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AWG-Chef: Niedrige Mieten sind schlecht für Mieter und Stadt Suhl

Der Chef der Suhler Wohnungsbaugenosschenaft AWG wirft der städtischen Gewo vor, zu niedrige Mieten zu verlange. Langfristig werde damit der Wohnungsbestand gefährdet.



Suhl - Rasant steigende Mieten in Großstädten sind ein Thema, das die öffentliche Diskussion bestimmt und Wahlen entscheidet. Auch die Suhler Mieter lässt die Debatte nicht kalt, obwohl die Situation in der größten Stadt Südthüringens völlig anders ist, wie verschiedene Leserzuschriften zeigen. Der Vorstandsvorsitzende der AWG Wohnungsbaugenossenschaft, Frank Brösicke hat nun am Beispiel der städtischen Gewo ausgerechnet, dass niedrige Mieten nicht unbedingt zu Mieterschutz führen. Das Gegenteil sei der Fall.

"Der Geschäftsführer der Gewo, Ralf Heymel, macht darauf aufmerksam, dass in Suhl trotz des massiven Abrisses von Wohnungen genügend preiswerter Wohnraum zur Verfügung steht", schreibt Brösicke. In der Gewo würden zwei Drittel aller Wohnungen zu weniger als fünf Euro pro Quadratmeter monatlicher Kaltmiete vermietet, was deutlich unter dem Landesdurchschnitt liege. Deshalb sei Anlass zur Sorge nicht gegeben.

"Ich bin hierzu ganz anderer Auffassung, da aus meiner Sicht niedrige Mieten schlecht für Mieter sind und einen gesunden Wohnungsmarkt gefährden", hält der AWG-Chef dagegen. Aus dem öffentlich einsehbaren Jahresabschluss der Gewo von 2016 (neueres war öffentlich nicht verfügbar) könne man Unternehmenszahlen entnehmen und Schlüsse ziehen. Die Gewo hatte 2016 rund 296 000 Quadratmeter Wohnfläche bewirtschaftet. Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten beliefen sich auf rund 90,7 Millionen Euro. Hieraus errechnet sich laut Brösicke bei einem angenommenen Kapitaldienst von sechs Prozent für Zins und Tilgung eine jährliche Belastung von rund 5,4 Millionen Euro, was rund 1,53 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche monatlich entspricht.

Für Personal und sonstige betriebliche Aufwendungen gab die Gewo 2,44 Millionen Euro aus, das sind rund 0,69 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche monatlich. "Rechnet man die Positionen zusammen ergibt sich hierfür ein Aufwand von 2,22 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche", meint der AWG-Vorstand.

2016 hat die Gewo Mieterlöse für die Kaltmiete von rund 14 Millionen Euro erzielt, was rund 3,94 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche monatlich entspricht. Die Differenz aus den tatsächlich erzielten Mieteinnahmen und dem zuvor genannten Aufwand bleibt einem Wohnungsunternehmen, um den Wohnungsbestand laufend ordentlich in Stand zu halten und immer wieder sich ändernden Bedürfnissen anzupassen.

Bei 3,94 Euro pro Quadratmeter Mieteinnahmen und 2,22 Euro pro Quadratmeter Mieteinnahmen Ausgaben für Kapitaldienst und Verwaltung bleiben rund 1,72 Euro pro Quadratmeter Mieteinnahmen für Instandhaltung, Instandsetzung und Modernisierung.

Die Gewo schreibt in Ihrem Risikobericht unter anderem, dass durch noch nicht ausreichende Budgets die Nachfrage nach bestimmten Wohnungsarten (kleine Wohnungen, hochwertige Wohnungen) nicht ausreichend befriedigt werden kann und zudem zusätzliche Kredite für die Herrichtung von Leerwohnungen aufgenommen werden müssen. Auch für größere Instandsetzungsmaßnahmen hat das Unternehmen 2016 rund 940 000 Euro an neuen Krediten aufnehmen müssen.

Wohnungsbestand leidet

"Dies zeigt, dass die aus den Mieteinnahmen verbleibenden Mittel für Instandhaltung, Instandsetzung und Modernisierung bei Weitem nicht ausreichen, um die Wohnungen dauerhaft in einem für die Mieter geeigneten guten Zustand zu halten", erklärt Brösicke.

Dies entspreche den Erfahrungen der Wohnungswirtschaft, nach denen monatlich mindestens zwei Euro pro Quadratmeter Mieteinnahmen an Instandhaltungsaufwendungen investiert werden müssen, um den Wohnungsbestand auf Dauer vermietungsfähig zu halten.

Bestehe ein Instandhaltungsstau oder stehen große Sanierungsmaßnahmen auf Grund des Alters der Bauteile an, muss diese Zahl eher noch deutlich höher sein. Die Explosion der Baukosten (in Thüringen zuletzt 5,5 Prozent pro Jahr) setzte da noch eins obendrauf. "Passt die Gewo die Mieten nicht weiter an die Kosten an, leidet hierunter der Wohnungsbestand, die Mieter und am Ende das Unternehmen und die Stadt Suhl!", meint Brösicke. oa

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Veröffentlicht am:
14. 01. 2019
13:50 Uhr

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