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Sonneberg/Neuhaus

Orkan lässt den Feuerwehrlern kaum Zeit für eine Atempause

Blaulichtgewitter und Sirenengeheul gehörten dazu, als "Sabine" durchs Sonneberger Land fegte. Allerorten machten sich in den frühen Morgenstunden des Montags Feuerwehrler daran, die windigen Folgen des Sturmtiefs in den Griff zu bekommen.



Dem Wind nicht viel entgegenzusetzen hatte dieses Blechdach eines Gebäudes auf Höhe der Alten Schule in Jagdshof. Fotos: Bauer (2)/Ittig (1)/Feuerwehr Steinach (2)
Dem Wind nicht viel entgegenzusetzen hatte dieses Blechdach eines Gebäudes auf Höhe der Alten Schule in Jagdshof. Fotos: Bauer (2)/Ittig (1)/Feuerwehr Steinach (2)   » zu den Bildern

Sonneberg/Neuhaus am Rennweg - "Um vier Uhr ging es los, da war die Nacht vorbei", sagt Mathias Nüchterlein. Querbeet im Landkreis machten sich im Morgengrauen Einsätze der Freiwilligen Feuerwehren notwendig. In Neuhaus, so schildert der Kreisbrandinspektor, musste einem Autofahrer aus der Patsche geholfen werden, der auf der Landstraße zwischen Cursdorf und Rennsteigstadt unterwegs war. Der Mann war mit seinem Fahrzeug in einen vom Wind gefällten Baum gerauscht. Derweil die Neuhäuser die Straße frei machten, ging‘s für den Fahrer zur Behandlung seiner Blessuren ins Krankenhaus. In besonderem Maß gefordert war die Stützpunktfeuerwehr Steinach. Sowohl in Richtung Mengersgereuth-Hämmern wie in Richtung Lauscha war man zugange, Äste und Bäume beiseite zu schaffen. Gleich zweimal wurde die Motorsäge an der Straße zum Silbersattel ausgepackt, weil geborstene Fichten die Zufahrt blockierten. Ein halbes Dutzend Einsätze bilanzierte Steinachs Stadtbrandmeister Holger Jacob am frühen Nachmittag. Dazu zählte eine Fahrt mit der Drehleiter nach Haselbach, wo ein Baum in eine Stromleitung gefallen war. Nachdem der Energieversorger den "Saft" abgeklemmt hatten, konnten die Steinacher Kleinholz machen.

Vom Sturmtief um ihre Nachtruhe gebracht sahen sich die Spechtsbrunner, die im Oberland mit vielen Baumsperren zu kämpfen hatten. In den Bergdörfern der Föritztal-Gemeinde bot sich das identische Szenario, so Nüchterlein. "Baum auf der Straße, Baum auf einer Garage. Immerhin hat das alles nicht jedes Mal Stunden gedauert. Für eine Orkanwarnung gerade noch im normalen Bereich."

Die Judenbacher und Jagdshofer waren um 4.45 Uhr von der Rettungsleitstelle zum ersten Mal angefordert worden, weil in der Siedlungsstraße ein Baum die Straße versperrte. Zwei Stunden später ging’s nach Heinersdorf, wo Bäume auf einen Garagen-Trakt gestürzt waren. Kurz vor 8 Uhr machte sich hernach die Beseitigung einer Gefahrenstelle im Ortskern von Heinersdorf notwendig. Zeit zum Verschnaufen? Blieb nicht. Schon 20 Minuten später folgte der vierte Alarmruf. Zwischen Heinersdorf und Jagdshof war ein Baum von der Straße zu holen. Um 8.30 Uhr führte die Blaulicht-Tour nach Jagdshof, wo auf Höhe der ehemaligen Schule der Sturm ein Blechdach heruntergerissen hatte. Die umherf liegenden Teile mussten gesichert und teilweise zerlegt werden.

Hochregallager gebeutelt

Nicht nur als Dachdecker oder Sägewerker, auch als Reinigungstrupp schoben die Freiwilligen eine Sonderschicht. So hatte es am Ortsausgang von Hüttengrund Geröll auf die Straße gespült. Derweil die Hüttengrunder ebenerdig Hand anlegten, ging es für die Schalkauer hoch hinaus. So half die Stützpunktfeuerwehr aus dem Schaumberger Land in Eisfeld aus. In der Braugasse fuhr gegen 10.30 Uhr die Drehleiter vor. Konkret mussten bei einem Haus lose Schindeln, die auf den Gehsteig zu fallen drohten, festgeklopft werden. Noch ein zweites Mal war Eisfeld erste Adresse für Schalkaus Feuerwehrler - nachdem ein Baum auf ein Gebäude gerumst war, brauchte es wiederum die schwere Technik aus der Nachbarstadt um der Folgen des "Sturm-Angriffs" Herr zu werden.

Zwei umgestürzte Baumstämme am Isaak hielten ein Dutzend Feuerwehrler aus Mengersgereuth-Hämmern in Atem. Um 4 und um 5 Uhr in der Früh rückten die Freiwilligen aus, um die Hindernisse zu beseitigen. Zeitweise war die B 89 wegen der Aufräumarbeiten gesperrt. Generell blieben die Mengersgereuther vom Wind aber eher verschont, da der Ort ja im Tal liege, so der Eindruck von Wehrführer Marcus Schneider.

Die Feuerwehr aus Sonneberg-Mitte hatte ihre Begegnung mit "Sabine" gegen 13.30 Uhr in Rottmar. Dort hatte der Wind derart an der Fassade des Hochregallagers eines Kunststoff-verarbeitenden Betriebs gerüttelt, dass Teile der Blech-Verkleidung nur noch lose herabhingen. Wie Kreisbrandmeister Florian Eichhorn schildert, erwies es sich für die Feuerwehrler im Korb der Drehleiter letztendlich als zu riskant, die schweren Platten provisorisch gegen einen Absturz sichern zu sollen. Da die Verkleidung noch einigermaßen am Gebäude verankert erschien, beließ man es in Absprache mit der Betriebsführung dabei das unmittelbare Umfeld dicht zu machen und rückte zum nächsten Einsatz ab. "Wenn der Sturm nachlässt, muss sich halt der Betrieb kümmern seine Fassade wieder professionell zu befestigen", so Eichhorn. Das Zwischenfazit des Katastrophen schützers aus dem Landratsamt lautete um 15 Uhr wie folgt: "Viele Einsätze, sehr viele Baumsperren, aber nur überschaubarere Sachschäden - und keine Verletzten. Das ist auch das Wichtigste."

Erst Wind, dann Schnee

Das Zusammenspiel von Orkan, ausgefallenen Zügen, Ästen auf der Straße und massenhaft umgefallenen Mülltonnen hatte Rüdiger Manig vor Augen, als er sich morgens von Ernstthal aus zu seinem Arbeitsplatz nach Neuhaus aufmachte. Der Chef der DWD-Wetterwarte auf dem Bornhügel spricht nach der Datenschau von einer Windgeschwindigkeit deutlich über hundert Kilometer in der Stunde gegen vier Uhr. Im Laufe des Vormittags immerhin sackte das Tempo von Stufe elf auf neun ab.

Heftige Böen, die punktuell durch die Landschaft fegten, wird es gleichwohl noch den ganzen Tag über gegeben haben. Auf wechselhaftes Wetter werden sich die Bewohner des Kammwegs auch in den kommenden Tagen einzustellen haben, kündigt er an. So folgt dem Sturm eine Kaltfront, die dem Rennsteig bereits am Montagnachmittag Graupel- und Schneeschauer bescherte. "Um die 20 Zentimeter Neuschnee werden bis Freitag zusammenkommen", schätzt der Meteorologe. "Das ist dann das elfte Mal, dass der Winter einen Anlauf macht." Beim Versuch wird es bleiben, ist Manig überzeugt. Eine Prognose, wonach "Sabine" in ihrem stürmisch-nassen Schlepptau den Winter dauerhaft ins Land bringen wird, mag er ausdrücklich nicht abgeben.

Autor

Moritz Bauer, Andreas Beer, Cindy Heinkel
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Veröffentlicht am:
10. 02. 2020
16:50 Uhr

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Moritz Bauer, Andreas Beer, Cindy Heinkel

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Veröffentlicht am:
10. 02. 2020
16:50 Uhr



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