum Beispiel", sagt der Leipziger lachend. Dabei habe er sich vor 20 Jahren ein Bein gebrochen. Robert Schmiedel ist nicht nur ein facettenreicher Künstler, er ist auch ein unterhaltsamer Gesprächspartner, der stets einen Koffer voller spannender Geschichten bei sich trägt. Denen lauschen die Gäste zur Vernissage am Freitagabend nur zu gern. Und wenn er seine Geschichten - seine Comics im Kopf, wie er sagt - nicht erzählt, dann bringt er sie auf Papier. Detailreich, mal in Schwarz-Weiß, mal in Farbe.

"Ich inszeniere meine Bilder gern", gesteht er. Und so werden Dutzende kleine Episoden in einem Bild vereint. Da versieht er eine Szene aus einem Kriegszug, aus dem Theater oder dem Ballsaal mit vielen Figuren, die jede auch für sich selbst stehen könnte und dennoch zum großen Ganzen gehört. Den Grund für seine ausschweifende Art zu arbeiten, sieht er in seinem frühen Bezug zum Theater. Sein Großvater war dort Musiker und als Kind durfte Robert Schmiedel Eintauchen in die Theaterwelt und war begeistert. Er begann, sich in gleichem Stil auf Papier auszudrücken. "Ich hätte auch singen können, aber das Zeichnen ist für alle angenehmer", scherzt er.

Speiseplan als Kunstobjekt

Inspirationen findet er in der Natur. So könne er die Lust, sich an der frischen Luft aufzuhalten, mit einem Mehrwert versehen. Dazu blickt er in die Weite oder ein bizarres Gebüsch und rekapituliert das Gesehene in seinen Skizzen. Schließlich landet wieder eine Inszenierung, ein angezogener Baum, ein unwirkliches Licht, auf Papier.

Selbst Speisepläne haben es in die Zella-Mehliser Ausstellung geschafft. Warum? "Ich esse täglich", lacht der Künstler. Als Student mit knapper Zeit und noch knapperem Budget habe er sich sonntags immer einen Essensplan für die kommende Woche gemacht, hinzu kamen kleine Zeichnungen. Alltagskunst, eher nebenbei entstanden und mit großem Unterhaltungswert.

Mit seiner imaginären Wünschelrute ist Robert Schmiedel nach wie vor unterwegs. Und sie hat ein zweites Mal ausgeschlagen. Ein anderes Ich, er vergleicht mit Jekyll und Hyde, schreibe seither Kabaretttexte. Der "Skandal im Spreebezirk", der derzeit im Berliner Kabarett- Theater Distel aufgeführt wird, stammt zum Teil aus seiner Feder. at

 

Die Ausstellung mit dem Titel Hinterland von Robert Schmiedel ist bis zum 11. Januar 2020 in der Galerie im Bürgerhaus zu sehen.

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Veröffentlicht am:
10. 11. 2019
16:04 Uhr

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10. 11. 2019
16:04 Uhr



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