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Sonneberg/Neuhaus

Fiktives Interview mit den "Sumbarcher Säu"

Die "Sumbarcher Säu" - sieben kleine Schweinchen aus der Spielzeugstadt Sonneberg - sind Stars im Streichelgehege des Tierparks in der Suhler Schweiz. Freies Wort sprach mit ihnen vor dem großen Fest zum 50-jährigen Tierparkjubiläum am Sonntag, 4. August.



Am Schwanz kann man erkennen, wie die Minischweine aus Neufang sich in Suhl fühlen.
Am Schwanz kann man erkennen, wie die Minischweine aus Neufang sich in Suhl fühlen.   Foto: Ari
Eisfeld war Schuld

Warum haben die Spielzeugstädter den Spitznamen "Sumbarcher Säu" erhalten? Eine Geschichte führt zum Eisfelder Bahnhof in der guten alten Zeit unter dem Theaterherzog Georg II mit seinem riesigen Vollbart, der damals über ganz Südthüringen herrschte.

Eine Eisfelder Schweinehändler fuhr regelmäßig mit dem Zug nach Sonneberg, um dort seine Ferkel an den Mann zu bringen. Die Tiere kamen wegen der Geruchsbelästigung in den Gepäckwagen, der Händler stieg wie alle anderen Gäste in das normale Abteil.

An einem Tag hatte der Dienstmann offensichtlich die Schweinchen auf dem Bahnsteig vergessen, während der Mann nach Sonneberg unterwegs war. Das gab natürlich einen Mordsärger.

Damit das nicht wieder passiert, rief der Stationsvorsteher deshalb von nun an vor der Abfahrt des Zuges: "Habt ihr auch die Sumbarcher Säu nicht vergessen?" Der Ruf hat sich für die Sonneberger, die in der Bahnhofswirtschaft Bier pichelten, zum sicheren Signal entwickelt, dass der Zug in wenigen Momenten abdampft. Prompt stiegen die Sonneberger ein, als wären sie gemeint - die "Sumbarcher Säu".

 

 

 

Guten Tag, die Damen und die Herren aus Sonneberg, oder begrunzt man Sie mit einer anderen Anrede?

"Diener!", heißt das in Sonneberg und das haben wir in den vier Jahren in Suhl auch so beibehalten. Ein Sonneberger gibt seine Mundart so schnell nicht auf. Das ist die fast wörtliche Übersetzung von "Servus", was wiederum "Knecht" heißt und "zu Diensten" bedeutet. Mit Fremdwörtern haben wir es nicht so.

 

Sie sind also waschechte Sonneberger?

Freilich! Vier Säu haben in Sonneberg-Neufang am westlichen Rand des Frankenwaldes das Licht der Welt erblickt und sind dann 2015 nach Suhl exportiert worden. Heute sind wir dank glücklicher Vermehrung sieben, wobei aber zwei aus unserer ersten Siedlergruppe schon in den ewigen Jagdgründen weilen. Wenn man unseren Stammbaum zurückverfolgt, sind wir aber keine Franken. Wir stammen irgendwo von großen vietnamesischen Hängebauchschweinen ab, wurden aber zu Minischweinen gezüchtet.

 

Na ja, so manches Original aus Franken und Suhl rühmt sich ja auch seines Hängebauches...

Obacht! Beleidigen Sie jetzt bloß unsere drei feinen Damen nicht! Wir finden uns sehr hübsch und sind auch deutlich kleiner als unsere Urahnen aus Asien.

 

Stimmt, das kann man sehen. Aber Sie sind ja zum Teil auch noch jung. Wie schwer können Sie denn werden?

Bis 50 Kilogramm bringen wir mal auf die Waage. Die richtigen Hängebauchschweine haben ein anderes Kaliber, die schaffen 70 Kilogramm und werden einen halben Meter hoch - wenn sie auf allen Vieren stehen. Wir werden so um die 35 Zentimeter groß. Mit vier Jahren sind wir ausgewachsen.

Wenn Sie Minischweine sind, dann essen Sie wohl einfach zu wenig?

So ein dummes Gekäu! Kleine Menschen essen doch auch ganz normal... Fressen ist eigentlich unsere Lieblingsbeschäftigung. Sumbarcher Arpfsklüeß mit Millichbrüh mögen wir am liebsten. In der Erstaufnahmestelle im Tierpark hat man uns erklärt, dass das hier Hütes on Brüh heißt, aber genau das gleiche ist.

 

Wie ist denn die Versorgung in Suhl? Sie wissen ja, die Stadt ist ziemlich knapp bei Kasse...

Also davon haben wir noch nichts gemerkt. Wir fressen ja auch wirklich alles und meckern wenig - sonst wären wir ja Ziegen. Gerne mögen wir Käse und Fisch, sehr, sehr gerne auch süßes Obst. Da gibt es hier keinen Mangel. Früher muss das mit dem Obst anders gewesen sein, aber das ist wohl schon ewig her.

 

Das Schwein lebt nicht vom Brot allein, heißt es. Was machen Sie denn außer fressen noch so?

Ja, so ähnlich steht der Spruch im 5. Buch Mose in der Bibel. Wir sind ja auch nicht auf der Brennsuppe dahergeschwommen, junger Mann! Also, wir graben und schnüffeln nach Herzenslust und brauchen da etwas Platz für dieses extravagante Hobby. Wir untersuchen alles, was neu ist, knabbern gern auch mal an Ästen und Zweigen, suchen im Rindenmulch nach ein paar Käfern oder Schnecken, gucken uns die Besucher an und freuen uns aufs Futter.

 

Kommen Sie denn mit dem Suhler Gebirgsklima klar?

Neufang liegt auf 584 Metern Höhe und schaut auf Suhl herab. Klima ist soweit kein Thema. Für die vietnam-heißen Tage haben wir sogar einen eigenen Pool bekommen! Hier liegen wir im kühlen Wasser und chillen. Im Moment sind wir uns aber nicht sicher, ob wir besser zu einem Tierpark in den Tropen wechseln sollten. Für den Sonntag sind gerade mal schweinekalte 20 Grad angekündigt - kein Vergleich mit Vietnam. In saigon soll es 32 Grad warm werden.

 

Wie kann ich denn erkennen, ob Sie gut oder schlecht drauf sind?

Wenn wir aufgeregt sind, kann man das an unseren Schwänzchen sehen, dann kreiseln die wie Propeller. Werden wir zornig, steht der Schwanz kerzengerade in die Höhe. Auch wenn wir niedlich aussehen, haben wir ein kräftiges Schweinegebiss!

 

Sie sind die Stars bei den Kindern, die sie auch gerne streicheln dürfen. Ist ihnen das nicht unangenehm?

Ach latsch fei nia! Wir sind von Haus aus gesellig und leben nicht gern allein. Am liebsten haben wir natürlich Schweinegesellschaft, gerne auch aus Sonneberg. An die Menschen haben wir uns auch gewöhnt. Im Streichelgehege waren wir in den ersten Tagen schon noch etwas vorsichtig und scheu. Aber das hat sich rasch gegeben. Eine Sumbarcher Sau fürchtet die Trockenheit und sonst nichts auf der Welt, hat mal einer unserer Anführer gesagt.

 

Nun fragen sich unsere Leser, wie Sie heißen, wenn sie mit Ihnen grunzen wollen. Das ist jetzt etwas peinlich, oder?

Ein bisschen. Der Rudi - der ist schon in Suhl zur Welt gekommen - ist der einzige mit Namen. Die anderen grunzen sich namenlos durch die Welt. Was für ein Schweineleben! Wir würden uns freuen, wenn die Kinder sich für uns liebevollen Namen ausdenken. Wenn sie uns gefallen, dann lassen wir einfach unsere Schwänzchen kreiseln.

 

So lange die anderen Name nicht geklärt sind, dürfen wir Sie weiter die "Sumbarcher Säu" nennen?

Aber gerne. Wir Sonneberger haben gar kein Problem mit unserem Necknamen und sind stolz auf unsere Besonderheiten. Die Suhler sind sich da zu fein, aber eine Bekannte hat uns gesteckt, dass der hiesige Neckname Sühler Laternenscheißer ist. Es gibt da auch so eine Figur im Karneval.

 

Kennen sie denn auch das Lied über die Sumbarcher Säu von der Musikgruppe Gründer Kütt?

Saudumme Frage! Das ist uns mit der Muttermilch mitgegeben worden (die Schweine singen zu "Wo die Ostseewellen rauschen" ): Die Söckla sän zerissn/ un de Orsch guckt naus./ Trotzdem woll me/ mit kän König tausch./ Wu me durch Drösch und Hunge/ grueß un stark sän worn,/ do is une Heimat,/ die gett uns nie verlorn./ Wu die Mutte sang/ es ärschte Wiegnlied/ wus tagtäglich/ die ächtn truckna Schniedla gibt,/ wu nachts die Werta wattert,/ gatt a hem ihr Säu/ do is une Heimat,/ dara bleim wir treu. Interview: Olaf Amm

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Veröffentlicht am:
01. 08. 2019
10:57 Uhr

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01. 08. 2019
10:57 Uhr



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