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Suhl/ Zella-Mehlis

Waffenmuseum am Ende der Fahnenstange?

Eine Nürnberger Prüfungsgesellschaft hat den städtischen Haushalt auf Einsparmöglichkeiten durchforstet. Deren Vorschläge betreffen auch das Waffenmuseum. Leiter Peter Arfmann sieht das mit Sorge.



Hält, was es verspricht: Die französischen Journalisten waren begeistert vom Suhler Waffenmuseum.
Hält, was es verspricht: Die französischen Journalisten waren begeistert vom Suhler Waffenmuseum.   Foto: frankphoto.de

Suhl - Ein geflügeltes Wort sagt, dass nichts so heiß gegessen wird wie es gekocht. Was, wenn aber doch?

Die Stadt muss an allen Ecken und Enden sparen, die Kultur bleibt seit Jahren nicht verschont davon. Weil, Kultur ist ja freiwillig und keine kommunale Pflicht (die in der Summe immer mehr wuchs in Suhl). Nur brachte das stete Schrauben an diesen Posten nicht die von manchen Kommunalpolitikern gedachte vermeintliche Rettung.

Nicht einmal, als 2008 der Stadtrat beschloss, sich von seinem Anteil an der traditionsreichen Thüringen-Philharmonie zu trennen, die hier 55 Jahre ihr Zuhause hatte. Die eingesparten 500 000 Euro waren schnell verschwunden wie in einem schwarzen Loch. Als wären sie nie vorhanden gewesen.

Als jüngst die Nürnberger Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Rödel & Partner ihre Sparvorschläge den Stadträten vorstellte, schluckten etliche von ihnen. Selbst wenn die Nürnberger hinzufügten, das seien nur Vorschläge, zum Nachdenken. Mehr freilich steht einer Prüfgesellschaft sowieso nicht zu. Sie erfüllt ihren Auftrag, erklärt das Ergebnis und bekommt Honorar dafür. Umgehen müssen damit jene, die das Prüfen bestellt haben.

Ähnliches bekommt jüngst im Kulturausschuss auch der Leiter des Waffenmuseums, Peter Arfmann, zu hören. "Wir sind ja nicht verpflichtet, diese Vorgaben Eins zu Eins zu übernehmen", heißt es aus dem Munde eines Ausschuss-Mitgliedes. D ennoch, wenn es um noch mehr Effizienz der Haushaltsgelder geht, wird um das Museum vermutlich kein Bogen gemacht.

Steht nur die Frage, welche Maßnahmen das sein können, die sinnstiftend, lebenserhaltend und zukunftsfähig sind. Laut gedacht wurde bereits seitens der Prüfgesellschaft. Vorschläge liegen auf dem Tisch. Und die treiben Arfmann Schweißperlen auf die Stirn. Es sind Vorschläge wie jene, das Personal um eine Viertelstelle abzubauen und zu prüfen, ob die Einrichtung nicht ganz auszulagern sei. Ähnlich dem Fahrzeugmuseum, das auf Vereinsbasis funktioniert.

Hauptaufgabe Sammeln

Beim Personal, kann man aus Arfmanns Worten heraushören, ist man am Ende der Fahnenstange. Im Bereich Museumspädagogik wurde 2015 schon eine Stelle eingespart. Zur Zeit seien acht Mitarbeiter unter Vertrag, allerdings keine Vollzeitstellen. Für die Fachmitarbeiter nennt er die Zahl drei. Die verteilen sich mit ihren Stunden aufs Magazin, die Kasse und einen Museumspädagogen. Seine Kollegen müssten, im Gegensatz zur Verwaltung, sieben Tage die Woche eingesetzt werden, bei Krankheiten und Urlaub müssten die anderen die Arbeit mit übernehmen.

Die meiste Zeit werde gebraucht für die Bestandspflege, für die Annahme von Sammlungsobjekten, im Versicherungsbereich und im Leihverkehr. Mittel für die Restaurierung der regionalgeschichtlichen Sammlung seien überhaupt nicht vorhanden. In diesem Zusammenhang erinnert er die Mitglieder des Kulturausschusses noch einmal an den Sinn eines Museums. Dessen Hauptaufgabe sei das Sammeln, deshalb habe auch das Waffenmuseum eine Sammlungskonzeption.

Rechtliche Bedenken

Gegen eine Auslagerung sprechen aus seiner Sicht ganz praktikable Gründe, die schließlich auch das 2008 wieder neu eröffnete Museum und sein Konzept im Ganzen in Frage stellten. Es müssten nämlich förderrechtliche und waffenrechtliche Gründe geprüft werden, ob eine Auslagerung überhaupt möglich sei. Zur Erinnerung: Das Museum ist eine städtische Einrichtung, die mit Fördergeldern des Landes saniert und mit einer neuen Dauerausstellung ausgestattet wurde. Bis 2023 besteht eine Zweckbindungsfrist für den Empfänger, sprich für die Stadt. Würde heißen, in den nächsten sieben Jahren ist ein Trägerwechsel schon aus diesem Grund gar nicht machbar. Und: "Einem Förderverein die Führung eines Museums wie diesem anzutragen, ist eine gewaltige Kiste. Denn das hängt immer auch an Persönlichkeiten, die dazu fähig sind", gibt Arfmann zu bedenken.

Anfreunden kann er sich hingegen mit dem Gedanken, eine gemeinsames Marketing und eine gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit beider Museen in Angriff zu nehmen, ja sogar, diesen Bereich in professionelle Hände wie die Tourismus GmbH im CCS abzugeben.

Das ist ein Vorschlag, den Dieter Spieker (Die Linke) gleichfalls favorisiert. Eine effiziente Bündelung von Leistung und Möglichkeiten sieht auch er gegeben, um "die Museumsinsel an die CCS-GmbH anzuschließen". Es gebe schon einige Gemeinsamkeiten. Was aber nicht bedeute, die Museen dem CCS anzugliedern. "Das Waffenmuseum ist die wichtigste Kulturstätte, die Suhl hat, damit muss man sorgsam umgehen, auch für die nachfolgenden Generationen. Einen Haushalt auf Kosten der Kultur sanieren, das geht gar nicht", klare Worte eines Mannes, der den Suhler Kulturbetrieb wie seine Westentasche kennt.

Vor der eigentlichen Tagung sahen sich die Mitglieder die aktuelle Sonderausstellung "Bella Ballistika" an. Sie zeigt Arbeiten des jungen Weimarer Künstlers Martin Schade, der sich mit ironischen Installationen dem Thema "Waffe" zuwendet. Gekostet hat die Schau 4800 Euro, von der Stadt selbst kamen 1200 Euro. Mit Fördermitteln vom Kultusministerium wurde sie schließlich möglich.

Die finanziellen Spielräume sind für das Haus sehr eng, was nicht nur dieses Beispiel zeigt. Dennoch werden immer wieder Angebote gemacht, ebenso gemeinsam mit anderen Partnern, dem Verein Provinzkultur beispielsweise. Die Einnahmen aus Eintrittsgeldern betragen 2015 rund 147 000 Euro, fast 20 000 Euro weniger als geplant.

Eine Aufschlüsselung, wie hoch davon der Anteil durch die Suhler selbst und ihren Besuch im Waffenmuseum ist, ist nicht ausrechenbar. Aber eines steht für Arfmann fest: "International wird unser Museum höher bewertet, als national." Suhl trifft damit - im Ausland unbedingt. Und das kann für den Ruf einer Stadt nicht das schlechteste sein.

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Von Lilian Klement
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Veröffentlicht am:
20. 02. 2016
00:00 Uhr

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Von Lilian Klement

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20. 02. 2016
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