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Suhl

Aggressiver Fuchs in Schmiedefeld beißt Kind und greift Mann an

Die Geschichte klingt haarsträubend: Ein Fuchs beißt am hellerlichten Tag ein kleines Kind und greift einen Mann an. Doch was wie ein wildes Gerücht anmutet, ist am Montag genau so in Schmiedefeld passiert. Die Stadt Suhl hat sich des Themas angenommen.



Schmiedefeld - Aufruhr in Schmiedefeld: Dort treibe ein Fuchs nahe des Sportplatzes sein Unwesen. Er habe einen Mann und ein Kind angegriffen. Diese Info wurde Dienstagabend an die Redaktion von Freies Wort herangetragen. Auch ein entsprechendes Video, das einen Fuchs in Nahaufnahme zeigt, der sich auf einen Menschen zubewegt, kursiert. Es stellt sich heraus: Das Video wurde tatsächlich in Schmiedefeld aufgenommen. Und zwar an der Skisprung-Schanze nahe dem Sportplatz. Gefilmt hat es Jörg Brömel vom WSV Schmiedefeld.

Tollwut

Deutschland gilt seit April 2008 nach den Kriterien der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) als tollwutfrei.

2013: Letzter Tollwutfall in Deutschland bei einem illegal importierten Hund aus Marokko.

2007: Der letzte Tollwutfall bei einem Menschen in Deutschland, der Mann wurde in Marokko von einem streunenden Hund gebissen

2006: Letzter Tollwutfall in Deutschland bei einem Fuchs

1999: Letzter Tollwutfall in Thüringen bei einem Hund

Im Ilm-Kreis gab es seit mindestens 1995 (Ende der Abfragemöglichkeit) keine registrierten Tollwutfälle. Quellen: Wikipedia/
Tierseuchennachrichtensystem

 

"Das war Montagnachmittag. Ich war gerade an der Schanze und habe den Hang präpariert, weil wir dieses Wochenende den Deutschen Schülercup hier haben, als das Tier auf mich zukam. Der Fuchs hat gefaucht und wollte mich beißen. Ich habe ihn zweimal mit meinem Skistock abgewehrt und ihn damit auch in die Flucht geschlagen", erzählt Jörg Brömel auf Nachfrage dieser Zeitung. Er ergänzt: "Dieses Verhalten war nicht normal. Der Fuchs ist schließlich zielgerichtet auf mich zugelaufen. Ein Helfer war mit vor Ort und hat das Geschehen ebenfalls verfolgt", so Jörg Brömel.

 

Auch das vermeintliche Gerücht, dass ein kleines Mädchen von dem Tier gezwickt worden sei, bestätigt sich nach Recherche von Freies Wort und einem Gespräch mit der Mutter des Kindes: "Wir, also eine Freundin und ich, waren vor zwei Tagen am Sportplatz, zwischen Rodelbahn und Kurparkswiese unterwegs und wollten mit unseren Kindern rodeln. Die Kinder sind über die Schneeberge geklettert und plötzlich kam der Fuchs. Wir sind uns sicher, er wollte zum Baby im Schlitten", berichtet die Schmiedefelderin. Mit Schreien und dem Werfen von Eisbrocken habe man versucht, das Tier zu verscheuchen. Dann sei der Fuchs jedoch wieder aufgetaucht und direkt auf die anderen Kinder zugelaufen. "Ich habe dann gerufen, sie sollen wegrennen. Meine Tochter ist gestürzt und wurde von dem Tier gezwickt. Sie hatte aber zum Glück eine dicke Schneehose an, die sicher viel abgebremst hat. Es sind deshalb nur zwei kleine blaue Abdrücke von den Zähnen zu sehen", sagt die Frau, die mit ihrem Kind gleich einen Arzt aufgesucht hat. Mit dem stehe man sicherheitshalber weiterhin in Verbindung.

Wie beim Auerhahn

Hagen Dargel, Leiter des Forstamtes Frauenwald, hatte am Mittwoch noch keine Kenntnis von einem aggressiven Fuchs in Schmiedefeld. Die Angst vieler Schmiedefelder, dass das Tier an Tollwut erkrankt sein könnte, will er prinzipiell nehmen. "Tollwut gibt es bei uns schon seit vielen Jahren nicht mehr. Aufgrund der großen Impfaktionen über lange Zeiträume ist die Krankheit eigentlich ausgestorben", sagt er. Auf einen möglichen Grund für das auffällige Verhalten des Tieres angesprochen, erinnert sich Hagen Dargel an einen Fall nahe Neustadt am Rennsteig, bei dem vor einigen Jahren ein Auerhahn ebenfalls aggressiv und ausdauernd auf einen Wanderer losgegangen ist. Der Wanderer hatte sich mit einem Knüppel gewehrt und das Tier schlussendlich in Notwehr erschlagen.

Viele mögliche Gründe

"Jetzt ist die sogenannte Ranzzeit, also die Paarungszeit der Tiere. Man nahm damals an, dass das auch der Grund für das aufdringliche Verhalten des Auerhahnes war. Auch bei dem Fuchs in Schmiedefeld könnte das ein Grund sein", nennt der Forstamtsleiter eine mögliche Erklärung, betont jedoch, dass es nur eine Mutmaßung sei. In jedem Fall, so Hagen Dargel, müsse das Tier schnellstmöglich entnommen werden. "Da muss der zuständige Jäger handeln. Denn offensichtlich sucht das Tier immer wieder Kontakt. Das ist ein Sicherheitsrisiko", sagt er.

Normalerweise sind Füchse sehr scheu und meiden den Menschen, weiß auch Regina Urbatschek vom Tierschutzverein Ilmenau und Umgebung auf Nachfrage zu berichten. "Wenn so etwas vorfällt, ist es schon bedenklich", fügt sie hinzu. Regina Urbatschek will den Teufel keinesfalls an die Wand malen, sagt aber nach Schilderung der Vorfälle: "Auch wenn Tollwut lange als ausgestorben gilt, sicher wissen kann man es nie." Was sie noch als möglichen Grund für das Verhalten des Tieres anspricht, sei eine Erkrankung des Hirns. "Das kennen wir aus eigener Erfahrung von einem Hund. Das Tier hatte einen Tumor, der aufs Hirn gedrückt und den Hund total im Wesen verändert hat. Wir mussten ihn dann einschläfern lassen", sagt sie.

Martin Leffler, stellvertretender Amtsleiter des Veterinäramtes des Ilm-Kreises, zu dem Schmiedefeld bis zum 1. Januar gehörte, sagt auf Nachfrage zur Tollwut-Situation im Kreis: "Seit 2008 ist Deutschland offiziell tollwutfrei. Schon davor gab es seit Jahren keine Vorfälle mehr, auch nicht im Ilm-Kreis. Regelmäßig werden Füchse im Ilm-Kreis untersucht: Vier Füchse pro 100 Quadratkilometer, das macht 20 im Jahr. Das aktive Monitoring wird von den Jägern unterstützt. Bisher wurden keine tollwütigen Tiere gefunden."

Er rät, dass ein Mensch, der von einem Fuchs oder einem anderen verhaltensauffälligen Tier gebissen wird, umgehend zum Arzt gehen sollte. "Gut ist es auch, das Tier auf seinen Impfstatus prüfen zu können, wenn möglich. Außerdem sollten vor allem verhaltensauffällige Wildtiere stets dem Jäger bzw. dem Veterinäramt gemeldet werden. Über illegale Tier-Einfuhren kann nie ganz sichergestellt werden, ob Tiere einen entsprechenden Impfstatus haben. Viele Länder in Europa sind auch noch nicht tollwutfrei, und Tiere machen keinen Halt an Grenzen", so der stellvertretende Amtsveterinär.

Auch bei der Stadt Suhl wusste man am Mittwoch noch nichts von den Vorfällen. "Wir sind wirklich erschrocken, nehmen das sehr ernst und werden uns selbstverständlich sofort darum kümmern", so Sprecherin Ingrid Pabst auch im Namen des städtischen Ordnungsamtes. Jedoch, fügt sie hinzu, sei es wichtig, dass Betroffene bei solchen Fällen die Polizei, Bürgerberatung oder das Ordnungsamt informieren. "Denn nur wenn wir Kenntnis haben, können wir auch handeln", appelliert Ingrid Pabst. Das Ordnungsamt werde sich nun des Fuchs-Themas annehmen, sichert sie zu.

 
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Jennifer Brüsch

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Veröffentlicht am:
16. 01. 2019
22:21 Uhr

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Jennifer Brüsch

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16. 01. 2019
22:21 Uhr



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