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Sonneberg/Neuhaus

Händlerappell: Stadt soll Abstand nehmen vom Verbot

Der Wochenmarkt in Sonneberg war am Donnerstag nur noch Sache zweier Händler. Und denen fehlt die Einsicht, warum in der Kreisstadt untersagt ist, was zum Beispiel in Steinach gängige Praxis bleibt.



Michael Peterhänsel zeigt ein Foto, wie regelgetreu die Leute andernorts anstehen bei ihm. Von daher hofft der Gemüse- und Obsthändler, dass die Stadt Sonneberg einlenkt und das aktuelle Verbot der Wochenmärkte in Bahnhofstraße und auf dem Piko-Platz wieder lockert. Fotos: Ittig
Michael Peterhänsel zeigt ein Foto, wie regelgetreu die Leute andernorts anstehen bei ihm. Von daher hofft der Gemüse- und Obsthändler, dass die Stadt Sonneberg einlenkt und das aktuelle Verbot der Wochenmärkte in Bahnhofstraße und auf dem Piko-Platz wieder lockert. Fotos: Ittig   » zu den Bildern

Sonneberg - Die Ausgangssituation am heutigen Samstag wird diesselbe sein, wie vergangene Woche. Derweil der Wochenmarkt in Steinach so normal, wie es in Pandemie-Zeiten halt möglich ist über die Bühne geht, beharrt die Stadt Sonneberg für ihren Verantwortungsbereich darauf das Treiben abzusagen.

Das Ergebnis der Kontrollen: Spielhallenbetrieb untersagt, Kneipenrunde aufgelöst

Die Zahl der bislang festgestellten Verstöße gegen den Landes-Erlass und die Allgemeinverfügung des Landratsamtes bleiben rund um Sonneberg eher übersichtlich. So stellt Kreissprecher Michael Volk an den Anfang einer diesbezüglichen Nachfrage von Freies Wor t zunächst ein Lob: "Mein Dank geht an die sehr vielen Mitbürger, die eine Einsicht haben in die außergewöhnlichen, schmerzlichen aber auch notwendigen Eingriffe in die persönliche Freiheit." Umgesetzt wird die Überwachung von der Polizei - die ist mit zwei Beamten im Wechsel ständig im Krisenstab des Landratsamtes vertreten - und von Kräften der kommunalen Ordnungsämter. "Die ein oder andere private Feier" sei beendet worden, fasst Volk zusammen. Im Schaumberger Land musste sich ein Tankstellenbesitzer belehren lassen, dass er zwar weiter Treibstoff verkaufen darf, weil das zur Grundversorgung gehört, den Spielhallenbetrieb in einem Hinterzimmer aber zu beenden hat. Ebenfalls im Schaumberger Land hatte ein Gastwirt einigen Stammgästen ein Beisammensein erlaubt. "Weil sich die Leute bis auf Kuscheldistanz nahe kamen, hat die Polizei die Runde aufgelöst und die Leute nach Hause geschickt. Es handelt sich dabei um einen klaren Verstoß. So etwas darf zurzeit nicht sein", so Volk und wiederholt: "Es gilt das Kontaktverbot. Wir wollen hier keine italienischen Verhältnisse." Ob es für die Ertappten bei einer Ermahnung geblieben ist oder ob nun ein Bußgeldverfahren anhängig ist, ließ der Behördensprecher offen. Dieser verweist ansonsten auf die Homepage des Landkreises. Dort wird ständig aktualisiert, welche Erlasse und Verfügungen neu herausgegeben wurden. Wie berichtet, hat das Land nachgelegt. Seit Freitag beispielsweise ist der Eis-Straßenverkauf untersagt, auch Fahrschulen müssen ihren Unterricht aussetzen. "Sich auf dem Laufenden zu halten, ist von daher keine vertane Zeit", so Volk.

Die Regeln, die das Land und hierauf aufbauend der Kreis in ihren Verfügungen vom 19. März geregelt haben für Grüne Märkte, waren eindeutig, verlautbarte das Rathaus am 20. März: "Hierzu zählen strenge hygienische Bedingungen, eindeutige Abstandsregelungen zwischen Besuchern sowie zwischen Verkäufern und Kunden sowie ein Verbot des Zutritts von offensichtlich erkrankten Personen zu Marktveranstaltungen. Der Wochenmarkt am 20. März auf dem Bahnhofsplatz hat deutlich gezeigt, dass diese Vorgaben von den Markthändlern trotz all ihrer Bemühungen nicht durchgesetzt werden können." Entsprechend (Freies Wort vom 21. März) untersagte die Verwaltung die Durchführung dienstags auf dem Piko-Platz und donnerstags auf dem Bahnhofsplatz - um Händler, Bevölkerung und Rathaus-Bedienstete zu schützen, so Stadtsprecher Stefan Hinterleitner.

 

Diesen Donnerstag nun war es zumindest noch zwei Anbietern leidlich gestattet, ihre Ware an den Mann und die Frau zu bringen. Wobei vorab die Stadt Vorgaben machte, wonach Fleischer- und Gemüsehändler nicht über Stunden hinweg an einem Platz verharren dürfen, sondern zwingend alle 15 oder 20 Minuten in der Bahnhofstraße den Standort zu wechseln haben.

"Absolute Ungleichheit"

Seinem Ärger über solch enge "Leitplanken" für den ambulanten Handel machte Obst- und Gemüseverkäufer Michael Peterhänsel am Donnerstag Luft: "Aus anderen Gemeinden bekommen wir höchstens besorgte Anrufe aus den Rathäusern, ob wir auch wirklich weiterhin kommen zum Markt und die Leute versorgen. Nur hier in Sonneberg wird uns das Leben so schwer gemacht."

Der Verkäufer aus Tirschenreuth legt Wert auf die Klarstellung, Donnerstag vor einer Woche hätten auf dem Rathausvorplatz keineswegs alle Anbieter gepatzt: "Nur einer, der eher hobbymäßig unterwegs ist, hat sich um nix geschert." Ihn selbst als allzu unbesorgt hinzustellen, dagegen verwahrt er sich. Zum Beweis zählt der Oberpfälzer seine Bemühungen auf, um dem Infektionsschutz Rechnung zu tragen. So hat er sich einen "Schnützlappen" über Mund und Nase gezogen, dazu wird jede Gurke und Kartoffel von ihm nur mit Gummihandschuhen angefasst und eingetütet. Ein Schild fordert die Kunden auf einzeln heranzutreten. Und da Peterhänsel den Wetterschutz seiner rollenden Theke heruntergelassen hat, findet jeder Bananen-Deal unter abgeschirmten Verhältnissen statt. Dazu kommt der beschilderte Ein- und Ausgang in der Durchgangsschleuse obendrauf.

"Ich verstehe das Rathaus nicht. Sogar den Discountern hat man ein paar Tage Zeit gegeben, sich auf die Lage einzustellen. Und dass es im Supermarkt hygienischer zugehen soll? Mit den verkeimten Einkaufswägelchen oder den nicht desinfizierten Plastikkörben mit versifftem Griff? Das kann mir keiner erzählen." Kein Apfel könne umgekehrt bei ihm einfach so angetatscht werden. Fremdverpackungen gibt‘s ebenso wenig. Illusorisch sei allein die Vorstellung, die Händler könnten kontrollieren, ob einer ihrer Kunden mit einer Erkältung auf dem Platz herumsteht - "es handelt sich immer noch um ein Virus. Meines Wissens sieht man das nicht und schmeckt man’s nicht. Ich sehe auch nicht, dass Rewe, Lidl oder Edeka Kranke aussortieren würden. Es ist die absolute Ungleichbehandlung." Letztlich bittet der Mann um ein Einlenken des Sonneberger Rathauses, was die Wochenmärkte angeht. Mehrfach habe der in den letzten Tagen in der Verwaltung angerufen und ein Gespräch erbeten. "Nach all den Jahren, die wir jetzt in Sonneberg vertreten sind, wäre’s nett gewesen, wenn mich Mal der Bürgermeister oder sein Stellvertreter zurückruft. Ich weiß, dass die eine Menge um die Ohren haben. Aber fünf Minuten müssen doch drin sein."

Autor

Andreas Beer
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Veröffentlicht am:
27. 03. 2020
17:18 Uhr

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Andreas Beer

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Veröffentlicht am:
27. 03. 2020
17:18 Uhr



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