Lade Login-Box.
Corona Newsletter
Topthemen: Coronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilftFolgen Sie uns auf Instagram

Schmalkalden

"Verstöße können und werden wir nicht hinnehmen"

In der Corona-Krise appelliert Bürgermeister Thomas Kaminski in einem Interview mit der Heimatzeitung an das Verantwortungsbewusstsein der Menschen in seiner Stadt. Und er will Mut machen, "wir sind schließlich Schmalkalder.



Interview: Bürgermeister Thomas Kaminski
Interview: Bürgermeister Thomas Kaminski  

Wie geht es Ihnen und Ihrer Familie?

Thomas Kaminski: Wir alle leben in einer Zeit, in der wir heute nicht genau wissen, was uns morgen erwartet. Welche neuen Regelungen wird es geben und wie sind diese zu vermitteln? In Anbetracht dieser Umstände kann ich sagen, dass es mir gut geht. Ich gebe aber zu, dass es auch eine gewisse Anspannung gibt, weil von allen Entscheidungen viel abhängt. Meiner Familie geht es ebenfalls gut.

 

Wie sieht der Arbeitsalltag aus?

Aktuell beginnt mein Tag um 7 Uhr, meist mit einem Besuch des Bauhofs, um über aktuelle Entwicklungen zu informieren. Neben der Feuerwehr wird der Bauhof unsere schnelle Eingreiftruppe sein. Zwischen 7.30 und 8 Uhr bin ich dann im Rathaus, um zirka eine halbe Stunde Tagesgeschäft abzuarbeiten. Zwischen 8.30 Uhr und zirka 12.30 Uhr tagt der Krisenstab, um Personalfragen zu klären, die Kindergartenschließung zu managen, über die Nutzung der öffentlichen Plätze zu entscheiden, Verstöße zu bewerten und zu ahnden und die Öffentlichkeitsarbeit vorzubereiten. Nach dem Mittag steht die Info in Richtung Personalrat oder Mitarbeiter in kleinen Runden oder per Mail an. Wir brauchen das Grundverständnis ja auf allen Ebenen. Dann besuche ich mit der Wifö, Frau Heldt heimische Unternehmen, um zu hören, wo es klemmt und welche Maßnahmen helfen. Hier war ich überrascht, wie weitsichtig in vielen Bereichen geplant und gearbeitet wird. Viel schwerer haben es selbst bestens geführte Unternehmen, die von Touristen abhängig sind. Gegen 19 Uhr bin ich dann zu Hause, um SMS, Telefonate und Mails zu beantworten. Das geht dann schon mal bis 22 Uhr.

 

Wie ist der Krisenstab organisiert?

Es sind alle Amtsleiter Hauptamt, Ordnungsamt, Kämmerei, Bauamt und Wirtschaftsförderung beteiligt, der Bauhofleiter und der Stadtbrandmeister sporadisch. Weiterhin beraten Kolleginnen in der Öffentlichkeitsarbeit und ein Kollege, verantwortlich für Organisation. Diese Struktur ist gedoppelt. Sollte die erste Ebene ausfallen, wird die zweite Ebene die Arbeit übernehmen und mit der ersten Ebene digital kommunizieren. Wir dürfen kein Risiko eingehen.

 

Ist Schmalkalden für die Krise gerüstet?

Unser oberstes Ziel ist es, zunächst eine echte Gesundheitskrise zu vermeiden. Daher werden die Allgemeinverfügungen des Landkreises konsequent umgesetzt und kontrolliert. Hierbei stoßen wir häufig auf viel Verständnis, sind aber an manchen Stellen auch erschrocken über die Sorglosigkeit. Wir mussten zwei Abende erleben, wie Jugendliche im Westendpark feierten. Die Polizei ist dankenswerterweise eingeschritten. Seit Donnerstag haben wir den Park mit Bauzäunen gesperrt. Leider mussten wir Aufbruchversuche feststellen. Das ist einfach unglaublich. Und die Älteren unserer Stadt halten sich nicht immer an die empfohlenen Abstände beim Einkauf in der Schlange. Ich kann den Chefärzten des Klinikums in Schmalkalden hier nur beipflichten und rufe deshalb nochmals zu äußerst sorgsamen Umgang auf.

Sollten diese Maßnahmen nicht reichen und wir einen starken Anstieg an Patienten erleben, haben wir verschiedene Szenarien entwickelt, wie weit wir reagieren aber auch helfen können. Es muss aber jedem/jeder Schmalkalder/innen klar sein, dass das medizinische System Grenzen hat, die bei einer explosionsartigen Ausbreitung des Virus überschritten werden. Diesen Zustand dürfen wir auf gar keinen Fall erreichen. Wir würden zwar räumlich und evtl. auch personell unterstützen, aber medizinisch nicht alle Patienten ausreichend versorgen können.

Also lautet die Antwort: Ja, wir denken alles voraus, wir werden auf alle Ereignisse gut und angemessen reagieren, können aber nur dann großen menschlichen Schaden vermeiden, wenn vorher alle Schmalkalder/innen den Empfehlungen der Mediziner und den Anordnungen der Allgemeinverfügungen gefolgt sind. Ansonsten haben wir eine echte Krise, die auch ihre Opfer fordern wird.

 

Was geht Ihnen besonders nah?

Die Leiterin meines Büros, Silvia Erdenberger, ist in sehr engem Kontakt mit unseren Freunden aus der Partnerstadt Alpignano in Norditalien bei Turin. Von dort wird uns nahezu flehend mitgeteilt, alles zu tun, dass sich die Menschen nicht wahllos treffen, sich an die Anordnungen halten und zu Hause bleiben. Ansonsten passiert bei uns das Gleiche wie bei unseren Freunden, wo Mediziner die schwere Entscheidung treffen müssen, wer die notwendige medizinische Betreuung erhält und wer verstirbt. Das ist keinem Arzt zumutbar.

Und dann sehe ich Jugendliche, die sehr sorglos ihre sozialen Kontakte mit kleinen Partys pflegen und genau das tun, wovor wir durch Experten, aber auch aus Alpignano gewarnt werden. Das können und werden wir so nicht hinnehmen. Die Wirtschaft bringt größtmögliche Opfer, um Menschenleben durch eine verlangsamte Krankheitsausbreitung zu retten und dies wird an anderer Stelle leichtsinnig verspielt.

 

Wie wollen und können Sie den Händlern und Gastronomen helfen?

Gestern hat der Landkreis Schmalkalden-Meiningen ein Paket von einer Millionen Euro für Hilfen an Gastronomen, Händler, Frisöre u. a. Kleingewerbetreibende geschnürt. Dieses Paket wird unkompliziert und schnell helfen. Ich bin dem Landkreis sehr dankbar dafür, weil die Kleinunternehmer jetzt schnellstmöglich Hilfe brauchen und sie brauchen Vertrauen, dass Ankündigungen, wie wir sie aus Berlin und Erfurt hören, auch Taten folgen. Leider haben bislang weder Erfurt noch Berlin bislang konkret geliefert. Umso wichtiger war der Schritt aus Meiningen.

Wir halten Richtung Erfurt intensiven Kontakt, um die Empfehlungen aus den Gesprächen mit den Unternehmen weiterzugeben und durchzusetzen. In Einzelfällen stundet die Stadt Schmalkalden soweit sie Eigentümerin von Gewerbeimmobilien ist betroffenen gewerblichen Mietern für zirka drei Monate die Mietzahlungen. Ähnlich verfährt unsere städtische Wohnungsgesellschaft bei gewerblichen Mietern.

 

Gibt es noch etwas Anderes als Corona?

Kaum. Wir entwickeln aber Ideen, was wir der Krise Positives abgewinnen können. Wir merken, dass die Menschen sich bewusst sind, dass die Einschnitte hier in Schmalkalden leichter zu ertragen sind als in einer kleinen Wohnung in irgendeiner Großstadt. Wir spüren, dass das Thema Familie eine größere Bedeutung bekommt, so wie auch der Begriff und der Wert "Heimat". Wenn wir jetzt schnell die richtigen Entscheidungen treffen und es uns gelingt, die Menschen gut durch die Viruskrise zu führen und am Ende die Wirtschaftsstruktur besteht, wie wir sie kennen, können wir davon profitieren.

Ein gutes und erfülltes Leben hängt nicht allein von einer immer schnelleren und weitreichenderen Globalisierung ab und findet auch nicht immer in den Metropolen dieser Welt statt. Vielleicht hilft uns die aktuelle Situation, uns über den Sinn und den Wert des Lebens nachzudenken. Wir, konkret die Stadtverwaltung, wollen alles dafür tun, aktuell und künftig, ein gutes und erfülltes Leben in unserer Stadt zu gewährleisten. Das Leben geht also in unseren Planungen weiter und wir arbeiten an den Stadtentwicklungszielen. Diese im Detail darzustellen braucht aber einen extra Artikel.

 

Was möchten Sie den Schmalkaldern mitgeben?

Bitte nehmen Sie zu ihrem Schutz und zum Schutz ihrer Freunde, Familienangehörigen und Nachbarn die ordnungsrechtlichen Verfügungen ernst. Beachten Sie die hygienischen Anforderungen. Passen Sie ihr Sozialverhalten an und nutzen Sie gerade jetzt die digitalen Möglichkeiten zur Kommunikation. Verlieren Sie nicht den Mut. Helfen Sie Bedürftigen. Bleiben Sie gesund. Wir tun gemeinsam alles, mittelfristig aus dieser Krise gestärkt hervorzugehen. Wir sind schließlich Schmalkalder!

Interview: Susann Schönewald

Autor

Redaktion
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
20. 03. 2020
13:32 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Baubehörden Bauhöfe Coronavirus 19 Gastronominnen und Gastronomen Kinder und Jugendliche Kommunalverwaltungen Krisen Mieterinnen und Mieter Nato Response Force Ordnungsrecht und Polizeirecht Polizei Städte Thomas Kaminski Wohnungsunternehmen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Susann Schönewald.

23.03.2020

Zeichen der Hoffnung und Menschlichkeit

Dunkle Schaufenster, verschlossene Türen, leergefegte Plätze und Straßen. Nur wenige Menschen waren am Montag in Schmalkaldens Innenstadt unterwegs. Und diejenigen, die sich beim Einkauf oder Spaziergang begegneten, hiel... » mehr

Schwere Technik kam auf der Fläche gegenüber des technischen Denkmals "Neue Hütte" zum Einsatz. Fotos (2): Annett Recknagel

22.03.2020

Häcksler statt Schneepflug am Unimog

Wegen des fehlenden "richtigen" Winters sorgten Bauhofmitarbeiter in dieser Zeit entlang vieler Wege in Schmalkalden für Ordnung - die Technik wurde entsprechend umgestellt. » mehr

Deutscher Reisepass

19.03.2020

Mann aus Brotterode-Trusetal will noch Pass für die Türkei

Die Deutschen werden wegen der Corona-Welle aus aller Welt nach Hause geflogen, doch einige Menschen haben von der Rückholaktion noch nie etwas gehört. » mehr

Für den Fahrstuhl und hellen Eingangsbereich wurde eine Wohnung "geopfert".

18.10.2019

Runderneuerte Platte mit modernem und schickem Outfit

Plattenbauten haben trotz ihres schlechten Rufes und ihres monotonen Aussehens eine Überlebenschance. Neuestes Beispiel: Der Gebäudekomplex Martin-Luther-Ring 25-37 in Schmalkalden. » mehr

Der Weg ist frei, barrierefrei: Von links Bürgermeister Thomas Kaminski, Aufsichtsratsvorsitzender Klaus-Dieter Kaiser, Geschäftsführer Stefan Barwinek, Ronald Hey vo, Architekturbüro bpi.

17.10.2019

Runderneuerte Platte mit modernem und schicken Outfit

Plattenbauten haben trotz ihres schlechten Rufes und ihrem monotonem Aussehen eine Überlebenschance. Neuestes Beispiel: Der Gebäudekomplex Martin-Luther-Ring 25-37. » mehr

Dieser Zettel wurde am Freitag am Schmalkalder Gymnasium angebracht.

13.03.2020

Schüler in Scharen nach Hause geschickt

Ab Dienstag schließt Thüringen bis zum Ende der Osterferien Schulen und Kindergärten. Veranstaltungen werden abgesagt, Gottesdienste fallen aus. Alles Maßnahmen, um eine eine weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verhin... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Sperrung vor Neustadt am Rennsteig Neustadt am Rennsteig

Sperrung Neustadt am Rennsteig | 23.03.2020 Neustadt am Rennsteig
» 4 Bilder ansehen

Brand in Katzhütte Katzhütte

Brand Katzhütte | 23.03.2020 Katzhütte
» 4 Bilder ansehen

inbound3887575027251749210

#Ichbleibdaheim |
» 8 Bilder ansehen

Autor

Redaktion

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
20. 03. 2020
13:32 Uhr



^