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Sonneberg/Neuhaus

Einer ist nichts ohne den Anderen

Bessere Resonanz hätten sich die Veranstalter nicht wünschen können: Rund 500 Menschen bevölkern am Sonntag anlässlich des Ökumenischen Gottesdienstes zum "Tag der Franken" den Freizeitpark in Neustadt bei Coburg.



Der katholische Pfarrer aus Sonneberg Winfried Mucke (links) und Superintendent Thomas Rau empfangen die Gäste im Freizeitpark in Neustadt bei Coburg.
Der katholische Pfarrer aus Sonneberg Winfried Mucke (links) und Superintendent Thomas Rau empfangen die Gäste im Freizeitpark in Neustadt bei Coburg.   » zu den Bildern

Sonneberg - Samba-Trommeln anstelle von Kirchenglocken luden zum gemeinsamen Beten, Singen und Feiern ein. Die "Escola Popular" aus Sonneberg begann ihr umfangreiches Tagesprogramm an diesem Sonntag mit dem Gottesdienst in Neustadt. Ein eigens gegründeter Posaunenchor mit Musikern aus der Region unter der Leitung von Kantor Markus Heunisch eröffnete den Gottesdienst und begleitete die Gemeindelieder.

Zahlreiche Besucher und Mitwirkende hatten sich trotz des Regenwetters eingefunden, um miteinander Gottesdienst zu feiern. Unter ihnen waren auch prominente Vertreter aus Politik und Wirtschaft, etwa der Thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke), der Fraktionsvorsitzende der CDU im Thüringischen Landtag Mike Mohring und der Bayrische Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Auch die beiden Bürgermeister von Sonneberg und Neustadt und verschiedene Mitglieder des Bundes- und der Landtage hatten es sich nicht nehmen lassen, den Tag der Franken unter Gottes Segen zu beginnen.

Jeder hat seine Aufgabe

Einer der Höhepunkte war ohne Zweifel ein Verkündigungsanspiel, das eine wesentliche Passage des zweiten Korintherbriefes sehr eindrücklich darbrachte. Auge, Ohr, Hand, Fuß und Herz stritten sich recht unterhaltsam und darüber, wer nun der Wichtigste unter ihnen sei. Erst nach einigem vergnüglichen Hin und Her hörten sie alle miteinander auf die leise Stimme des Herzens. Kein Körperglied kann ohne das andere sein. Sie sind aufeinander angewiesen und alle gleich wichtig mit ihren verschiedenen Begabungen und Aufgaben. Das wusste schon der Apostel Paulus und schrieb es in einem Brief "an sei Gemää in dan Korinth".

In seiner Mundart-Predigt betonte Superintendent Thomas Rau aus Sonneberg die Wichtigkeit des Hörens aufeinander und der Zusammenarbeit trotz oder gerade wegen der vielen unterschiedlichen Charaktere. Erst dann, wenn viele verschiedene Menschen zusammenkommen, werden sie zu einer lebendigen Gemeinde. Auch die Christen in der Region haben nach der politischen Wende wieder neu zueinander gefunden.

Superintendent Rau, der im Grenzgebiet auf der DDR-Seite aufgewachsen ist, berichtete aus dieser Zeit, vom Blick mit dem Fernglas "in den Westen", der so nah war, dass man die Westautos sehen konnte - und doch unerreichbar schien. Umso größer die Dankbarkeit, dass nach der friedlichen Revolution nun ein gemeinsamer Festtag möglich ist. Tief bewegt erzählte Superintendent Thomas Rau auch von den Opfern, die am Grenzzaun zu Schaden kamen.

Parallelen zu Heute

Gerade für Christen in unserer Region, die so lange unter der teilenden Grenze litten, darf es nicht hinnehmbar sein, dass heute wieder Menschen bei der Überwindung von Ländergrenzen ums Leben kommen, im Mittelmeer ertrinken oder zwischen Mexiko und den USA an einer neu errichteten Mauer verletzt oder getötet werden. Applaus erntete er, als er die Gottesdienstteilnehmer aufforderte, die geflüchteten Menschen in unserer Region zu begrüßen und zu einem gelingenden Miteinander aufrief "egal wie schwierig oder kompliziert das sein mag".

Nach der Predigt, die in "fränggischer Sprouch" vielen zu Herzen ging, wurde zu Klängen von "Escola Popular" die Kollekte eingesammelt. Der Neustadter Pfarrer Seeger und seine Ehefrau hatten zu einer Geld- und Sachspendenaktion für die Opfer der schweren Wirbelstürme im Frühjahr dieses Jahres in Mosambik aufgerufen. Sie pflegen dort Kontakt zu Kollegen, die für die gerechte Verteilung der Gaben sorgen. Die eingesammelte Kollekte soll dabei helfen, die Sachspenden nach Mosambik zu bringen. Weitere Spenden für dieses Vorhaben werden dringend benötigt und von der Kirchengemeinde Neustadt gerne entgegengenommen.

"Strahlen brechen viele aus einem Licht", sangen die Gottesdienstbesucher miteinander und betonten auch singend: "Wir sind eins in Christus!" Dass die Christen in der Region sich gut auf’s Feiern verstehen, bewiesen sie, als sie sich von Thomas Rau in Dialekt zu einem Tänzchen auffordern ließen: "Wenn Glaub’m / Hoffnung / Liebe bei uns eizieht, get uns auf de Horizont, mir singa un mir tanz’n, weil de Himmel bei uns wohnt."

Nach dem feierlichen Abschluss mit dem Vaterunser und dem Segen gingen dann auch die Gottesdienstbesucher - noch immer beschwingt - in die weiteren Feierlichkeiten des "Tags der Franken". Alle Mitwirkenden sind sich einig, dass es noch weitere gemeinsame Gottesdienste in Mundart geben wird. Besonders davon hatten sich nämlich viele der Besucher angetan gezeigt. So zum Beispiel Horst Eckardt aus Mengersgereuth-Hämmern: "Das war ein richtig schöner Gottesdienst."

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Denise Müller-Blech
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Veröffentlicht am:
09. 07. 2019
00:00 Uhr

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Denise Müller-Blech

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09. 07. 2019
00:00 Uhr



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