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Sonneberg/Neuhaus

Die Rückkehr in die Normalität lässt auf sich warten

Die Großfamilie, die bei einem Brand in Haselbach ihre Wohnung verlor, kommt nur langsam wieder in Tritt.



Leon und Tommy mit Lucie und Lukas, dazu hinten Christina und Celine hoffen das Leben in der Notunterkunft bald hinter sich lassen zu können. Foto: Zitzmann
Leon und Tommy mit Lucie und Lukas, dazu hinten Christina und Celine hoffen das Leben in der Notunterkunft bald hinter sich lassen zu können. Foto: Zitzmann   » zu den Bildern

Sonneberg - Wenn Lucie einen Wunsch frei hätte? Dann hat die Siebenjährige eine recht klare Vorstellung. Am liebsten möchte sie baldmöglichst wieder ein eigenes Wägelchen zum Schieben, logischerweise mitsamt Puppe darin. Und Leon? Der Sechsjährige wiegt unschlüssig den Kopf und stimmt dann umso begeisterter der Vorgabe seiner großen Brüder Lukas (14) und Tommy (9) zu: Eine Playstation, das wäre schon eine tolle Sache. Celine (13) und ihre zwei Jahre jüngere Schwester Christina schwanken derweil: Irgendetwas von "Lego friends", also Plastikfiguren im Girls-Look zum Spielen? Oder doch besser das eigene Handy?

Es sind recht gängige, sehr altersgemäße Erwartungen, welche die Jungs und Mädchen da auflisten. Wären die Zeiten für die Pokas normal, vermutlich wäre das ein oder andere davon auch drin im Geschenke-Budget für die Bescherung an Heiligabend. Doch die Zeiten, welche die Großfamilie zu durchstehen hat, sie bleiben schwierig. Daran hat sich nicht viel geändert seit dem 12. Oktober. Wie berichtet, brannte in den Nachmittagsstunden dieses Freitags vor vier Wochen ihr Wohnhaus in Haselbach komplett nieder. Das Feuer hatte vermutlich von einem unmittelbar angrenzenden alten Betriebsgebäude übergegriffen auf den Trakt, den die Pokas im August 2009 bezogen und seither dort zur Miete leben. Raub der Flammen wurden nicht nur Puppenwagen und Playstation, Kinderhandys oder Lego-Figuren, alles hatten die Pokas an diesem 12. Oktober verloren. Nichts ließ sich retten, was man nicht zufällig bei sich hatte.

Die Suche nach der Ursache dieser privaten Katastrophe dauert an. Wie die Polizei auf Nachfrage mitteilt, laufen die Ermittlungen weiter. Was das Geschehen konkret ausgelöst hat, dazu sind demnach die vor Ort gesicherten Spuren noch nicht abschließend ausgewertet.

Um die obdachlos gewordene Familie kümmert sich seither vorrangig die Stadt. Das Rathaus brachte Tanja und Daniel Poka zusammen mit deren drei Jungs und drei Mädchen in einem Wolkenrasen-Wohnblock in der Göppinger Straße unter.

So richtig innerlich angekommen sind die Betroffenen nach dem Schicksalsschlag dort bis heute nicht. Feldbetten stehen nebeneinander, von Kindergarten- und Schulfreunden gestiftete Anziehsachen lagern in Säcken. Sich das Provisorium herzurichten, dafür fehlt es erkennbar an Kraft, womöglich auch am Vertrauen in eine Zukunft, die sich nach dem erlittenen Trauma meistern lässt.

Unterstützt von einer Mitarbeiterin der Stadt hat sich die Mutter auf die Suche nach einer neuen Bleibe gemacht. Dem Vater Daniel, der als Berufskraftfahrer oft auswärts ist, fehlt hierfür schlicht die Zeit. "Gefunden haben wir bis jetzt nichts", sagt Tanja Poka. Zuletzt sah es recht gut aus. Es gab die Möglichkeit, von der 60- womöglich in eine 80-Quadratmeter-Wohnung umzuziehen. Dann zerschlug sich die Chance. "Wenn irgend jemand in Sonneberg oder Umgebung etwas zu vermieten hat, das für uns acht geeignet ist, dann wäre uns das am liebsten." Obwohl die Adresse zum Neustart vorerst fehlt, ist klar: Wenn es soweit ist, muss das ganze eingerichtet werden - mit einer Küche, Schränken, Doppelstockbetten für die Kinder. "Weil wir dafür jeden Cent brauchen, ist im Moment einfach nichts drin für die Wünsche der Kleinen."

Der Verein "Freies Wort hilft" hat vor drei Wochen zu einer Spendenaktion aufgerufen. Idealerweise wird das Geld in Kürze in Form von Gutscheinen eines Möbeldiscounters ausgereicht, der den guten Zweck unterstützt, indem er den Pokas einen zusätzlichen Rabatt gewährt. Die Gespräche hierzu sind am Laufen.

An Spenden sind auf dem Konto des Hilfswerks dieser Zeitung bislang knapp 250 Euro eingegangen, welche der Verein "Freies Wort hilft" auf 1000 Euro aufstocken würde.

Der Appell, der Großfamilie in der Stunde der Not beizustehen, wird somit erneuert. Und wenn sich im Lauf der nächsten Woche dabei außerdem der ein oder andere Kinderwunsch erfüllen lässt? Und sei es der größte - eben das Angebot, ein Haus anzumieten - stellt die Sonneberger Lokalredaktion von Freies Wort gerne den Kontakt her. anb

Spenden unter dem Stichwort "Brand Haselbach" können auf das Konto des Hilfswerkes unserer Zeitung "Freies Wort hilft e.V., Miteinander füreinander" bei der Rhön-Rennsteig-Sparkasse überwiesen werden. IBAN: DE39 8405 0000 1705 017 017

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09. 11. 2018
19:02 Uhr

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