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Suhl/ Zella-Mehlis

Klinikum sagt Operationen ab und setzt Besuchsverbot durch

Auch wenn es aktuell in Suhl außer in der Erstaufnahmeeinrichtung keinen Corona-Fall gibt - die Mediziner des Klinikums sind sich einig: Die Infektionskrankheit wird keinen Bogen um die Stadt machen. Und sie sind vorbereitet.



Im Suhler Zentralklinikum wird zurzeit, statt sonst in 14 Sälen, nur noch in fünf Sälen operiert und damit viel weniger als sonst. Das ist eine der Maßnahmen , um auf eine mögliche Ausbreitung der Infektionskrankheit, die das Corona-Virus verursacht, vorbereitet zu sein. Foto:ari
Im Suhler Zentralklinikum wird zurzeit, statt sonst in 14 Sälen, nur noch in fünf Sälen operiert und damit viel weniger als sonst. Das ist eine der Maßnahmen , um auf eine mögliche Ausbreitung der Infektionskrankheit, die das Corona-Virus verursacht, vorbereitet zu sein. Foto:ari   » zu den Bildern

Suhl - Es sind fünf Botschaften, die Christian Jacob, der Sprecher des Suhler SRH-Zentralklinikums, hat. Die zentrale Nachricht ist: "Das Zentralklinikum ist darauf vorbereitet, sich einer Welle von Corona-Erkrankungen zu stellen." Das gebietet auch der Fakt, dass noch am Mittwoch in Deutschland etwa 11.000 Corona-Fälle gemeldet wurden - 25 Prozent mehr als noch am Tag davor. In Thüringen waren es bis gestern 98 bestätigte Covid-19-Fälle.

Das Bundesgesundheitsministerium hat vor genau einer Woche sehr deutlich gefordert, verschiebbare Operationen abzusetzen, Kapazitäten auf der Intensivstation maßgeblich auszubauen, mehr Ärzte und Pflegende in der Betreuung von Patienten mit intensivmedizinischem Bedarf zu schulen und alle Prozesse dem Pandemiefall anzupassen. Und das machen Leitung und Mitarbeiter des Zentralklinikums mit Hochdruck. Auch wenn sie die Erkrankungswelle bislang stationär noch nicht spüren.

Augenscheinlich wird das angesichts der geschlossenen Caféteria, des geschlossenen Frisörgeschäftes, des geschlossenen Cafés, der fehlenden Grünen Damen, die ihren Dienst eingestellt haben und des generellen Besuchsverbotes. Das ist seit dem gestrigen Donnerstag in Kraft. Ausgenommen davon sind unter anderem Väter, die bei der Geburt ihres Kindes dabei sein wollen. Auf der Kinder- und Frühchenstation wird eine Begleitperson und bei Kindern unter 10 Jahren sind beide Elternteile zum Besuch zugelassen. Eine Ausnahme der Besuchsverbotsregel ist auch, dass Angehörige von einem Patienten Abschied nehmen können, wenn die Zeit dafür unweigerlich gekommen ist.

Für Notfälle immer da

Generell dürfen keine Besucher unter 16 Jahren das Klinikum betreten. Auch nicht Menschen mit Husten oder Schnupfen, auch keine Rückkehrer aus Risikogebieten und erst recht nicht Menschen, die persönlichen Kontakt zu einem Corona-Infizierten hatten. "Das Besuchsverbot wird am Haupteingang durch ständig anwesende Kolleginnen und Kollegen kontrolliert", macht Christian Jacob deutlich. Unter die Maxime, Kontakte so weit wie möglich zu minimieren fällt auch, dass Behandlungen in den Ambulanzen weitgehend abgesagt werden. Dagegen bleiben die Poliklinik-Praxen unter strengen Hygiene-Maßnahmen und mit einer Wegeführung, die Distanz wahren hilft, geöffnet.

Was nicht gleich augenscheinlich ist, das sind die Planungen hinter den Kulissen. Und die Verschiebung von sowohl ambulanten als auch stationären Operationen, die noch Aufschub dulden, ohne dass der Patient dadurch gesundheitliche Nachteile in Kauf nehmen muss. "Ein Patient, der zum Beispiel Gefahr läuft, sein Augenlicht zu verlieren, wird selbstredend operiert. Ein Notfall genauso und der Krebspatient, bei dem eine verschobene Operation das Leben kosten könnte", sagt Christian Jacob. Auch Geburten werden ohne Einschränkungen in den Kreißsälen des Klinikums ohne Einschränkungen betreut.

Dagegen müssten sich Patienten, die beispielsweise ein künstliches Kniegelenk bekommen sollen oder einen Leistenbruch haben, noch gedulden. Dies alles vor dem Hintergrund, Kapazitäten und Betten für den Ernstfall freihalten zu können. "Jeder Patient wird von uns individuell über eine mögliche Absage der geplanten OP informiert", versichert der Sprecher des Klinikums. Und auch, dass das Klinikum für Notfälle aller Art und im vollen Umfang da sei.

Zurzeit seien von den insgesamt 640 Betten im Zentralklinikum mehr als 200 nicht belegt. Wird sonst in 14 Sälen operiert, geschieht das derzeit nur noch in fünf. Die so frei gewordenen Zeit-Kapazitäten für Ärzte, Schwestern und Pfleger werden unter anderem für das Training der Betreuung von Patienten mit intensivmedizinischem Bedarf genutzt. Daneben laufe der Klinikalltag weiter, sodass die Schwestern und Ärzte gut eingesetzt seien.

Auch wenn es noch keinen stationären Corona-Fall im Klinikum gibt - eine Isolierstation ist bereits eingerichtet worden. Hier gibt es zunächst Platz für bis zu 37 Verdachtsfälle. Sollte deren Covid-Testergebnis positiv sein, werde die Behandlung in einer abgeschlossenen, externen Spezialstation fortgesetzt, die räumlich vom Klinikum getrennt ist und autark agieren kann.

24 Intensivbetten

"Sollte für diese Patienten eine intensivmedizinische Behandlung nötig werden, stehen 24 Intensivbetten zur Verfügung, von denen vier streng isoliert werden. Wir sind so aufgestellt, dass wir bedarfsgerecht reagieren können", so Christian Jacob. Nötigenfalls können die Intensivbetten auf 50 aufgestockt werden.

Für all diese Maßnahmen investiert das Zentralklinikum, um auf den Ernstfall vorbereitet zu sein. In Sachen Schutzausrüstung sei das Haus aktuell gut aufgestellt, habe aber beim Land bereits Nachschub beantragt. Die Mediziner am Klinikum seien sich einig darin, dass die potenziell gefährliche Infektionskrankheit auch um Suhl keinen Bogen machen werde. "Wir sind vorbereitet und wir appellieren an die Solidarität und Vernunft der Menschen, Distanz zu wahren und das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten. Wir sind im Klinikum für Sie da. Bitte bleiben Sie für uns zu Hause", zitiert Christian Jacob einen passenden Slogan, der gerade in sozialen Netzwerken die Runde macht.

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Heike Hüchtemann
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Veröffentlicht am:
19. 03. 2020
17:44 Uhr

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19. 03. 2020
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