Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Litfasssäule

Vorhang auf zur neuen Spielzeit!

Vorhang auf - Licht an!, heißt es zur Eröffnungsmatinee der neuen Spielzeit am Sonntag, 15. September, im Großen Haus des Meininger Theaters. Die erste Premiere geht bereits mit Henrik Ibsens "John Gabriel Borkman" am 13.



Lessings "Minna von Barnhelm" mit Björn Boresch und Dagmar Poppy, inszeniert von Ansgar Haag - Wiederaufnahme ist am 21. September.	Foto: Sebastian Stolz
Lessings "Minna von Barnhelm" mit Björn Boresch und Dagmar Poppy, inszeniert von Ansgar Haag - Wiederaufnahme ist am 21. September. Foto: Sebastian Stolz   » zu den Bildern

Vorhang auf - Licht an!, heißt es zur Eröffnungsmatinee der neuen Spielzeit am Sonntag, 15. September, im Großen Haus des Meininger Theaters. Die erste Premiere geht bereits mit Henrik Ibsens "John Gabriel Borkman" am 13. September über die Bühne. Im Gespräch bietet Intendant Ansgar Haag vorab Einblicke in den neuen Spielplan.

 

Haben Sie sich während der Theaterferien gut erholt?

Wir waren in Kanada bei Verwandten zu Besuch und in den Rocky Mountains und an vielen Seen unterwegs. Es war eine schöne Zeit.

 

Worauf freuen Sie sich als Intendant in der neuen Spielzeit?

Es gab in der vergangenen Spielzeit einen erfreulichen Zuwachs an Akzeptanz. Bei den Zuschauern hatten wir einen überragenden Publikumstourismus. Und im Ensemble stabilisierte sich nach großem Personalwechsel die Stimmung. Der neue Schauspieldirektor Tobias Rott, die neue Operndirektor Corinna Jarosch und die neue Verwaltungsdirektorin Karolin Loh sind zu einem guten Team zusammengewachsen. Das freut mich sehr, so können wir gut in die neue Spielzeit starten.

 

Und worauf freuen Sie sich als Regisseur?

Vor allem auf die Uraufführung der Oper "Gespenster" von Torstein Aagaard-Nilsen. Das Schauspiel von Ibsen haben wir in Meiningen schon aufgeführt. Die Oper erzählt die Geschichte aus neuer Sicht und hat auch ein anderes Ende. Der norwegische Komponist, von dem wir schon drei Werke in unseren Sinfoniekonzerten aufgeführt haben, übernimmt die Arbeit von uns als Auftragswerk. Seine Oper hat er für die Stimmen unserer Solisten geschrieben. Ein Glücksfall! Zumal der norwegische Staat das Auftragshonorar übernehmen wird. Darüber hinaus freue ich mich als Regisseur auf ein Monologstück, das wir zusätzlich in den Spielplan aufnehmen und im November in den Kammerspielen zur deutschsprachigen Erstaufführung bringen. Die Idee entstand zum Gastspiel der La Compagnie aus Paris während unserer Festwoche im April dieses Jahres. Eine Schauspielerin, Roxane Kasperski, erzählte mir von ihrem Stück, das sie in Paris auch selbst spielt. Es thematisiert die Krise einer jungen Frau, die einen depressiven Ehemann hat. Ich habe den Text jetzt ins Deutsche übersetzt unter dem zweideutigen Titel "Meine verrückte Liebe". Dagmar Poppy, die derzeit die Minna von Barnhelm gibt, wird die Rolle übernehmen.

 

Henrik Ibsens Schauspiel "John Gabriel Borkman" kommt als erste Premiere der neuen Spielzeit auf die Große Bühne. Damit wird eine Tradition des Meininger Theaterherzogs, der dem Norweger zum Durchbruch verhalf, weitergeführt. Seinerzeit provozierte Georg II. politische Auseinandersetzungen. Wie aktuell sind Ibsens Themen heute noch?

Ibsens Auseinandersetzungen mit der Gesellschaft und Demokratie kann man eins zu eins in unsere heutige Zeit übernehmen. Das Schicksal dieses ehemaligen Bankiers, der durch eine illegale Transaktion seine Bank zugrunde gerichtet hat und dafür eine Gefängnisstrafe absaß, könnte sich heute genauso zutragen. Im Kern steckt für mich darin der aktuelle weltpolitische Konflikt zwischen Trump und China. Ich habe große Sorgen vor den nächsten Wahlen in den USA.

 

Beim Blick auf die Titel der Premieren fällt auf, dass sowohl im Musiktheater als auch im Schauspiel viele unbekannte Stücke auf die Bühne kommen. Liegt dahinter eine konzeptionelle Absicht?

Thüringen feierte die beiden großen Jubiläen 100 Jahre Bauhaus und 100 Jahre Weimarer Republik. Mit Blick auf diese Zeit haben wir den "Hinkemann" von Ernst Toller für die Kammerspiele - Premiere ist am 3. Oktober - und Carl Sternheims "Die Kassette", die am 24. April 2020 auf die Große Bühne kommt, ausgewählt. Beides sind Stücke, die in jenen Jahren entstanden sind und sich mit dem entstehenden Kapitalismus in der Nachkriegszeit und der Weimarer Republik kritisch auseinandersetzen. Im Musiktheater möchten wir vor allem Neues und Unbekanntes machen, auch wenn das ein Risiko bedeutet. Aber als Intendant und Regisseur habe ich fast alle bekannten Stücke durch. Mit Othmar Schoecks Oper "Schloss Dürande" haben wir in der vergangenen Spielzeit ein unbekanntes Werk ausgegraben. Mit der Puccini-Oper "La Rondine" führen wir diese Richtung fort. Wir können das Stück mit unseren eigenen Solisten besetzen und damit die Idee des Ensembletheaters hochhalten. Zudem bietet "La Rondine" eine Paraderolle für unsere Sopranistin Elif Aytekin.

 

Die erfolgreiche Musical-Serie wird mit "Der Mann von La Mancha" fortgesetzt. Besitzt das Musical die musikalische Zugkraft seiner Vorgänger wie "Evita" oder "Blues Brothers"?

Da bin ich mir sicher. Natürlich ist "Der Mann von La Mancha", der am 11. Oktober auf der Großen Bühne Premiere hat, nicht so populär wie "Evita", aber musikalisch viel anspruchsvoller. Denn "Evita" hat eigentlich nur den einen berühmten Song "Weine nicht um mich Argentinien". In den "Blues Brothers" gibt‘s nur große Hits, aber zum Musical gemacht hat die Songs erst unser Regisseur Dietmar Horcicka, der nach der Filmvorlage eine Textfassung schrieb. Wir werden die "Blues Brothers" in diesem Herbst neben "Der Mann von La Mancha" weiterspielen. Dieses Musical wurde in den 1960er Jahren im Westen an vielen Theatern mit Riesenerfolgen aufgeführt. Ich vertraue auf unseren Gastregisseur Kurt Josef Schildknecht, der schon "Evita" inszenierte, dass er auch diese Produktion publikumswirksam mit Michael Jeske als Don Quixote sowie einem sing-, spiel- und tanzfreudigen Chor auf die Bühne bringen wird.

"Der fliegende Holländer" von Wagner kommt in Kooperation mit dem Theater Ulm auf die Meininger Bühne. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit der beiden Theater?

Es gibt einen Austausch von zwei Produktionen. Das Theater Ulm übernimmt meine Inszenierung der Donizetti-Oper "Lucia di Lammermoor" und wir bekommen das Bühnenbild und den Regisseur zu Wagners "Der fliegende Holländer". Das entlastet zum einen unsere Werkstätten und damit vor allem unseren Etat.

 

Eine weitere Zusammenarbeit gibt es mit der Oper Bytom/Katowice zur Puccini-Oper "La Rondine". Wie kam es zum Kontakt mit diesem polnischen Theater?

Über einen polnischen Sänger, der in Meiningen engagiert war, gibt es schon seit vielen Jahren Kontakte zum Theater in Wroclaw, die nun mit der Oper Bytom/Katowice konkret werden. Ursprünglich wollten sie von uns eine polnische Oper haben, was wegen der Sprache schwierig geworden wäre. Ich habe eine italienisch gesungene Oper und hierzu Puccinis "La Rondine" vorgeschlagen. Darauf haben wir uns geeinigt. Der Intendant der Oper Bytom/Katowice war kurz vor den Theaterferien in Meiningen und hat sich alles angesehen. Wir möchten mit dieser Koproduktion eine kulturelle Brücke zu Polen schaffen und ein politisches Zeichen setzen.

 

Im September gibt es auf der Großen Bühne ein englischsprachiges Gastspiel zu Shakespeares "Romeo und Julia". Im Dezember folgt Charles Dickens "Weihnachtsmärchen". Was erwartet die Zuschauer?

Die beiden Gastspiele sind auf Wunsch der beiden Meininger Gymnasien in den Spielplan aufgenommen worden. Wir hatten sie schon zwei-, dreimal am Landestheater Eisenach, immer vor ausverkauftem Haus. Hinter der American Drama Group steht eine französische Theatertruppe aus Straßburg, die von einem gebürtigen US-Amerikaner geleitet wird. Mit ihren englischsprachigen Aufführungen reist die Truppe vor allem durch Frankreich.

 

Interview: Carola Scherzer

Autor

Redaktion
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
29. 08. 2019
00:00 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Ansgar Haag Blues Blues Brothers Charles Dickens Ernst Toller Georg II. Henrik Ibsen Intendantinnen und Intendanten Komponistinnen und Komponisten Landestheater Musical Musiktheater Norwegische Komponisten Oper Regisseure Sänger Theater Ulm
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
"Der Erste" von Landolf Scherzer sorgte für Furore. Hans-Joachim Rodewald (vorn) spielte die Titelrolle, hier mit Ulrich Kunze (links) und Helge Lang.	Foto: Archiv

25.09.2019

Heißer Meininger Theaterherbst 89

Heiß war er, der Meininger Theaterherbst 89. Er endete mit der Premiere von "Der nackte Wahnsinn" am 9. November. » mehr

Konstantin Wecker gastiert mit Jo Barnikel und seinem Programm "Solo zu zweit" am 28. Juli im Schlosshof der Elisabethenburg. Foto: Thomas Karsten

03.01.2018

Vorfreude auf Rennhack, Fitzek, Wecker, Uthoff und die Räuber

Alle Jahre wieder fragen wir zu Beginn des Jahres Künstler und Kulturleute nach dem, worauf sie sich freuen. Damit sich unsere Leser auf Kommendes mit freuen können. » mehr

Nach dem umjubelten Konzert von Nils Landgren zu den Thüringer Bachwochen 2018 im Meininger Theater (Foto) gibt es ein Wiedersehen und -hören mit dem schwedischen Star-Posaunisten zur Grasgrün-Sommerkultur am 17. August im Meininger Schlosshof. Foto: Volker Pöhl

02.01.2019

Meininger Kulturjahr 2019 bringt Bewährtes und Neues

Das neue Jahr beginnt nicht nur mit guten Vorsätzen. Tatenfreudig und voller Lust auf Kommendes wird es angegangen. Worauf sich die "Macher" des Meininger Kulturjahres 2019 freuen, verraten sie in unserer Umfrage. » mehr

Konzerte der Meininger Hofkapelle im Dampflokwerk haben inzwischen Tradition, zum sechsten Mal spielen die Musiker in der Lokhalle auf. Foto: Archiv/V. Pöhl

27.06.2018

Das Wichtigste für ein Orchester: Vielfalt von Werken und Stilen

Mit den beiden Konzerten im Dampflokwerk endet am kommenden Wochenende die Konzertsaison der Meininger Hofkapelle. GMD Philippe Bach blickt im Interview auf eine Vielfalt an Themen, Werken und musikalischen Stilen der da... » mehr

Die Puccini-Oper "Tosca", die mit Camilla Ribero-Souza in der Titelpartie in der Regie von Ansgar Haag im September am Meininger Theater zur Premiere kam, ist einer der Favoriten unserer Litfaßsäule-Umfrage. Foto: Marie Liebig

29.11.2017

Kulturerlebnisse, die über das Jahr 2017 hinaus wirken

Gerade mal hat es begonnen und schon geht es wieder zu Ende - das Jahr 2017. Kulturell war in Meiningen wieder viel los. Genau 1099 Veranstaltungen gab es. Was wird davon bleiben? Wir fragten Kulturfreunde. » mehr

Ben Becker gehört mit seinem "Ich, Judas" zu den beeindruckendsten Kulturerlebnissen des Jahres 2016 . Foto: C. Scherzer

01.12.2016

Was von der Fülle der Kultur über das Jahr hinaus bleiben wird

Das Meininger Kulturjahr 2016 geht zu Ende. Rund 1000 Veranstaltungen hat es wieder geboten. Viel zu viel, um alles wahrnehmen zu können. Da muss jeder selbst auswählen. Was bleibt davon am Ende? Kulturfreunde antworten. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Unfall B 281 Sachsenbrunn Sachsenbrunn

Unfall B281 Sachsenbrunn | 16.10.2019 Sachsenbrunn
» 14 Bilder ansehen

Gebäudebrand Merbelsrod Merbelsrod

Gebäudebrand Merbelsrod | 15.10.2019 Merbelsrod
» 14 Bilder ansehen

Ausschreitung Asylheim Suhl Suhl

Ausschreitung Asylheim Suhl | 15.10.2019 Suhl
» 11 Bilder ansehen

Autor

Redaktion

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
29. 08. 2019
00:00 Uhr



^