Lade Login-Box.
Corona Newsletter
Topthemen: Coronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilftFolgen Sie uns auf Instagram

Sonneberg/Neuhaus

Sonneberg näht seine Masken selbst

Sonneberg ruft seine Bürger auf Mund-Nasen-Schutz selbst zu schneidern. Neuhaus nutzt die Anleitung nun ebenfalls. Spielzeughersteller nähen nun ebenfalls Mundschutz statt Teddybären.



Selbstgemachter Mundschutz kann zwar nicht im Krankenhaus verwendet werden, aber wenn viele Menschen (Kranke wie Gesunde) so etwas tragen, wird die Verbreitung von Corona- und Grippeviren verlangsamt. Die Models Klarika Koly (links) und Verena Schmidl zeigen sich mit einfachen Modellen. Symbolfoto: Felix Hörhager/dpa
Selbstgemachter Mundschutz kann zwar nicht im Krankenhaus verwendet werden, aber wenn viele Menschen (Kranke wie Gesunde) so etwas tragen, wird die Verbreitung von Corona- und Grippeviren verlangsamt. Die Models Klarika Koly (links) und Verena Schmidl zeigen sich mit einfachen Modellen. Symbolfoto: Felix Hörhager/dpa  

Sonneberg/Neuhaus - "Wir wollen wirklich nichts unversucht lassen, um unsere Bevölkerung zu schützen und die Ausbreitung des Corona-Virus bei uns vor Ort zu verlangsamen", begründet der Sonneberger Bürgermeister Heiko Voigt eine durchaus auch in diesen Tagen außergewöhnliche Aktion.

Sonneberg will in den nächsten vier Wochen alle seine knapp 23 000 Einwohner mit einem Mund-Nasen-Schutz ausstatten. Das Besondere dabei: Nachdem es auf dem Markt kaum mehr Mundschutz zu kaufen gibt, sollen sich die Sonneberger einen provisorischen Schutz selbst schneidern. Dazu hat die Stadt auf ihrer Homepage eine Anleitung und ein Schnittmuster im 1:1-Format zum Download eingestellt.

>>> zum Schnittmuster-Download

Ein kurzfristig am Sonntagabend im Internet veröffentlichter Aufruf zu der Aktion wurden binnen weniger Stunden über 50 Mal geteilt und von mehr als 8000 Menschen gelesen. "Das hat uns natürlich sehr gefreut. Und so kam uns die Idee, aus der reinen Information zum Eigenschutz eine regelrechte Kampagne zu entwickeln", so Bürgermeister Voigt.

Denn zunächst wollte die Stadtverwaltung speziell für Beschäftigte in der mobilen und stationären Pflege sowie für pflegebedürftige Menschen eine Grundausstattung von 1 000 dieser wiederverwendbaren Mund-Nasen-Schützer produzieren lassen.

"Mit unserem heimischen Unternehmen Martin-Bären hatten wir auch einen Partner gefunden, der sofort zugesagt hat, die Produktion aufzunehmen", bedankt sich Voigt bei Juniorchefin Sina Martin für ihre sofortige Zusage und ihre tatkräftige Unterstützung der Aktion. "Vier Näherinnen von Martin-Bären schneidern seit Montag im Akkord und fertigen inzwischen 200 Mundschützer pro Tag", so das hochzufriedene Stadtoberhaupt.

Zusammen mit dem täglich zusammenkommenden städtischen Corona-Krisenstab wurde die Aktion nunmehr jedoch ausgeweitet und ein ambitioniertes Ziel ausgegeben: Bis Ostern soll jede und jeder Sonneberger zumindest einen Mund-Nasen-Schutz sein Eigen nennen und bestmöglich nur noch mit diesem Mundschutz ins Freie gehen. "Dann würden wir der schnellen Ausbreitung des Corona-Virus wieder etwas entgegensetzen", so Voigt.

Zusammen mit Beigeordnetem Christian Dressel und dem achtköpfigen städtischen Krisenstab hat er bereits seit über einer Woche Maßnahmen initiiert, um einen möglichst hohen Schutz der Bevölkerung und der eigenen Beschäftigten zu gewährleisten. So wurden in Sonneberg bereits Spielplätze und Einrichtungen geschlossen als man andernorts noch fleißig in Gruppen diskutierte. "Unser Kurs war schon immer, entschlossen zu handeln und voraus zu gehen", erläutert Voigt, "auch wenn das natürlich nicht immer allen gefällt".

Große Resonanz

Die Sonneberger scheinen diesen Weg jedoch ganz überwiegend mitzugehen. Wenn Voigt zum Beispiel in einem Video-Podcast dazu aufruft, jetzt doch endlich freiwillig zu Hause zu bleiben, so wird das binnen Stunden im Internet über 20 000 Mal gelesen und betrachtet und fast 300 Mal geteilt - bei knapp 23 000 Einwohnern mehr als beachtlich. Und in den gut 100 Kommentaren überwiegt ganz eindeutig die Zustimmung zu diesen "Maßnahmen der Vernunft".

Jetzt hoffen Bürgermeister Voigt und sein Krisenstab auf eine solidarische Gemeinschaftsleistung aller Sonneberger: "Natürlich können wir 25 000 Mundschützer nicht käuflich erwerben. Aber wenn jeder, der zuhause eine Nähmaschine hat, nach verwendbaren Stoffen schaut und für sich und sein persönliches Umfeld näht, dann sollte unser Ziel erreichbar sein." Zumal auch schon das Jobcenter und sein Partner P & S-Seminare Unterstützung angeboten haben. Weitere werden vielleicht folgen.

Bis Ostern soll die Aktion abgeschlossen sein. Und natürlich bietet die Stadt dabei Unterstützung an: Selbstgenähte Mund-Nasen-Schützer werden von der Stadtverwaltung mit Hygienespüler gewaschen und zunächst an ältere Mitbürger verschickt. 4500 Adressen liegen schon vor. Dazu sind Menschen mit viel Publikumskontakt eine erste Zielgruppe - seien es Beschäftigte im Lebensmitteleinzelhandel, Bus- und Taxifahrer, Lieferdienste und andere.

Nicht geeignet sind die selbst genähten Mundschützer sicher im medizinischen Bereich. "Wir sind uns der Grenze dieser Schutzmaßnahme natürlich bewusst", erläutert Beigeordneter Christian Dressel. Aber Fachleute sehen dies als probates Mittel an, wenn professioneller Mundschutz nicht zur Verfügung steht. Und für Privatbürger ist der Markt leergefegt. "Auf der Straße zum Einkaufen muss es auch gar kein Profi-Exemplar sein. Die sollten wir unseren Krankenhäusern, Ärzten und Rettungsdiensten überlassen, die absolut auf solchen Schutz angewiesen sind", so Dressel.

Jung und Alt

Und ein Blick ins Internet zeigt auch: Voigt und sein Team im Rathaus können sich auf ihre "Sumbarcher" verlassen. Ständig werden Fotos gepostet, wie Jung und Alt an der Nähmaschine sitzen und die verschiedenfarbigsten Mund-Nasen-Schützer schneidern. "Das ist gut für den eigenen Schutz und Balsam für die Seele, weil man doch erkennt: bei uns ist man sich nicht selbst der Nächste, sondern steht miteinander und füreinander ein. Ich bin stolz auf meine Sonneberger!" Bleibt zu hoffen, dass der Aktion auch der nötige Erfolg beschieden ist und die Grußformel "Und bleib gesund" in Erfüllung geht, heißt es aus dem Rathaus.

Aktion in Neuhaus

In Neuhaus werden auch Masken geschneidert, allerdings war der Start etwas verwirrend: "Wer kann helfen?" Mit diesen Worten beginnt ein Aufruf, der am Montagabend unter anderem in sozialen Netzwerken die Runde machte. Gefolgt von der Bitte: "Die Stadt Neuhaus am Rennweg sucht kochfeste DDR-Bettwäsche oder -Tischtücher zum Nähen von Mundschutz." Wer noch Schätze im Kleiderschrank findet, möge sich bitte - zuerst telefonisch - in der Stadtverwaltung melden. Auch über den Nachrichtendienst WhatsApp flackerte die Botschaft ein ums andere Mal innerhalb verschiedener privater Kontakte auf. Eine, die wohl so gar nicht beabsichtigt war - zumindest nicht im Sinne der Stadt selbst. Auf Nachfrage von Freies Wort bei Bürgermeister Uwe Scheler heißt es, dass dies nicht Intention der Stadt gewesen sei, sondern dass sich jemand außerhalb des Verwaltungskreises erlaubt habe, diese Nachricht in Umlauf zu bringen.

Wenn auch das gewiss nur gut gemeint gewesen sei, so könne die Stadt ein solches Vorhaben gar nicht schultern, so Scheler - allein angesichts dessen, was für ein enormer Zeit- und Arbeitsaufwand folgen würde, um die Mengen an Bettwäsche und Tüchern hygienisch in einen in Zeiten des Coronavirus verwendbaren Zustand zu versetzen.

Fakt ist: Die Stadt Neuhaus distanziert sich von dem Aufruf und hat inzwischen die zweiseitige Nähanleitung für einen Mund-Nasen-Schutz (MNS) von der Stadt Sonneberg auf ihrer Internetseite eingestellt - und zwar als "Hilfe zur Selbsthilfe", wie es auf der Homepage in rot-gedruckten Buchstaben steht. Ergänzt um den Passus: "Bitte beachten Sie: Dieser Mundschutz wird komplett selbst gefertigt, er ist weder geprüft noch zertifiziert. Er dient nur als sinnvolle Alternative, wenn keine MNS mehr zu bekommen sind. Die Herstellung und Benutzung ist eigenverantwortlich."

Die Anleitung zum Selbst-Schneidern und das Schnittmuster sind auf der Sonneberger Homepage im Bereich Corona-Virus. Zur Beantwortung von Rückfragen zu dieser Aktion hat die Stadtverwaltung die Mail-Adresse mundschutz@stadt-son.de eingerichtet.

>>> Mehr zum Thema

Autor

Redaktion
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
24. 03. 2020
13:44 Uhr

Aktualisiert am:
24. 03. 2020
16:48 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bevölkerung Bürger Coronavirus 19 Downloads Geheimdienste und Nachrichtendienste Internet Kommunalverwaltungen Lieferdienste Schutzmaßnahmen Spielzeughersteller Städte
Sonneberg Neuhaus
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Leere Räume in den Kitas des Landkreises - wie in der Einrichtung auf der Wehd - bestimmen ab Dienstag das Bild. Weil Kindergärten und Schulen von da an wegen der derzeitigen Coronavirus-Situation geschlossen bleiben, hat die Stadt Sonneberg entschieden, Eltern zumindest die finanzielle Last zu nehmen und die Erhebung der Kita-Gebühren vorerst auszusetzen. Fotos: Carl-Heinz Zitzmann (1), privat (1)

16.03.2020

Stadt Sonneberg legt Kita-Gebühren auf Eis

Bis auf Weiteres wird die Stadt Sonneberg keine Kita-Gebühren erheben. Eine Entscheidung, die am Wochenende gefallen ist. Und nicht die einzige im Zuge der Corona-Lage. Rathaus und Landratsamt bleiben nun dicht - ebenso ... » mehr

Die Schließung von Spielplätzen und Parks verfügte das Sonneberger Rathaus zu einem frühen Zeitpunkt. Zu weiteren Einschränkungen des öffentlichen Lebens wird es kommen, um den Erfordernissen des Schutzes vor Ansteckung Rechnung zu tragen, kündigt der Bürgermeister an und bittet hierfür schon vorab um Verständnis.

20.03.2020

Erste bestätigte Corona-Infektion im Landkreis Sonneberg

Bei drei Kreisbewohnern - einer Frau und zwei Männern - ist das neuartige Coronavirus nachgewiesen worden. Das Gesundheitsamt versucht nun weitere Kontaktpersonen zu ermitteln, um die Infektionskette kurz zu halten. » mehr

Wegen des Coronavirus ist der Zustieg zum Bus vorerst nicht mehr vorn beim Fahrer möglich. Foto: Carl-Heinz Zitzmann

13.03.2020

Corona zieht Kreise in Kitas, Schulen, Nahverkehr

Es geht ans Eingemachte: Sowohl der öffentliche Nahverkehr, als auch die Veranstaltungsorte, Kitas und Schulen stellen sich im Landkreis Sonneberg auf das herannahende Coronavirus ein. » mehr

Der Bebauungsplan für das Wohngebiet Waldstraße/Friedhofstraße in Neufang - im Dreieck zwischen Kleingartenanlage, Outdoor Inn und Feuerwehr - ist vom Stadtrat Sonneberg mehrheitlich beschlossen worden. Fotos: Zitzmann

31.01.2020

Gegenwind für Baugebiet auf Neufanger "Windinsel"

Die Stadt Sonneberg will potenzielle Häuslebauer rasch mit Grundstücken versorgen. Die Idee, 15 neue Einfamilienhäuser in Neufang zu platzieren, stößt auf Widerstand in Teilen der Bevölkerung. » mehr

Michael Peterhänsel zeigt ein Foto, wie regelgetreu die Leute andernorts anstehen bei ihm. Von daher hofft der Gemüse- und Obsthändler, dass die Stadt Sonneberg einlenkt und das aktuelle Verbot der Wochenmärkte in Bahnhofstraße und auf dem Piko-Platz wieder lockert. Fotos: Ittig

27.03.2020

Händlerappell: Stadt soll Abstand nehmen vom Verbot

Der Wochenmarkt in Sonneberg war am Donnerstag nur noch Sache zweier Händler. Und denen fehlt die Einsicht, warum in der Kreisstadt untersagt ist, was zum Beispiel in Steinach gängige Praxis bleibt. » mehr

Der Handschlag zur Begrüßung kommt in Zeiten der Infektionsvorbeugung ebenso unter Druck, wie die Begegnung von Menschen bei Konzerten, Partys oder Kabarettabenden. Das Foto zeigt eine Empfehlung, die aktuell am Einlass der Sonneberger Commerzbank-Filiale prangt. Foto: Zitzmann

12.03.2020

Krankheitsvorsorge legt Kulturleben lahm

Das Landratsamt verfügt zum Schutz vor Infektionen ein Verbot für Veranstaltungen mit mehr als 500 Menschen. Und auch die Macher kleinerer Partys haben harsche Auflagen zu beachten. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Sperrung vor Neustadt am Rennsteig Neustadt am Rennsteig

Sperrung Neustadt am Rennsteig | 23.03.2020 Neustadt am Rennsteig
» 4 Bilder ansehen

Brand in Katzhütte Katzhütte

Brand Katzhütte | 23.03.2020 Katzhütte
» 4 Bilder ansehen

inbound3887575027251749210

#Ichbleibdaheim |
» 8 Bilder ansehen

Autor

Redaktion

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
24. 03. 2020
13:44 Uhr

Aktualisiert am:
24. 03. 2020
16:48 Uhr



^