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Suhl

Pfiffe für das Präsidium beim Stadthallengespräch

Am 30. Oktober vor 30 Jahren haben sich 6500 Bürger aus Suhl und dem gesamten Bezirk auf den Weg zum zweiten Bürgerforum in und vor die Suhler Stadthalle gemacht. Ihr Ziel: An der Wende mitarbeiten.



Ranghohe Persönlichkeiten aus Stadt und Bezirksverwaltung stellten sich den Fragen Tausender Bürger, die sich in der Stadthalle zusammengefunden hatten.
Ranghohe Persönlichkeiten aus Stadt und Bezirksverwaltung stellten sich den Fragen Tausender Bürger, die sich in der Stadthalle zusammengefunden hatten.   Foto: frankphoto.de/Archiv

Suhl - Vier Stunden lang wurde an diesem Abend "...gesprochen und gemeinsam überlegt, was endlich neu, besser, anders gemacht werden muss - für unser Land und seinen Sozialismus", heißt es in Freies Wort vom 1. November 1989 in der Nachberichterstattung. Ständig dicht umlagert waren die vier Saal-Mikrofone. Dabei wurden unterschiedlichste Vorschläge eingebracht. Sie reichten von der Schaffung von Altersgrenzen für das Gremium der obersten Volksvertreter über den Abbau von Privilegien; von dem Vorschlag, Ordnung in den Betrieben zu schaffen bis hin zur Schaffung einer Arbeitsgruppe Wahlrecht; von der Offenlegung der Deviseneinnahmen des Staates bis hin zu Andersdenkenden, die nicht gleich als Konterrevolutionäre abgestempelt werden dürften...

"Ohne Tabus ging es von der ersten Minute an. Viele brachten ihren Willen zum Ausdruck, ehrlich an der Wende mitzuarbeiten, komplizierte Probleme zu konkreten Lösungen zu führen. Dafür gab es Beifall. Pfiffe gab es auch, für allzu unkonkrete Auskünfte zum Beispiel", hieß es in Freies Wort .

Ein Arbeiter vom WBK (Anm. der Redaktion: Wohnungsbaukombinat) wünschte sich beispielsweise Parteien mit unterschiedlichen Programmen, die sich den Bürgern zur Wahl stellen sollten. In der Tageszeitung, so kündigte der damalige Chefredakteur Helmut Linke an, werde künftig mit verantwortungsbewusster, gründlicher Information sowie einem ständigen FW-Leserforum der großen Meinungsvielfalt Rechnung getragen.

Von Gerhard Koszychi, dem zweiten Sekretär der SED-Bezirksleitung war zu hören, dass die Partei verlorengegangenes Vertrauen zurückgewinnen wolle. Er verwahrte sich jedoch gegen Unterstellungen und Verleumdungen. Beispielsweise sei es nicht wahr, dass Funktionäre der Partei Westgeld als Gehaltsanteil erhalten hätten.

Von Bezirksstaatsanwalt Klaus Schulze wurden Fragen beantwortet, die sich auf die Rechtmäßigkeit angemeldeter Demonstrationen für die Forderungen der Bürger auf dem Boden der Verfassung der DDR bezogen. Von den Bürgern wurde unterdessen gefordert, das keines der aufgeworfenen Probleme und kein konstruktiver Vorschlag wieder unter den Tisch fallen solle, bevor er die dazu zuständigen Gremien erreicht hätte.

Als einer der Berichterstatter schätzte Walter Bähr in seinem Kommentar ein, dass sich die Menschen noch immer schwer damit tun, Ansprüche und Forderungen zu artikulieren. Er schreibt: "Auch diesmal ist den Veranstaltern nicht gelungen, überzeugende Antworten zu geben. Mit Genugtuung registriere ich die in den meisten Fällen wiedergewonnene Fähigkeit derer, die politische Verantwortung tragen, Fehler vorbehaltlos offen zu legen und sich auch persönlich zum eigenen Anteil zu bekennen." Und er fasst zusammen: "Viel zu lange haben wir mit Visionen und Wunschträumen gelebt und uns letztlich Resignation und Vertrauensverlust eingehandelt."

Autor

Doreen Fischer
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
29. 10. 2019
18:02 Uhr

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Doreen Fischer

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Veröffentlicht am:
29. 10. 2019
18:02 Uhr



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