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Sonneberg/Neuhaus

Für Lehrlinge beschaffen die Firmen nun sogar die Wohnung

Es sind goldene Zeiten für Schulabgänger: Lehrstellen gibt es reichlich. In der Rennsteigregion ist die Situation mittlerweile dramatisch - und zwar für die Firmen.



Jede Chance zur Werbung wird genutzt: Betriebsbesichtung bei RS Siebdruck am Samstag zum Fichtig-Fest in Spechtsbrunn.
Jede Chance zur Werbung wird genutzt: Betriebsbesichtung bei RS Siebdruck am Samstag zum Fichtig-Fest in Spechtsbrunn.   Foto: Steffen Ittig

Sonneberg/Neuhaus - Seit Beginn des Ausbildungsjahres wurden der Südthüringer Arbeitsagentur 2673 Ausbildungsstellen, lediglich fünf oder bescheidene 0,2 Prozent mehr als im Vorjahr gemeldet. "1448 davon - das sind mehr als die Hälfte aller Ausbildungsstellen - zählen derzeit noch als unbesetzt", erklärt Wolfgang Gold, Vorsitzender der Geschäftsführung der regionalen Arbeitsagentur. Damit stieg die Anzahl unbesetzter Stellen im Vergleich zum Vorjahr nur geringfügig um sechs.

Auf der Ausbildungsbewerberseite dagegen dominiert ein Rückgang der Bewerberzahlen. Insgesamt 2059 Bewerber für Berufsausbildungsstellen - das sind 80 Stellen oder 3,7 Prozent weniger als im Vorjahr - wurden seit Beginn des Ausbildungsjahres bei der Agentur für Arbeit erfasst. "Hier verzeichnen wir nur noch 645 unversorgte Bewerber. Das ist ein Rückgang um 46 Personen oder 6,7 Prozent zum Vorjahr", informiert der Agenturchef.

Ein Blick in die Region Sonneberg offenbart die spürbaren Unterschiede: "In der Region Sonneberg liegen stabile Bedingungen für die Ausbildungsbewerber vor. Jeden Bewerber erwarten 1,2 offene Stellenangebote. Dazu kommen noch die Angebote im heimischen Pendlerbereich Hildburghausen und auf der Coburger und Kronacher Seite", erklärt der Agenturchef. Das sind die rechnerischen Gesamtzahlen.

Aber: Im Landkreis Sonneberg sank das Ausbildungsstellenangebot moderat um 16 Stellen oder 4,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 328 Angebote. 202 Stellen davon sind noch unbesetzt. Dem gegenüber stehen 271 Bewerber, also acht weniger als im Vergleichszeitraum. Nur noch 94 von ihnen zählen als unversorgt, das sind sieben weniger als ein Jahr zuvor. Jeder unversorgte Bewerber hat damit mehr als zwei unbesetzte Ausbildungsplätze theoretisch zur Auswahl.

Neuhaus strahlt aus

Dazu kommt erschwerend der regionale Aspekt im Landkreis durch die Region Neuhaus/Lauscha/Spechtsbrunn: Auch wenn der Ausbildungsmarkt im Landkreis Sonneberg auf dem ersten Blick noch relativ ausgeglichen ist, sind die Spannungen im Oberland rund um Neuhaus nicht zu verleugnen. Auf zwei Schulen vor Ort mit wenigen Schulabgängern kommen schier unzählige Ausbildungsangebote. "Die Region Neuhaus strahlt über ihre Grenzen als Ausbildungs- und Arbeitsplatzmagnet aus. Mit gemeinsamen Messen vor Ort und in den angrenzenden Regionen werben Unternehmen wie Arbeitsagentur für eine Standortentscheidung in unsere Region", sagt Gold zur Lage vor Ort.

Unternehmen haben es schwerer Lehrlinge anzulocken: "Für Azubis und Praktikanten aus ferneren Regionen unterstützen wir die Wohnungssuche ", bestätigt Andrea Köhler vom Glaswerk Ernstthal. Rund um Neuhaus am Rennweg ist der Arbeitsmarkt hart umkämpft. Insbesondere im Glas- und Kunststoffsektor buhlen viele Unternehmen um die Gunst des zukünftigen Beschäftigten. Gebraucht werden viele Lehrlinge: Gesucht werden besonders Elektroniker und Mechatroniker.

Die Katze im Sack bei einer Einstellung will man im Glaswerk nicht riskieren: "Wir lernen unseren Nachwuchs vorab über ein oder mehrere Praktika kennen. Darin erkennen wir Stärken, Einsatzmöglichkeiten oder Hindernisse in der zukünftigen Zusammenarbeit", so Köhler. Danach steht einer gemeinsamen Zukunft in der Glasfertigung aus Südthüringen nichts im Wege. Derzeit sind knapp 20 Lehrlinge im Glaswerk Ernstthal in Ausbildung. Es bleibt aber bei einem grundsätzlichen Überangebot an Ausbildungsstellen. "Keiner muss Südwestthüringen wegen einer Ausbildungsstelle verlassen", bleibt dennoch Golds Appell an die Ausbildungsstellenbewerber.

Für eine erfolgreiche Ausbildungsplatzbesetzung ist es jedoch notwendig, sich auf die tatsächlichen Bedürfnisse zu konzentrieren. "Wir bitten daher alle Ausbildungsplatzbewerber, die bereits einen Ausbildungsvertrag in der Tasche haben, sich als versorgt abzumelden. Ebenso benötigen wir eine zeitnahe Rückmeldung von den Unternehmen, wenn ein Ausbildungsplatzbewerber für eine offene Stelle gefunden wurde", appelliert Gold an Bewerber wie Unternehmen.

Wenn der Bewerber grundsätzlich passt und motiviert ist, steht einem Start nichts im Wege. Was aber tun, wenn mit dem Start Schwierigkeiten erkennbar werden?

Hilfe in der Schule

Mit ausbildungsbegleitenden Hilfen unterstützt die Agentur für Arbeit das Unternehmen und den Azubi. Langfristig werden die Fähigkeiten der jugendlichen Nachwuchskräfte verbessert. "Die Leistungsergebnisse verbessern sich und wir können damit sogar einen eventuellen Ausbildungsabbruch des Lehrlings abwenden. Aber auf die lange Bank schieben darf man das nicht", erklärt Gold. Schnelles Erkennen von Defiziten und der Einsatz von ausbildungsbegleitenden Hilfen sichere die Zukunft für Unternehmen und Mitarbeiter. Hilfreich sei hier der Ehrgeiz mancher Azubis bessere Prüfungsnoten zu generieren.

"Die Teilnahme ist für Betrieb und Auszubildende kostenfrei, da die Finanzierung über die Arbeitsagentur erfolgt", ist Golds weiteres Argument. Die Ausbildungszeit leide nicht darunter. Der Unterricht findet nach Absprache mit dem Lehrling und dem Ausbildungsbetrieb statt, im Regelfall drei bis acht Stunden pro Woche bei einem Bildungsträger und außerhalb der Arbeitszeit. Neben erfahrenen Ausbildern und Lehrkräften begleiten Sozialpädagogen den Stützunterricht. "Wir müssen nur vom Betrieb oder Jugendlichen angesprochen werden", so Gold, dann werden man alles Weitere in Bewegung setzen.

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Veröffentlicht am:
22. 07. 2019
11:16 Uhr

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22. 07. 2019
11:16 Uhr



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