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Suhl

Geheimnissen auf der Spur, die unter Suhl schlummern

Suhl hat eine Bunkeranlage, die noch nie geöffnet wurde. Das sei einmalig in Deutschland sagt Ulrich Brunzel, Autor des neuen Heftes der "Kleinen Suhler Reihe". Das Interesse dafür ist enorm.



Als unermüdlicher Forscher ist Ulrich Brunzel mit seiner neuesten Veröffentlichung den Untergrundgeheimnisse der Hofleite auf der Spur. Fotos. frankphoto.de
Als unermüdlicher Forscher ist Ulrich Brunzel mit seiner neuesten Veröffentlichung den Untergrundgeheimnisse der Hofleite auf der Spur. Fotos. frankphoto.de   » zu den Bildern

Suhl - "Dass viele Suhler kommen, habe ich gewusst. Dass es so viele sind, habe ich nicht erwartet", sagte Ulrich Brunzel vor der Premiere seines Heftes "Das Untergrundgeheimnis der Suhler Hofleite". "Es gibt keine Pläne, keiner weiß, wie sie aussieht, aber es gibt konkrete Hinweise". Genau diesen Hinweisen ist er nachgegangen in jahrzehntelanger Forschung. All das, was er dabei im wahrsten Sinne des Wortes ausgegraben hat, findet sich nun zusammengefasst auf 72 Seiten.

Schon 1990, so erzählt Ulrich Brunzel, habe er vom Bürgerkomitee den Auftrag erhalten, nach der unterirdischen Anlage im Bereich der Hofleite zu suchen. Doch was ist eigentlich die Hofleite und wo verläuft sie? Genau diese Fragen hat er den Suhlern gestellt und dabei die Erkenntnis gewonnen: "Die wenigsten wissen etwas damit anzufangen".

Dabei hat ausgerechnet dieses Areal Geschichte geschrieben, wie sonst kein anderer Ort in Suhl. Bergbau, Fliegerschule, Waffenfabrik, Bunkerbauten und das MfS - all das verbindet sich mit dem Namen Hofleite.

Ein Stadtplanauszug aus dem Jahr 1933 zeigt, dass sie vom Hangbereich der Rimbachstraße bis hin zur Maxim-Gorki-Straße verläuft. Wo sie genau endet, das vermag niemand zu sagen.

Geschichtlich reist Brunzel bis ins Jahr 1690 zurück. Damals wurde die Zeche Moritz Wilhelm beschrieben, in der nach Kupfererz geschürft wurde. Bis zu 40 Meter tief hatte man sich gegraben. 1976 wurde einer der Erbstollen wieder geöffnet. "Es gab die Vermutung, dass er bis zum Haus von Albrecht (Anm. d. Red.: Hans Albrecht, Erster Sekretär der Bezirksleitung der SED im Bezirk Suhl) führen soll". Bestätigen kann der Autor diese Gerüchte nicht.

Anhand einer Aufnahme nimmt er seine Premierengäste mit in die Zeit des Jahres 1937. Damals war zwischen Rimbachstraße und Hang Hofleite die Firma Sempert & Krieghoff ansässig. Später bekannt als Waffenfabrik mit dem Namen Krieghoff. Das Unternehmen stellte beispielsweise das Fallschirmjägergewehr F 42 her, das von 1943 bis 1945 zum Einsatz kam.

Wichtig für die Hofleite war der Bau der Bunkeranlage, der 1940 begann. "Bis Kriegsende wurde Tag und Nacht daran gearbeitet", erzählt der Autor. Was zunächst nur für die Beschäftigten des Werkes gedacht war, wuchs zu einer riesigen Anlage mit zwei Stockwerken.

Mindestens drei, vielleicht sogar fünf Zugänge wies sie auf. Es gab eine Sanitätsstelle, in der Anlage wurde Maschinenbetrieb vollzogen, die NSDAP hatte einen Kommandostand eingerichtet und es konnten Waffen eingeschossen werden. Fakt ist auch, dass Heinrich Krieghoff einen eigenen unterirdischen Privatbereich hatte.

Relikte des Bunkerbaus finden sich noch immer auf dem Areal. Auch wenn die Zugänge im Jahr 1947 gesprengt wurden, so finden sich stumme Zeitzeugen, wie beispielsweise ein Stück des Bunkerzugangs II. Wo und wie genau der Bunkerverlauf ist, das kann niemand sagen. "Wir verfügen über kein Kartenmaterial. Ob die Stasi welches hatte - man weiß es nicht", lässt Ulrich Brunzel Raum für weitere Nachforschungen.

Das Bernsteinzimmer

Spekulationen rund um den Bunker gibt es unzählige. Auch die, dass hier das Bernsteinzimmer eingelagert worden sein soll. Das kann Brunzel nicht glauben. Aber er weiß, dass Ende März 1945 Transporte erfasst wurden und Dinge an der Hofleite zwischengelagert sein sollen.

Es gibt weitere unterirdische Geheimnisse der Hofleite. Beispielsweise das Bunkersystem der Bezirksverwaltung der Stasi. Heute wird es noch immer genutzt, vom jetzt dort ansässigen Behördenzentrum.

In der "Kleinen Suhler Reihe" geht der Autor offenen Fragen nach, die er gerne geklärt haben möchte. So schreibt er: "Auch 30 Jahre nach der Stasiherrschaft ist die Frage ungeklärt, ob sich die Staatssicherheit den Untergrund der Hofleite sowie die Bunkeranlage der Waffenfirma Heinrich Krieghoff nutzbar gemacht hat. Indizien sprechen dafür, die Beweise fehlen jedoch nach wie vor".

 

Das neue Heft der "Kleinen Suhler Reihe" ist zum Preis von 7 Euro in der städtischen Galerie im CCS und im Waffenmuseum erhältlich.

Autor

Doreen Fischer
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
01. 08. 2019
20:44 Uhr

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Doreen Fischer

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01. 08. 2019
20:44 Uhr



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