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Meiningen

Feuerwehrnachwuchs in der Pflicht

Einsatz für die Jugendfeuerwehr lautete die Alarmierung letztes Wochenende im Meininger Feuerwehrgerätehaus. 22 Jungen und Mädchen der Wehren Meiningen, Helba und Walldorf waren zum 24-Stunden-Dienst angetreten.



Der Verletzte konnte nach dem Unfall mit dem Gabelstapler unter dem Holzstapel befreit werden.
Der Verletzte konnte nach dem Unfall mit dem Gabelstapler unter dem Holzstapel befreit werden.   » zu den Bildern

Meiningen - Sommer und Ferienzeit - dazu gehört für die Meininger Jugendfeuerwehr auch jedes Jahr ein besonderes Ferienerlebnis. War es im vergangenen Jahr das gemeinsame Zeltlager, stand heuer wieder der sogenannte "24-Stunden-Dienst" auf dem Ferienfreizeit-Programm und zwar zum nunmehr 6. Mal. Was im Sommer 2009 zunächst als "Versuchsballon" gestartet war, ist inzwischen zu einem besonderen Highlight in der Ferienfreizeit geworden. Zwar ist der Ausbildungsplan der Jugendfeuerwehr vielseitig und anspruchsvoll, sich jedoch in einer realistischen Situation zu bewähren, ist etwas ganz anderes.

Fiktiver Dienst

"Sinn und Zweck dieses Projektes ist es, unsere Jugendfeuerwehrmitglieder unter Beachtung der für sie gültigen Unfallverhütungsverordnung (UVV) mit dem Alltag der Feuerwehr vertraut zu machen. Es ist in gewissem Sinne ein Training zur Förderung von Teamfähigkeit, dem Abrufen von Erlerntem, selbstständigem Erkennen von Gefahrensituationen und richtigem Verhalten am Einsatzort", erklärte Stadt-Jugendfeuerwehrwart Olaf Linser die Aufgabenstellung. Das Szenario ist ein fiktiver 24-Stunden-Dienst in einer "Berufsfeuerwehr ".

Vor den 22 Mädchen und Jungen aus den Jugendfeuerwehren Meiningen, Helba und Walldorf mit ihren Jugendgruppenleitern standen jedenfalls spannende Stunden, als sie sich am Samstagmorgen im Meininger Gerätehaus einfanden. Zur Eröffnung war neben Stadtbrandmeister Michael Friedrich auch Ulrich Töpfer in Vertretung von Bürgermeister Fabian Giesder gekommen. "Es ist toll, dass ihr so etwas auf die Beine stellt und mit Begeisterung bei der Sache seid. Ihr seid das beste Beispiel dafür, wie sinnvolle Freizeitgestaltung aussehen kann. Ich denke, unsere Feuerwehr muss sich keine Sorgen um den Nachwuchs machen" stellte Ulrich Töpfer fest.

Sichtlich aufgeregt erwarteten die Akteure den Startschuss für die Aktion. Die Fahrzeuge standen bereit, aber erst einmal richtete man sich häuslich ein, denn natürlich wurde auch im Gerätehaus übernachtet.

Authentische Situation

Während die Mädchen im Untergeschoss die Räume der Jugendfeuerwehr als Nachtquartier zugewiesen bekamen, schlugen die Jungs ihr Lager im Schulungsraum auf. Dann konnte das Abenteuer beginnen. Lange mussten sie nicht warten, da kam auch schon die erste Alarmierung aus der extra dafür eingerichteten Einsatzleitstelle des Gerätehauses. Da war zunächst Wissen und Können in Sachen Tierrettung angesagt. Im Helbaer Feuerlöschteich steckte ein Hund in einem Zulauf fest, eine Katze musste von einem Dach gerettet werden und zu guter Letzt war auch noch eine Ziege ausgebüxt, die einzufangen war. Das alles erforderte die vorschriftsmäßige Anwendung all dessen, was die Mädchen und Jungen in der theoretischen Ausbildung gelernt hatten. Es ging aber auch um den richtige Umgang mit verschreckten Tieren, die Eigensicherung, um Teamgeist und um Disziplin.

Nach dem Mittagessen blieb nicht viel Zeit zum Ausruhen, denn der nächste Einsatz rief bereits zum Ausrücken und zwar nach Sülzfeld. Vor Ort erwartete die 22-köpfige Einsatzgruppe eine schwierige Situation. Bei einem Gebäudebrand mussten in einem völlig vernebelten Raum nach vermissten Personen gesucht und zugleich die Brandbekämpfung eingeleitet werden. Außerdem galt es, Schwerverletzten zu versorgen. Damit das Ganze auch so authentisch wie möglich dargestellt werden konnte, waren diese durch DRK-Mitglieder professionell geschminkt worden. Der "Einsatz" mit Atemschutztechnik war zudem eine besondere Herausforderung. In diesem speziellen Fall kam natürlich nur die "entschärfte" Variante in Frage. Für die Mädchen und Jungen erwies sich das aber trotzdem als eine ganz besondere Erfahrung. Selbstverständlich wurde die Sicherheit der Kinder und Jugendlichen zu keiner Zeit außer Acht gelassen. Der Einsatz war noch nicht richtig beendet, da kam schon die nächste Alarmierung: Ölspur in Dreißigacker. Also rasch in die Fahrzeuge und auf zum neuen Einsatzort.

Zurück im Gerätehaus musste dann als erstes die Einsatzbereitschaft der Fahrzeuge wieder hergestellt werden, denn nach dem Einsatz ist bekanntlich vor dem Einsatz. Dann wartete das wohlverdiente Abendessen in Form von Bratwürsten auf die Mädchen und Jungen. Kaum hatte man sich zusammengesetzt, um den Tag gemeinsam auszuwerten, wurde erneut alarmiert. Verkehrsunfall mit zwei eingeklemmten Personen im Industriegebiet Rohrer Berg - so die Information von der Leitstelle. Und wieder rückte man aus. Der Rettungseinsatz klappte auch sehr gut und die "Einsatzkräfte" waren bereits am Abrücken, da kam die Folge-Alarmierung. Das Unfallfahrzeug hatte Feuer gefangen, denn eine zweite Batterie war im Autowrack übersehen worden.

Spannung und Action

Nach diesem ereignisreichen Tag ging es dann im Gerätehaus ans Betten aufbauen und die Vorbereitungen für die Nachtruhe. Doch bis zum Einschlafen dauerte es doch eine Weile, denn es gab ja noch so viel zu diskutieren über das Erlebte. Kaum war am nächsten Morgen das Frühstück beendet, ging schon der nächste Notruf ein. In der Tischlerei Döll in Dreißigacker war es zu einem "Arbeitsunfall" im Holzlager gekommen. Der Fahrer eines Gabelstaplers hatte offenbar einen Schwächeanfall und die Kontrolle über das Fahrzeug verloren. Der nicht vorschriftsmäßig gesicherte Holzstapel stürzte herab und eine Person wurde darunter verschüttet. Umsichtiges Herangehen, Absicherung des Fahrzeuges und der Unfallstelle, aber zugleich auch die Beachtung der Eigensicherung - all das galt es anzuwenden. Dazu gehörte beispielsweise, dass der Gabelstapler-Fahrer, der sich in einem verwirrten Zustand befand, erst einmal beschwichtigt und von der Unfallstelle weggebracht werden musste. Der Verletzte unter dem Holzstapel wurde beruhigt, bis er befreit werden konnte. Gleichzeitig war der Rettungsdienst zu informieren.

Bis dieser eintraf, übernahmen die jugendlichen Einsatzkräfte die Erstversorgung. Bei dieser Technischen Hilfeleistung ging es darum, mit Umsicht und unter Anwendung der theoretischen Kenntnisse eine Vielzahl von Aufgaben und Anforderungen gleichzeitig zu realisieren. Doch der Floriansnachwuchs schlug sich wacker, wie auch Stadtjugendfeuerwehrwart Olaf Linser abschließend bestätigte. "Es klappte alles sehr gut, vor allem das Miteinander. Ich bin sehr zufrieden mit dem, was unsere Jugendfeuerwehr gezeigt hat. Man merkt, wie bewusst die Kinder und Jugendlichen das alles wahrgenommen haben und mit welchem Ehrgeiz, alles richtig zu machen, sie an die Sache herangegangen sind", fasste er seine Beobachtungen zusammen.

Aufregende Stunden

Für die 22 Mädchen und Jungen waren es auf jeden Fall aufregende 24 Stunden. Auch wenn es nur ein "Spiel" war in diesem Fall - die Spielregeln haben alle sehr ernst genommen. Und ganz sicher haben sie viel gelernt in diesen 24 Stunden. "Natürlich gibt es immer Dinge, an denen wir arbeiten müssen, aber das ist ja der Sinn der Sache", unterstrich Olaf Linser. Doch ein solches Projekt braucht immer auch die Unterstützung von Eltern, die sich um die Verpflegung kümmern, von DRK-Mitgliedern, die Hilfestellung geben, von Sponsoren, die ein Herz für den Feuerwehrnachwuchs haben oder von den Kameraden der Alters- und Ehrenabteilung, die sich mit einbringen. Nicht zuletzt sind es auch Mitglieder der Einsatzabteilung, die ihre Freizeit gern opfern, um der Jugendfeuerwehr zur Seite zu stehen. Das alles zahlt sich letztendlich auch aus - immerhin hat die Jugendfeuerwehr inzwischen knapp 90 Mitglieder.

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Karla Banz
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Veröffentlicht am:
19. 07. 2018
00:00 Uhr

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Karla Banz

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19. 07. 2018
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