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Suhl

Gewo-Chef: Mieterhöhungen ja, aber mit Augenmaß

Der Chef der städtischen Suhler Wohnungsgesellschaft Gewo hat auf die Vorwürfe reagiert, dass die Mieten zu niedrig sind. Richtig sei, dass die Löhne in der Stadt für hohe Mieten nicht reichen. Er sieht die Politik gefordert, für Geringverdiener einzuspringen.



Ralf Heymel.
Ralf Heymel.  

Suhl - "Unser Hauptaugenmerk gilt der sozial verträglichen Bereitstellung von Wohnraum für alle Bevölkerungsschichten", so ist es auf der Internetseite der GeWo zu lesen. Genau auf diesen Satz verweist der Geschäftsführer des Wohnungsunternehmens, Ralf Heymel, noch einmal ganz gezielt. Nicht ohne Grund. Denn nachdem er sich in Freies Wort dazu geäußert hatte, dass die Gewo-Neuvertragsmieten zu fast zwei Dritteln unter fünf Euro liegen, hatte sich Frank Brösicke, Vorstandsvorsitzender der AWG Wohnungsbaugenossenschaft, zu Wort gemeldet. In seinem Beitrag hatte er angemahnt, dass niedrige Mieten dem Mieterschutz abträglich sind. Diese Aussage hatte bei den Lesern zu unterschiedlichsten Reaktionen geführt. Auch in den sozialen Netzwerken wurde das Thema eingehend diskutiert.

Zu Lasten der Substanz

"Für mich ist die wichtigste Frage, sozialverträgliche Mieten für alle Schichten zur Verfügung zu stellen. Die Balance zwischen Wirtschaftlichkeit und Sozialverträglichkeit muss dabei aber gewahrt bleiben", sagt Heymel. Wie sich zu niedrig angesetzte Mieten auswirken, das hätte man zu Wendezeiten sehr deutlich zu spüren bekommen. Damals waren die GeWo-Bestände in desolatem Zustand, weil Investitionen vernachlässigt wurden. Künstlich niedrig gehaltene Mieten zu DDR-Zeiten waren zulasten der Substanz gegangen.

Im Jahr 2009 hatte die GeWo noch einmal schmerzlich erfahren müssen, was passiert, wenn die Mieten nicht ausreichen, um eine ordentliche Bewirtschaftung zu garantieren. Damals war die Stadt Suhl eingesprungen, um mit einer Millionenhilfe die Sanierung der Wohnungsbaugesellschaft zu ermöglichen.

"Es ist unser Ziel, sozialverträglich Mieten anbieten zu können. Aber eben nicht zu niedrige", erklärt Ralf Heymel. Doch was ist in seinen Augen sozialverträglich? Bis zu 30 Prozent des Nettoeinkommens sieht er als Richtwert an. Doch genau hier ist die Crux. Heymel macht das an einem Beispiel deutlich. In Hamburg liegt die durchschnittliche Mietbelastung bei mehr als 29 Prozent des Einkommens. Allerdings haben die Bürger der Hansestadt rund 3420 Euro monatlich zur Verfügung. Auch wenn die Miete mehr als 1000 Euro beträgt, so bleiben ihnen schlussendlich 2400 Euro zum Leben übrig.

Mieter verdienen weniger

In Suhl hingegen müssen die Menschen nur 24 Prozent ihres Einkommens für Miete berappen. Weil sie aber durchschnittlich nur 2014 Euro verdienen, haben sie nach Abzug der Miete von rund 483 Euro nur noch 1430 Euro in der Tasche. "In Suhl haben wir also kein Problem mit zu hohen Mieten, sondern mit zu niedrigen Einkommen", legt Ralf Heymel den Finger in die Wunde.

Weil aber die Politik ständig neue Anforderungen an die Vermieter stellt und die Bauwirtschaft die Preise immer weiter nach oben treibt, bleibt den Wohnungsgesellschaften nur eine Möglichkeit, um wirtschaftlich solide arbeiten zu können. Sie sind gezwungen, die Mieten anzupassen. "Aber immer mit Augenmaß", mahnt der GeWo-Chef.

Mehr Geld investiert

Sein Unternehmen hat diese Entwicklungen im Blick. Deshalb konnte es 2018 laufende Instandsetzungen in Höhe von 4,2 Millionen Euro realisieren. Hinzu kamen weitere 2,3 Millionen Euro für größere Baumaßnahmen. "Das sind die höchsten Ausgaben, die wir seit Jahren getätigt haben. Der Sanierungskurs der GeWo ermöglicht deutlich gestiegene Investitionen", rechnet er vor. Das hat auch damit zu tun, dass trotz zielgerichteter Freizüge nur ganz minimale Vermietungsverluste aufgetreten sind. Konkret heißt das: Das Unternehmen hat im letzten Jahr 25 Mieter verloren. "Das ist nur noch zehn Prozent dessen, was wir noch im Jahr 2009 hatten", zeigt sich Ralf Heymel zufrieden. Auch deshalb, weil die GeWo das beste Vermietungsergebnis seit Bestehen des Unternehmens vorweisen kann.

Trotzdem dürfe man nicht aus dem Auge verlieren, dass auch, aber nicht nur im Bereich der GeWo, die nächste Sanierungswelle ansteht. Vor rund 25 Jahren wurde in die vorhandene Substanz deutlich investiert. In spätestens fünf bis zehn Jahren müssen diese Wohnungen ein weiteres Mal erneuert werden.

Staat in der Pflicht

Zudem macht den Vermietern ein Umstand schwer zu schaffen. Viele technische Anlagen verschleißen heute viel schneller als früher. Hinzu kommt, dass weit mehr Technik in den Häusern Einzug gehalten hat, als das früher der Fall war. Egal ob es sich dabei nun um Lüftungs- oder Aufzugstechnik bis hin zu Rauchmeldern oder Brandschutzanlagen handelt.

Die Rahmenbedingungen lassen also nur eines zu: Die Mieten werden steigen müssen. Auch bei der GeWo. "Wenn ein Mieter das irgendwann nicht mehr bezahlen kann, dann ist der Staat in der Pflicht. Er muss denen zur Seite springen, die zum Beispiel nur Mindestlohn erhalten", macht Ralf Heymel eine Forderung in Richtung derer auf, die mit immer neuen Gesetzgebungen ihren Anteil daran tragen, dass die Mieten angehoben werden müssen.

Aus diesem Grund regt Ralf Heymel an, das sehr sensible Thema öffentlich zur Diskussion zu stellen. fis

Lesen Sie dazu auch: AWG-Chef: Niedrige Mieten sind schlecht für Mieter und Stadt Suhl

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Veröffentlicht am:
17. 01. 2019
15:32 Uhr

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