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Meiningen

In Leidenschaft entbrannt fürs Musizieren

Um Leidenschaften ging es im musikalischen Schauspiel, das Schüler des Musikgymnasiums Belvedere anlässlich der Thüringer Liszt-Biennale in Meiningen aufführten.



In einer selbst erdachten Szene zum Thema "Leidenschaft" wurde klassische Musik und wie sich andere darüber lustig machen, vorgeführt. Foto: Ulrike Scherzer
In einer selbst erdachten Szene zum Thema "Leidenschaft" wurde klassische Musik und wie sich andere darüber lustig machen, vorgeführt. Foto: Ulrike Scherzer  

Meiningen - In Sondershausen wurde am Mittwoch die Liszt-Biennale mit dem Pianisten Enrico Pace eröffnet. Bereits zwei Stunden vorher setzten sich Schülerinnen und Schüler des Musikgymnasiums Schloss Belvedere aus Weimar im Meininger Konzertsaal "Johannes Brahms" mit dem diesjährigen Thema "Leiden und Leidenschaften" auseinander.

Unter dem Titel " … und die Leidenschaft entflammte mich - Ein musikalisches Schauspiel" brachten 16 Neuntklässler des Musikgymnasiums ihr musikalisches Schauspiel zur Aufführung. Wobei es kein Schauspiel im klassischen Sinne werden sollte, so verriet Schauspieler Bernd Lange vom Deutschen Nationaltheater Weimar vorab. Er selbst hatte bei der Erarbeitung der kreativen Collage aus Literatur, Zitaten, Musik und persönlichen Szenen der Jugendlichen die Regie und Konzeption inne, gemeinsam mit dem Klassen- und Musiklehrer Marian Grosew wurde das Stück, das die Schülerinnen und Schüler in Meiningen zur Premiere brachten, einstudiert.

Lob für Zusammenarbeit

Lange lobte die gute Zusammenarbeit mit der Meininger Max-Reger-Musikschule und freute sich, dass viele Besucher vor der Hitze den Weg in die kühle Schlosskirche fanden. Tatsächlich erfrischend waren für das Publikum die Ideen der jungen Künstler. So interpretierten zunächst alle gemeinsam in einem Arrangement von Claudia Buder Brahms‘ Ungarischen Tanz Nr. 5. Dazu betraten sie nach und nach die Bühne: Ein Percussionist, Fagott, Gitarre, zwei Celli, drei Blockflöten, Akkordeon und fünf Violinisten. Gleich darauf überlegten sie fiktiv, was ihnen zum Thema " …und die Leidenschaft entflammte mich" einfiele. "Wer hat sich das denn ausgedacht!?", stöhnte die ganze Klasse zunächst einhellig. Gitarrist Matteo Hornig sang einfallsreich erwidernd: "Ich brech‘ die Herzen der stolzesten Frau’n".

Übers Smartphone waren anschließend schnell einige passende Zitate zum Thema Leidenschaft von Liszt, Hebbel, Goethe, Diderot und natürlich Shakespeare bei der Hand. Was läge hier näher als dessen berühmtes Drama "Romeo und Julia". Also schlüpften vier Akteure nahtlos in die Rolle des Liebespaares und der beiden verfeindeten Parteien um Mercutio und Tybalt.

Über ihre ganz persönlichen Leidenschaften, fernab von dramatischen Lieben, erzählten die talentierten Schülerinnen und Schüler sehr individuell. Für Patricia Kudryová gibt es neben dem Cello noch das Horn, so nennt sie die beiden "Romeo und Julia". Denn obwohl sie so verschieden seien, passten sie doch gut zusammen. Johanna Schneegans wiederum erzählte von ihren beiden Leidenschaften: dem Leistungssport Karate und der Blockflöte. Am Ende musste sie sich für eins entscheiden und sich den Fragen zu ihrem Instrument stellen: Steigst du noch auf was anderes um, das ist doch nur ein Anfängerinstrument? Dass dem nicht so ist, bewies sie gemeinsam mit ihren Trio-Partnern Anna Magdalena Förster und Florian Adler zu Georg Philipp Telemanns "Dolce".

Liebe zum Instrument

Von dem Leiden mit der Musik erzählten außerdem Schlagzeuger Jarmo Kumkar, der für seine Begeisterung für klassische Musik zunächst ausgelacht wurde. Gegen alle Häme und die Empfehlung, zum Psychiater zu gehen, ging er lieber aufs "Belv" - das Weimarer Musikgymnasium. Mit Humor erzählte Fagottistin Marie Elisabeth Wurzbach vom Leiden ihrer Eltern über die Wahl ihres "unansehnlichen, lauten" Instrumentes.

Neben diesen "Leidens-Geschichten" brachten die jungen Musiker immer wieder zum Ausdruck, dass sie durch ihr Instrument einen besten Freund gefunden hätten und mit ihm Gefühle zeigen können, die in Worten manchmal schwer fallen würden. So zum Beispiel Julia Lehnert am Klavier oder Elisabeth Donath mit ihrer beeindruckenden Komposition, die direkt aus ihrem Herzen käme, wie sie zuvor erklärte. Entsprechend emotional berührend wirkte die Interpretation ihrer Klassenkameraden Marlin Flagmansky (Violine), Nina Götze (Violoncello) und Julia Lehnert (Klavier).

Musikalisch passende Werke fanden sich außerdem mit Kurt Weills "Lied der Seeräuber-Jenny", das Sophie Schenk, begleitet von Jarmo Kumkar am Klavier, voller Überzeugung darbot. Ihre sonstige Leidenschaft gehört dem Orgelspiel, wie sie später am selbigen Instrument vorführte. Es fehlten natürlich auch nicht die Liebesbriefe von Robert und Clara Schumann sowie dessen Vertonung von Heinrich Heines "Ein Jüngling liebte ein Mädchen".

Das von den jungen Akteuren gebotene Programm setzte sich also mit der ganzen Bandbreite des literarisch-philosophisch-musikalisch und individuellen Themas "Leidenschaft" auseinander. Kreativ und voller Begeisterung wussten sie ihr Publikum zu bannen und schlossen mit der entsprechenden Komposition "Leidenschaft" ihres Musiklehrers Marian Grosew.

Die Spenden für dieses Konzert im Brahmssaal kommen dem "Kinderhospiz Mitteldeutschland Nordhausen e.V." zugute.

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Ulrike Scherzer
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Veröffentlicht am:
07. 06. 2019
00:00 Uhr

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Autor

Ulrike Scherzer

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Veröffentlicht am:
07. 06. 2019
00:00 Uhr



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