Lade Login-Box.
Corona Newsletter
Topthemen: Coronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilftFolgen Sie uns auf Instagram

Sonneberg/Neuhaus

Erste bestätigte Corona-Infektion im Landkreis Sonneberg

Bei drei Kreisbewohnern - einer Frau und zwei Männern - ist das neuartige Coronavirus nachgewiesen worden. Das Gesundheitsamt versucht nun weitere Kontaktpersonen zu ermitteln, um die Infektionskette kurz zu halten.



Die Schließung von Spielplätzen und Parks verfügte das Sonneberger Rathaus zu einem frühen Zeitpunkt. Zu weiteren Einschränkungen des öffentlichen Lebens wird es kommen, um den Erfordernissen des Schutzes vor Ansteckung Rechnung zu tragen, kündigt der Bürgermeister an und bittet hierfür schon vorab um Verständnis.
Die Schließung von Spielplätzen und Parks verfügte das Sonneberger Rathaus zu einem frühen Zeitpunkt. Zu weiteren Einschränkungen des öffentlichen Lebens wird es kommen, um den Erfordernissen des Schutzes vor Ansteckung Rechnung zu tragen, kündigt der Bürgermeister an und bittet hierfür schon vorab um Verständnis.  

Sonneberg - Für manch einen mag es eine beruhigende Situation gewesen sein, dass noch am Freitagvormittag Sonneberg - gemeinsam mit Hildburghausen - als einzige Gegend in Deutschland gehandelt wurde, in der es noch keine medizinisch bestätigte Corona-Infektionen gab. Trügerisch war diese Ausgangssituation immer, nun ist sie überholt.

Meldepflicht

Rückkehrer aus Risikogebieten und besonders betroffenen Gebieten in Deutschland sind dazu verpflichtet, sich unverzüglich telefonisch im Landratsamt Sonneberg zu melden und die Umstände des Aufenthalts im Risikogebiet (Datum, Ort, Kontakte) mitzuteilen. Die Meldungen haben unter (03675) 871 500 montags bis freitags, 8 bis 12 Uhr, dienstags, 14 bis 16 Uhr, donnerstags, 14 bis 17.30 Uhr und samstags und sonntags von 9 bis 15 Uhr zu erfolgen, so das Landratsamt.

 

Stadt Sonneberg streicht Wochenmärkte

Das Land Thüringen und hierauf aufbauend der Landkreis Sonneberg haben in ihren Verfügungen vom 19. März genau geregelt, unter welchen Voraussetzungen derzeit noch sog. "Grüne Märkte" stattfinden dürfen. Hierzu zählen strenge hygienische Bedingungen, eindeutige Abstandsregelungen zwischen Besuchern sowie zwischen Verkäufern und Kunden sowie ein Verbot des Zutritts von offensichtlich erkrankten Personen zu Marktveranstaltungen. Der Wochenmarkt am Donnerstag auf dem Bahnhofsplatz hat deutlich gezeigt, dass diese Vorgaben von den Markthändlern trotz all ihrer Bemühungen nicht durchgesetzt werden können, so die Stadt Sonneberg. Vor diesem Hintergrund sieht sich die Stadtverwaltung in der Verantwortung, die Durchführung von Wochenmärkten dienstags auf dem Piko-Platz und donnerstags auf dem Bahnhofsplatz zu untersagen. "Wir tun dies, um Markthändler, Bevölkerung und unsere eigenen Beschäftigten zu schützen", sagt Rathaussprecher Stefan Hinterleitner.

 

 

Wie Sonnebergs Kreissprecher Michael Volk äußert, bekam das Gesundheitsamt gegen 12 Uhr am Freitag per Fax Nachricht vom Testlabor. Dabei wurde über die ersten Fälle einer Covid-19 Infektion im Gebiet zwischen Schaumberger Land, Sonneberg, Föriztal und Rennsteigregion informiert. Betroffen sind eine Frau und zwei Männer. Das Gesundheitsamt bestellte diese ein. Derzeit, so Volk, wird versucht herauszufinden, mit wem sie alles Kontakt hatten.

 

Bei den drei Betroffenen handelt es sich um eine Frau Anfang Fünfzig, einen Mann Mitte Fünfzig und um einen Mann Mitte Dreißig. "Ihnen geht es den Umständen entsprechend gut. Sie befinden sich zurzeit in einem stabilen Zustand mit leichten Krankheitssymptomen. Alle drei sind in häuslicher Quarantäne und wurden vom Gesundheitsamt über die strikte Einhaltung des Kontaktverbots zu anderen Mitmenschen belehrt", so Volk.

Die Frau war mit ihrem Partner auf einer Urlaubsreise in der Lombardei. "Nach ihrer Rückkehr aus Italien unterzogen sich beide in vorbildlicher Weise einer häuslichen Quarantäne und vermieden jegliche Sozialkontakte mit anderen." Außer dem Paar leben keine weiteren Personen im Haushalt. Das Testergebnis des Mannes steht noch aus.

Der Mann Mitte Dreißig war mit Bekannten in Tirol im Skiurlaub. Nach seiner Rückkehr zeigte er leichte Symptome und unterzog sich nach Konsultation mit seinem Hausarzt einem Abstrichtest. Der Betroffene ist ledig und wohnt allein. Er hat sich als Rückkehrer aus einem Risikogebiet vorbildlich verhalten, indem er sich beim Gesundheitsamt gemeldet hat und sich in häusliche Quarantäne begab, lobt das Landratsamt. Seine Mitreisenden wurden vom Gesundheitsamt kontaktiert. Sie sind nicht im Landkreis wohnhaft. Sie wurden aufgefordert, sich bei ihrem zuständigen Gesundheitsamt zu melden. Da der Mann nach der Rückkehr Umgang mit anderen Menschen mied und sich durchgehend zuhause aufhielt, geht man derzeit von keinen weiteren Kontaktpersonen aus.

Der Mitte der 1960er-Jahre geborene Mann ist kein Rückkehrer aus einem Risikogebiet oder einem besonders betroffenen Gebiet in Deutschland. Allerdings hielt er sich kurzzeitig in Nordrhein-Westfalen auf. Er lebt mit seiner Frau und einem Kind in einem Haushalt. Alle zeigen grippale Symptome. Er hatte in den vergangenen Tagen mehrfache Sozialkontakte. Das Gesundheitsamt verfügte daher eine häusliche Quarantäne für dieses Umfeld. "Für symptomatische Kontaktpersonen sind Abstrichtests beauftragt."

Weitere Menschen aus dem Umfeld der Infizierten zu ermitteln um diese zur Vorsicht anzuhalten, hierzu laufen die Anstrengungen auf Hochtouren. Volk: "Das Gesundheitsamt wird täglichen Kontakt mit den Betroffenen halten." Die Nachfrage zu den konkreten Wohnorten lässt das Landratsamt offen.

Wegen der verschärften Ausgangslage im Kreisgebiet berät der Krisenstab des Landkreises weitere Maßnahmen. "Das neuartige Coronavirus ist nun nachweislich auch in unserem Heimatlandkreis angekommen. Umso mehr möchten wir alle Rückkehrer aus einem Risikogebiet oder einem besonders betroffenen Gebiet in Deutschland auffordern, sich umgehend beim Gesundheitsamt zu melden. Unbedingt sollten alle Bürger die weiteren aktuellen Pflichten, Gebote und Verbote dringend beachten, die wir dieser Tage verfügt haben", so der Leiter des Krisenstabes, der stellvertretende Landrat Jürgen Köpper.

Dieser empfiehlt, sich auf der Internetseite des Landratsamtes auf dem Laufenden zu halten. Der Appell Köppers an die Sonneberger lautet zudem: "Vermeiden Sie Sozialkontakte und schützen Sie sich und andere. Gleichwohl gilt es besonnen zu bleiben. Panik ist unangebracht und darf nicht unser aller Handeln bestimmen."

Einen recht straffen Ton schlug am Freitag, kurz nach Bekanntwerden der Infektionsfälle, Sonnebergs Bürgermeister an. Heiko Voigt formulierte ein persönliches Statement, das der Zeitung übersandt wurde und in den sozialen Netzwerken der Stadt verbreitet wird. Auch 4500 älteren Sonnebergern soll die Stellungnahme ihres Stadtoberhaupts postalisch zugestellt werden. Die Warnung in Kurzform: "Es ist Fünf vor Zwölf."

Die vom bayerischen Ministerpräsidenten am Freitag verhängten Ausgangsbeschränkungen nennt Voigt "absolut angebracht". Besser heute als morgen, so seine Forderung, solle die Thüringer Landesregierung ihren Erlass vergleichbar ausweiten. "Wir fühlen uns vom Vorgehen unserer bayerischen Nachbarn in unserem Sonneberger Weg bestärkt, schon in den letzten Tagen härtere Einschnitte durchgesetzt zu haben als zwingend erforderlich gewesen wäre. Und egal von wem Einschränkungen des öffentlichen Lebens und unserer persönlichen Freiheiten verfügt worden sind und sicherlich in nächster Zukunft noch in größerem Maße verfügt werden: es geht dabei nicht um Gängelei, sondern um unser aller Schutz."

Nur eine Frage der Zeit sei es für ihn gewesen, bis auch in Sonneberg Infektionen nachgewiesen werden: "Und die Dunkelziffer ist viel, viel größer. Denn es werden ja nur die Wenigsten getestet. Zudem haben wir eine Verzögerung von mehreren Tagen zwischen Ansteckung, Test und Test-Auswertung. In dieser Zeit sind viele Mitmenschen unbewusst Überträger dieser Virusinfektion auf ihr gesamtes Umfeld. Wenn ich dann erleben muss, dass auf dem Piko-Platz und an vielen anderen Orten regelrechte Partys gefeiert werden oder sich Menschen immer noch zuhauf ungeschützt treffen, dann muss dem kurzfristig ein Riegel vorgeschoben werden, um die Besonnenen nicht mit der Unvernunft Anderer zu bestrafen."

Voigt weiter: "Die Gesundheit ist grundsätzlich unser höchstes Gut. Dies gilt in diesen Tagen noch mehr denn je. Deshalb appelliere ich an alle Sonneberger - und natürlich auch an die Menschen um uns herum: bleiben Sie jetzt endgültig zuhause! Schränken Sie Begegnungen mit Familie und Freunden ab sofort freiwillig aufs unbedingt Erforderliche ein. Tun Sie dies für sich - und tun Sie es für Ihre Mitmenschen."

Zwar nennt der 58-Jährige die Lage angespannt und es bestehe Anlass zu allergrößter Sorge: "Aber es gibt keinerlei Grund für Panik. Dies gilt für die Versorgung mit Lebensmitteln und allen Dingen des täglichen Bedarfs, die weiterhin sichergestellt sein wird." Ein Wort des Dankes übermittelt er all den nachbarschaftlichen Hilfsnetzwerken: "Bitte agieren Sie dabei aber immer mit Umsicht und vermeiden Sie persönlichen Kontakt, sonst wäre die gesamte Maßnahme umsonst." anb

Autor

Redaktion
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
20. 03. 2020
18:06 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bayerische Ministerpräsidenten Coronavirus 19 Gesundheitsbehörden Infektionsfälle Infektionsketten Infektionskrankheiten Infektionspatienten Jürgen Köpper Kommunalverwaltungen Landräte Meldepflicht Michael Volk Viruserkrankungen
Sonneberg
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Trotz Aufforderung schnellstmöglich einen Abstrich machen zu lassen für den Corona-Test, gelang dies einen Sonneberger erst nach dem Wochenende. Foto: dpa

Aktualisiert am 13.03.2020

Corona: Landrat sauer über falsche Infos an der Hotline

Im Landkreis Sonneberg sind zurzeit drei Menschen als begründete Verdachtsfälle eingestuft und harren in häuslicher Quarantäne ihrer Testergebnisse. Einer hat gewaltige Zweifel an der Leistungsfähigkeit des Gesundheitssy... » mehr

Das im Gesundheitswesen beschäftigte Personal soll vor Ansteckung geschützt werden. In einer Sonneberger Apotheke wird deshalb am Mittwoch die Ausgabe von Medikamenten zwischen Tür und Angel geregelt. Foto: Zitzmann

18.03.2020

Sonnebergs "Patient null" lässt auf sich warten

Zwei Dutzend Verdachtsfälle aber noch keine medizinisch bestätigte Erkrankung, das bleibt die Ausgangslage im Landkreis Sonneberg. Vorerst. » mehr

Leere Räume in den Kitas des Landkreises - wie in der Einrichtung auf der Wehd - bestimmen ab Dienstag das Bild. Weil Kindergärten und Schulen von da an wegen der derzeitigen Coronavirus-Situation geschlossen bleiben, hat die Stadt Sonneberg entschieden, Eltern zumindest die finanzielle Last zu nehmen und die Erhebung der Kita-Gebühren vorerst auszusetzen. Fotos: Carl-Heinz Zitzmann (1), privat (1)

16.03.2020

Stadt Sonneberg legt Kita-Gebühren auf Eis

Bis auf Weiteres wird die Stadt Sonneberg keine Kita-Gebühren erheben. Eine Entscheidung, die am Wochenende gefallen ist. Und nicht die einzige im Zuge der Corona-Lage. Rathaus und Landratsamt bleiben nun dicht - ebenso ... » mehr

Der Mund-Nasen-Schutz gehört im Sonneberger Krankenhaus mittlerweile zur geübten Kleiderordnung. Archiv: Zitzmann/Klüglein

24.03.2020

Der Krankenhaus-Konzern geht über in den Krisenmodus

Der Regiomed-Verbund bereitet sich auf die massenhafte Aufnahme von Corona-Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf vor. Bei der Medizin-Technik wird aufgestockt. Doch beim Personal ist das nicht so einfach. » mehr

Der Handschlag zur Begrüßung kommt in Zeiten der Infektionsvorbeugung ebenso unter Druck, wie die Begegnung von Menschen bei Konzerten, Partys oder Kabarettabenden. Das Foto zeigt eine Empfehlung, die aktuell am Einlass der Sonneberger Commerzbank-Filiale prangt. Foto: Zitzmann

12.03.2020

Krankheitsvorsorge legt Kulturleben lahm

Das Landratsamt verfügt zum Schutz vor Infektionen ein Verbot für Veranstaltungen mit mehr als 500 Menschen. Und auch die Macher kleinerer Partys haben harsche Auflagen zu beachten. » mehr

Vorsorglich haben die Organisatoren der Braveheart-Battle die Anmeldelisten Anfang der Woche geschlossen, um unter der 1000er Marke zu bleiben. Foto: chz

10.03.2020

Coronavirus: Großereignisse wackeln oder sind abgesagt

Seit Dienstag steht fest, alle Events, zu denen über 1000 Besucher erwartet werden, sind abzusagen. Im Landkreis trifft dies einige Veranstalter. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Sperrung vor Neustadt am Rennsteig Neustadt am Rennsteig

Sperrung Neustadt am Rennsteig | 23.03.2020 Neustadt am Rennsteig
» 4 Bilder ansehen

Brand in Katzhütte Katzhütte

Brand Katzhütte | 23.03.2020 Katzhütte
» 4 Bilder ansehen

inbound3887575027251749210

#Ichbleibdaheim |
» 8 Bilder ansehen

Autor

Redaktion

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
20. 03. 2020
18:06 Uhr



^