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Suhl

Kultige Oberpfälzer löschen Humor-Durst in Suhl

Bereits zum dritten Mal gastierte die wohl bedeutendste "Feuerwehr" Bayerns, die Altneihauser Feierwehrkapell´n, im CCS und sorgte für ein unvergessliches, kabarettistisches Feuerwerk.



Sorgten wieder für zahlreiche Schenkelklopfer: Die Altneihauser Feierwehrkapell’n mit ihrem Kommandanten Norbert Neugirg (links).-	Foto: frankphoto.de
Sorgten wieder für zahlreiche Schenkelklopfer: Die Altneihauser Feierwehrkapell’n mit ihrem Kommandanten Norbert Neugirg (links).- Foto: frankphoto.de  

Suhl - Der rotzfreche Komödianten-Haufen mit seinen lustigen Gestalten aus der Oberpfalz sorgte vor einem begeisterten Publikum mit seinen frechen Sprüchen, sarkastischem Humor, untermalt mit volkstümlich-musikalischen Schmankerln und Schenkelklopfern wieder für einen unvergessliches Abend.

Dabei hatte die Kulttruppe aus der Oberpfalz mit ihrem Kommandanten Norbert Neugirg erwartungsgemäß nicht nur an den bayerischen Franken, an sich selbst, sondern auch ungeheuer viel an den Thüringern in Suhl und seiner umgebenden Region von Zella-Mehlis bis Meiningen auszusetzen.

Abenteuerliche Reden

"Ein Feuerwehrhaufen ist ganz dreist, aus fernen Land heut angereist, um sich im überwiegend fränkisch geprägten Süden Thüringens zu beweisen und sich als die besten Bayern anzupreisen. Schließlich kommen sie aus einer Gegend, trostlos und abgeschieden, die außer Wald sonst nicht viel hat zu bieten. Drum dringen sie oft in Franken ein, und saufen deren Frankenwein. In ihren Gefilden, da wächst ja kein Wein. Um saustark auf den Putz zu hauen, weil sie das beste Bier brauen. Drum begrüßen wir sie heut mit Gerstensaft, verstärkt sie doch die Manneskraft", hieß es zu Begrüßung.

Also wieder mal raus aus der Oberpfalz in die gute Luft am Rennsteig. Dafür hat die achtköpfige Truppe, noch stark gekennzeichnet von ihren aktiven Löschdiensten, keine Mühen, Kosten und Gefahren gescheut, um das Publikum mit ihren abenteuerlichen "Brandreden" und konfusem Musik-Mischmasch in Atem zu halten.

Und schon in seiner Begrüßungsrede begab sich Kommandant Norbert Neugirg auf dünnes Eis, als er Suhl mit Meiningen verwechselte: "Guten Abend liebe Gäste, ich bin platt, was für eine wundervolle Stadt. Von ganzen Herzen offenbar, das ist die schönste Stadt, wo ich je war. Alles tipp-top aufgeräumt, von einem Publikum, von dem man träumt. Absolutes Weltniveau, so wundervoll ist nirgendwo, die Stadt voll stattlicher Gebäude, ein jedes Bauwerk eine Freude. Paradiesisch traumhaft und charmant, ist Thüringens Diamant. Wie heißt die wunderschöne Stadt, an der ich keine Zweifel hab. Du Meiningen, du schöne Stadt."

Das war dann doch zu viel für das Publikum, das aber Milde walten ließ und wusste applaudierend mit dieser gewollten Verwechslung umzugehen. Egal in welcher Region sich Neugirg bewegte, frech und gekonnt parodierte er alle Unzulänglichkeiten und servierte jede kommunale als auch politische Befindlichkeit in einem wortreichen Ohrenschmaus. "In Suhl ist es ungefährlich. Hier sind die Bürger brav und ehrlich und sind laut Oberbürgermeister Knapp gut drauf. Schließlich ist OB Knapp sehr bemüht, die Dinge so zu drehen, als würde er nach Plan vorgehen und die Fehler, die ihm unterlaufen, als Erfolge zu verkaufen."

Und auch das Umfeld blieb nicht verschont, von Frauenwald bis Heckengereuth, von Katzhütte bis Goldlauter. Und das diesmal so wenige Zella-Mehliser anwesend waren, begründete Neugirg mit einer gleichzeitig durchgeführten Altkleidersammlung in der Nachbarstadt. Nicht fehlten durfte der Bratwurstvergleich zwischen dem fränkisch-thüringischen Rezept und dem, was da in der Landeshauptstadt auf dem Rost liegt. Kümmel in der Bratwurst, das gehe schon gar nicht.

Nicht ausgespart wurde die kleine und große Politik. Da bekamen Mark Hauptmann von der CDU wie auch Diana Lehmann von der SPD ihr Fett weg. "In Suhl macht das Leben Spaß, es fehlt ja immer an etwas." Und auch Trump blieb nicht unberührt, will er doch jetzt auch an Grönland ran. "Dreht ihm doch viel lieber noch einmal Alaska an. Dann ist er nicht mehr angepisst, der weiß doch nicht, wo Grönland ist". Damit war wohl alles gesagt.

All die Verse und wortreichen Parodien, die ohne Showeffekte vorgetragen wurden, forderten die Feierwehrkapell’n-Floriansjünger zu Höchstleistungen heraus. Weil sich die Feuerwehrkapelle bei ihren Auftritten immer wieder aufs Glatteis begebe warte er darauf, irgendwann einmal von der Bühne verwiesen zu werden, sagte Neugirg. Und weil sie alles mit viel kritischem Humor auf die Schippe nehmen, könne er nicht verstehen, dass sich die Leute "für solch einen Haufen" so sündhaft teure Karten kauften.

Doch es ist wohl gerade das lokale Insiderwissen (das die Oberpfälzer vorher stets sorgfältig bei Ortskennern recherchieren), was das Publikum anlockt, um ein paar genüssliche Stunden gemeinsam mit der kultigen Truppe zu erleben.

Alles war wie immer aus dem Leben gegriffen, nichts beschönigt doch mit viel Humor und Parodie gespickt, um sich schon auf den nächsten Auftritt zu freuen.

 

Tipp: Altneihauser Weihnachtslesung am 13. Dezember, 19.30 Uhr, Mainfrankensäle Veitshöchheim.

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Theo Schwabe
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Veröffentlicht am:
16. 09. 2019
08:02 Uhr

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Theo Schwabe

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16. 09. 2019
08:02 Uhr



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