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Sonneberg/Neuhaus

Angehörige werfen Klinikverbund Regiomed Abzocke vor

Im Seniorenzentrum "Bertelsdorfer Höhe" soll der Eigenanteil um mehr als 750 Euro monatlich steigen. Dagegen regt sich massiver Protest. Doch noch ist nichts entschieden.



Das von Regiomed betriebene Seniorenzentrum "Bertelsdorfer Höhe".
Das von Regiomed betriebene Seniorenzentrum "Bertelsdorfer Höhe".   Foto: Henning Rosenbusch

Coburg - "Da ist mir die Spucke weggeblieben." So beschreibt ein Leser, der namentlich nicht genannt werden will, seine erste Reaktion auf ein Schreiben, das Anfang August allen Bewohnern des Seniorenzentrums "Bertelsdorfer Höhe" und deren Angehörigen zugestellt wurde. Darin kündigt der bayerisch-thüringische Klinikverbund Regiomed als Einrichtungsbetreiber eine drastische Erhöhung der Heimkosten an. Danach soll - vorausgesetzt Pflegekassen und Sozialhilfeträger stimmen den Plänen zu - der Eigenanteil ab 1. September je nach Zimmertyp um bis zu 789 Euro monatlich steigen.

Platz für 104 Personen

Der bayerisch-thüringische Klinikverbund Regiomed hat nach der Insolvenz der Schwesternschaft Coburg vom Bayerischen Roten Kreuz im Mai 2017 deren Aktivitäten übernommen. Dazu gehört unter anderem auch der Betrieb des Alten- und Pflegeheims am Schießstand, das mittlerweile in Seniorenzentrum "Bertelsdorfer Höhe" umbenannt wurde. Die Einrichtung verfügt über 54 Einzel- und 25 Doppelzimmer und ist auf die Betreuung von bis zu 104 Personen ausgelegt.

Neben dem Seniorenzentrum "Bertelsdorfer Höhe" und "Am Eckardtsberg" in Coburg betreibt Regiomed die Seniorenzentren "Am Kronacher Teich" (Föritztal), "Am Thomasberg" (Eisfeld), "Am Weißen Berg" (Schleusingen), "Hildburghäuser Land" (Hildburghausen) und "Wohnen im Alter" (Sonneberg). Dazu kommen die Wohnheime "Leuchtturm" (Eisfeld) und "Friedrichshall" (Lindenau).

Den Unterlagen sei zu entnehmen, dass es "voraussichtlich zu einer erheblichen Erhöhung Ihres Eigenanteils kommt", heißt es in dem Schreiben der Einrichtungsleitung vom 30. Juli. Als Gründe werden eine Angleichung der Mitarbeitervergütung an den Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes sowie "enorme Steigerungen im Sachkostenbereich" angeführt. Ersteres sei als Reaktion auf den verschärften Mangel an Pflegefachkräften unumgänglich. Nur so könne man auch "zukünftig als attraktiver Arbeitgeber auftreten und die personelle Besetzung sichern". Weil sich die Pflegekassen an den Kostensteigerungen nicht beteiligten, gingen die "geplanten Erhöhungen leider wieder vollständig zu Lasten der Bewohner", bedauert die Leiterin und bittet im Sinne einer weiterhin guten Pflege und Betreuung um "Verständnis für unser Vorhaben".

 

Diesem Wunsch kann der Leser, dessen Vater schon seit vielen Jahren im Seniorenzentrum "Bertelsdorfer Höhe" lebt, nichts abgewinnen. "Ich weiß nicht, was da los ist und wie die sich das denken. Aber eines weiß ich ganz sicher: Das ist Abzocke und kann doch kein Mensch mehr bezahlen", echauffiert er sich über die neue "Preisliste", die mit dem Schreiben zugestellt wurde.

Der Aufstellung zufolge sollen Bewohner oder deren Angehörige - unabhängig vom Pflegegrad - künftig deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen. Beim Pflegegrad 2 beispielsweise ist eine Steigerung des Eigenanteils beim Doppelzimmer von bisher 1849,77 auf 2639,48 Euro (plus 789,71) vorgesehen, beim Einzelzimmer von 2032,29 auf 2791,58 Euro (plus 759,29). Zum Vergleich: Im Caritas-Alten- und Pflegeheim St. Josef beträgt die Eigenleistung bei einem Einzelzimmer 2121 Euro. Daneben zahlt die Pflegekasse den Einrichtungen einen monatlichen Fixbetrag von 770 Euro pro Person.

Das Vorgehen von Regiomed ruft auch in politischen Kreisen harsche Kritik hervor. Die im Schnitt 23-prozentige Erhöhung sei "unfassbar", sagt AfD-Landtagsabgeordneter Martin Böhm auf NP -Anfrage. Da seine Mutter im Seniorenzentrum gepflegt wird, hat auch er das Schreiben bekommen - und sieht vielfachen Klärungsbedarf. Unter anderem sei nicht nachzuvollziehen, warum der Tagessatz bei der Verpflegung um 6,58 auf 17,29 Euro und für die Unterkunft um 5,16 auf 15,06 Euro ("Das sind über 50 Prozent") steige.

Dass es in der Pflege generell an Fachkräften mangele, sei nicht von der Hand zu weisen, erklärt Böhm. Aber ebenso wichtig sei Mitarbeitern neben der Bezahlung ein gutes Betriebsklima. Seinen Angaben zufolge hat es in jüngster Zeit wieder einige Eigenkündigungen gegeben. "Wir wurden jetzt informiert, dass meine bestens betreute Mutter umziehen muss, weil wegen Kündigungen und Krankheit die komplette Abteilung im Erdgeschoss geschlossen werden muss", schildert er die Situation.

Unabhängig davon dränge sich der Verdacht auf, die angekündigte Anhebung könne dazu dienen, den Ertrag des in finanzielle Schieflage geratenen Klinikverbund Regiomed zu verbessern. "Es wäre schlimm, wenn das auf Kosten der Bewohner, Angehörigen und Sozialsysteme erfolgen soll", so Böhm. Daher will er in den nächsten Tagen Gespräche mit den Pflegekassen und Sozialhilfeträgern führen.

Für Letztere ist die Sozialverwaltung des Bezirks Oberfranken zuständig. Sie prüft wie die Pflegekassen, ob und inwieweit geplante Erhöhungen gerechtfertigt sind. "Es gibt zunächst immer einen Aufschrei", weiß Hans-Reinhardt Hermsdörfer aus langjähriger Erfahrung. Fakt sei aber auch, dass in der Vergangenheit Vorstellungen der Heimbetreiber reduziert oder gänzlich verworfen wurden.

Zu den Absichten von Regiomed wollte er sich nicht äußern, nur so viel: "Der Antrag ist bei uns und den Pflegekassen eingegangen. Das Ansinnen wird derzeit nach verschiedenen Kriterien einer intensiven Prüfung unterzogen." Nach unbestätigten Angaben hatte Regiomed bereits im vergangenen Jahr erfolglos versucht, für das Seniorenzentrum "Am Eckardtsberg" höhere Eigenbeteiligungen durchzusetzen.

Ein von der NP am Montag an den Klinikverbund übermittelter Fragenkatalog blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Autor
Christoph Scheppe

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Veröffentlicht am:
07. 08. 2019
10:36 Uhr

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Autor
Christoph Scheppe

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Veröffentlicht am:
07. 08. 2019
10:36 Uhr



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