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Sonneberg/Neuhaus

Ramelow und sein "Großer Fränkischer Plan"

Der Fränkische Bund kämpft für ein eigenes Bundesland zwischen Rennsteiggipfeln und Donaustrand. Seine Jahresehrung wurde nun dem Thüringer Ministerpräsidenten angeheftet.



Der Sonneberger Bürgermeister Heiko Voigt, Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow und der Bürgermeister von Neustadt, Frank Rebhahn (von links) haben am Mittwoch die Frankenmedaille für ihren Einsatz beim Tag der Franken in diesem Jahr und ihr generelles Eintreten für die fränkische Sache erhalten. Im Hintergrund schaut Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha aus dem Gemälde - sein Reich lag ebenfalls auf dem Gebiet des heutigen Thüringen und Bayern. Foto: ari
Der Sonneberger Bürgermeister Heiko Voigt, Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow und der Bürgermeister von Neustadt, Frank Rebhahn (von links) haben am Mittwoch die Frankenmedaille für ihren Einsatz beim Tag der Franken in diesem Jahr und ihr generelles Eintreten für die fränkische Sache erhalten. Im Hintergrund schaut Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha aus dem Gemälde - sein Reich lag ebenfalls auf dem Gebiet des heutigen Thüringen und Bayern. Foto: ari  

Erfurt/Sonneberg - Der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke), Sonnebergs Bürgermeister Heiko Voigt (CDU) und der Neustadter Bürgermeister Frank Rebhan (SPD) sind am gestrigen Mittwoch mit der diesjährigen Frankenmedaille ausgezeichnet worden. Die Ehrung durch den Fränkischen Bund fand im barocken Prunk der Kurmainzische Statthalterei in Erfurt statt, die heute die Thüringer Staatskanzlei und damit Ramelows Amtssitz beherbergt.

Dass sich die Sonneberger - zum größten Teil - dem Fränkischen irgendwie verbunden sehen und ihre Herkunft in der Mundart auch nicht verheimlichen können, steht außer Frage. Aber wie steht es um Bodo Ramelow, der in Oosterholt-Scharmbeek und damit im nordöstlichen Niedersachsen das Licht der hochdeutschen Welt erblickte? Offensichtlich ist er schon länger vom Frankenvirus infiziert und ein Beweis für die Theorie, dass jedermann mit gutem Willen Franke werden kann.

Neues Bundesland

Vor fast drei Jahren stand er in Südthüringens größter Veranstaltungshalle und verkündete seinen "GFP - Großen Fränkischen Plan". Das war zum politischen Aschermittwoch im Congress Centrum Suhl, zu dem Ramelow für gewöhnlich als der Kleinkriminelle Egon Olson reüssiert. Im Jahr zuvor hatte er den großen Sprung mit der Gebietsreform auf selbiger Bühne unters Volk gebracht, nun wollte er ihn erklären.

Die Gebietsreform sei nur sein Ablenkungsmanöver für den Großen Fränkischen Plan, berichtete er dem lachenden Publikum. Mit der FFFB - der Freiwillig Fränkischen Freiheitsbewegung - verfolge er Großfranken. Er wolle vorrücken bis Frankenfurt und Europa neu denken. Warum er dafür nach Barcelona fahren und mit den separatistischen Katalanen rede, wolle er ein andermal erklären.

Mit der Thüringer Gebietsreform ist es bekanntermaßen gar nichts geworden. Den Ruhm dafür hat sich zwar die oppositionelle CDU ans Revers geheftet, aber wahrscheinlich schmückt sie sich da mit fremden Federn. Ramelow hat zum politischen Aschermittwoch möglicherweise gar nicht im Scherz, sondern im vollen Ernst gesprochen. Ein Blick auf die Internetseite des Fränkischen Bundes unterstützt diese karnevalistische Vermutung.

Unter den Vereinszielen in der Satzung heißt es noch recht zivil: "Im Rahmen einer entstehenden oder sich ergebenden gesamtstaatlichen Entwicklung hin zu einer Neugliederung des Bundesgebietes gemäß Art. 29 Grundgesetz wird die Bildung eines Bundeslandes Franken angestrebt." Dazu gehören für den Verein Südthüringen genauso wie Teile Baden-Württembergs.

Die Besatzungsmacht

In den Pressemitteilungen ist zu dem Thema etwas mehr Würze. Verurteilt werden vermeintliche separatistische Tendenzen der Oberbayern, die die Bundesrepublik hinter sich lassen könnten. Die Gegenoffensive: "Wenn es so weitergeht, werden wir Franken als ewiges deutsches Kernland uns entscheiden müssen, ob wir unseren deutschen Pass behalten dürfen oder mit unserer ‚bayerischen Besatzungsmacht‘ Deutschland verlassen müssen. Gestoppt werden kann das dann einzig und alleine mit einem neuen Volksbegehren nach Art. 29 des Grundgesetzes, das ein Bundesland Franken als Ziel hat."

Nun ja, mit Besatzungsmächten haben die Südthüringer und die Sonneberger im Besonderen ja Erfahrungen bis 1989 und können sich nun bildhaft ausmalen, was die armen Franken im Nachbarbundesland durchmachen müssen.

Es ist die ganz große Bayern-Verschwörung, die der Fränkische Bund enttarnt hat: "Speziell in Bayern bemühen sich die mächtigen und einflussreichen Kräfte wie Staatsregierung, Bayerischer Rundfunk und Fernsehen, Antenne Bayern und ein Teil der Supermarktketten usw. uns weiszumachen, unsere Heimat sei Bayern." Erfolg haben die Feindsender damit offensichtlich nicht.

Eine Unterschriftensammlung soll den Bayerischen Rundfunk und hier besonders das Fernsehen zu mehr Berichten über Franken verpflichten. "Bundesweit muss der Eindruck entstehen, dass Franken recht klein und unbedeutend sein muss, wenn man derart wenig von dieser Region hört", ist ein Klagepunkt.

Ärger um Beutekunst

Mit der unterdrückten fränkischen Kultur ist so einiges nicht im Reinen, meint der Bund. Da wäre das leidige Thema Beutekunst mit der eigenen Internet-Rubrik "Beutekunst aus Franken". Nach 1806 (Napoleon macht Bayern zum Königreich und verschachert Franken an die Wittelsbacher) wurde Franken demnach vieler seine Kulturschätze beraubt. Seitdem schlummerten diese in Archiven in Altbayern oder würden oftmals in "bairisch umetikettiert" ausgestellt.

Die Südthüringer kennen sich auch mit dem Thema Beutekunst aus, allerdings sind ihre Verluste wie die herzogliche Bibliothek aus Meiningen irgendwo in den russischen Weiten verschollen. Im Museum für Thüringer Volkskunde Erfurt stammt allerdings die gefühlte Hälfte der Exponate aus dem fränkischen Südthüringen und wurde auf thüringisch umetikettiert.

"Gehören zusammen"

Während die Südthüringer aber stolz sind, dass ihre Schätze auch in Erfurt präsentiert werden, fordert der Fränkische Bund die "Rückführung fränkischer Kulturgüter", alles in allem 2500 Kunstschätze. Die Erfolge sind überschaubar, weil Verräter dergroßfränkischen Sache überall lauern, nicht zuletzt im bayerischen Landtag.

Eine Lösung all der drängenden Probleme lässt sich wohl tatsächlich erst in einem eigenen Bundesland Franken erreichen. Aber dann wird es eng für Thüringen, weil ab dem Rennsteig Freistaatsgrenze ist. Apropos Freistaat, der Titel, mit dem sich sowohl Bayern als auch Thüringen schmücken: Vor nicht allzu langer Zeit verteilte der Fränkische Bund Aufkleber mit dem Spruch "Frei statt Bayern". "Frei statt Thüringen", ist gegenwärtig nicht geplant. Ramelow bietet dafür auch keine Angriffsfläche. "Die Franken gehören zusammen", sagte er auf dem Tag der Franken, der in diesem Jahr Neustadt bei Coburg und Sonneberg stattfand. Söder hatte kurzfristig abgesagt.

Auch sonst haben der Linke Ramelow und die Frankenbündler viel gemeinsam. Das Freihandelsabkommen mit dem größten Käufer deutscher Waren, die USA, wird als "Angriff auf unsere gewachsene fränkische Lebensart" abgelehnt. Präsident Trump - ganz auf Frankenlinie - hat es schließlich beerdigt. In der Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg engagiert sich der Fränkische Bund auch.

Am Ende plant Ramelow gar, erster Ministerpräsident des künftigen Bundeslandes Franken zu werden. Mit allen Ehren wurde er schon vor zwei Jahren von goldbetressten Bürgermeistern bei seinem ersten offiziellen Staatsbesuch in Coburg empfangen. Aber das erklärt er vielleicht auf dem nächsten politischen Aschermittwoch - sofern er da nicht immer noch mit der Regierungsbildung nach den Wahlen in Thüringen beschäftigt ist.

Autor

Olaf Amm
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
10. 10. 2019
19:20 Uhr

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Olaf Amm

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Veröffentlicht am:
10. 10. 2019
19:20 Uhr



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