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Meiningen

Erfolgreiches Jubiläum für junge Slammer

Seine erfolgreiche Premiere im Volkshaus feierte der 10. Poetry Slam zur Meininger Frühlingslese am Donnerstagabend.



Leticia, Birdy, Inke und Andreas In der Auf (von links vorn ); Johannes, Friedrich und Moderator Felix Römer (hinten von links). Foto: Carola Scherzer
Leticia, Birdy, Inke und Andreas In der Auf (von links vorn ); Johannes, Friedrich und Moderator Felix Römer (hinten von links). Foto: Carola Scherzer  

Meiningen - "Begeistern ist einfach", steht auf einem Werbeplakat der Rhön-Rennsteig-Sparkasse, dem Hauptsponsor der Meininger Frühlingslese, auf der Bühne im Volkshaus. Und die sieben Slammer, einschließlich Moderator, lösen das Versprechen an diesem Abend ein. Erstmals im Volkshaus, eine besondere Premiere also. Felix Römer, der den Poetry Slam seit Beginn als Moderator begleitet, blickt deswegen zunächst zurück. Angefangen hat alles im Raw-Club, der schrägen, kuschligen Baracke neben dem Dampflokwerk - für Römer der "schönste Ort". Im Kulturhaus der Eisenbahner habe er sich wegen der Herzlichkeit "wie bei Muttern" gefühlt - die ehemalige Pächterin begrüßt er an diesem Abend unter den Besuchern.

Auch in Meiningen Kult

Vom dritten Ort, dem alten Kino, melden sich einige Fans, die sich dort ebenso wohlfühlten. Andere erinnern sich an die Kammerspiele und den Rautenkranz. "Also insgesamt sieben Orte", rechnet der Moderator zusammen. Und gratuliert den rund 250 Besuchern des Abends zum wieder eröffneten Volkshaus. Auf seine Frage, wer noch nie einen Meininger Poetry Slam besucht hat, meldet sich nur etwa eine Handvoll. Woran ursprünglich keiner glaubte, nämlich dass diese Form von Wettstreit unter jungen Literaten nur in Großstädten mit Studenten funktioniert, wurde eines Besseren belehrt. Poetry Slam ist Kult, inzwischen auch in der Kulturstadt Meiningen.

Da kommen aber längst nicht nur junge Leute. Das Alter ist gemischt, wobei der mittlere Jahrgang überwiegt. Auch die soziale Bandbreite ist unterschiedlich. In etwa gleich ist der Anteil an Frauen und Männern, anders als bei "normalen" Lesungen, wo immer die Frauen in der Mehrzahl sind. Gegenüber Lesungen mit gestandenen Autoren ist der Poetry Slam immer wieder ein Phänomen.

Drei junge Autorinnen und drei junge Autoren stellen sich der Zuhörer-Jury, die nach jedem Vortrag mit ihrem Applaus, oft stimmlich unterstützt, ihr Urteil abgeben. Paarweise treten die Slammer zunächst in drei Vorrunden an. Der 17-jährige Johannes Flöhr aus Kassel präsentiert sich als Comedian, improvisierend mit knappen witzigen Texten, darunter eine Folge von Fragen aller Art, wie: Wenn sauer lustig macht, warum verstehen dann Wutbürger keinen Humor? Leticia Wahl, ebenfalls aus Kassel, gewinnt gegen ihn mit ihrem poetischen Text über eine Liebesbeziehung, in der ihr Ich ein Teil ihres Geliebten wird, ohne Gleiches von ihm zurückzubekommen: "Ich träume vom Schweben .. und habe Angst vor dem Absturz".

Birdy aus Berlin trägt einen Text vor, der während ihres Studiums in Thüringen entstand. Darin thematisiert sie auf heitere Art ihre Leidensgeschichte als Übergewichtige. Sie begann mit ihrer Oma, die ihr schon als Achtjährige beim Essen die Fettwerte vorrechnete und endete als Studentin mit Einsicht, dass das Wichtigste im Leben ist, sich selbst zu mögen. Friedrich Herrmann aus Jena gewinnt gegen die Berlinerin mit seinem bildhaft verdichteten Text übers Zögern, Zweifeln und Zaudern. Mit Fäden, die er aus einem Knäuel zieht, vergleicht er seine eigene Entwicklung: Wie er dem Schulschläger Fabian nicht folgte und sich damit die Chance zum Helden vergab, und wie er sich später zaghaft einem Mädchen näherte und so seine Chance auf Liebe nicht nutzte.

Im dritten Duell stehen Andreas In der Au alias Aida aus Erfurt und Inke Sommerlang aus Halle/Saale im Wettstreit. Der 30-jährige Erfurter zeigt sich als schräger Comedian und gefällt trotz anfänglicher Texthänger mit seinem humorvollen Rap über Jugend-Slangs. Die Hallenserin interpretiert darauf ihr poesievolles Liebesgedicht über Gefühle, die nur "Ein Sommer lang" halten. Die Zuhörer lauschen ihrem Vortrag still und küren sie mit stürmischem Applaus zur dritten Vorrunden-Siegerin.

Nach einer Pause geht es mit Leticia, Inke und Friedrich in die letzte Vorrunde zum Finale. Inke unterliegt mit ihrem Text über heiße Partynächte als 17-Jährige in Berlin und das Ankommen bei sich selbst. Friedrich erhält Riesenapplaus für sein politisches Bekenntnis zum Deutschsein mit dem Fazit: Deutschsein ist okay, vor allem als Potenzial. Leticia trumpft mit Erotischem über eine "furzende" Fernbeziehung auf, die beim Sex "ein flaues Gefühl im Magen" auslöse. Sie hat damit nicht weniger Applaus auf ihrer Seite. So sind am Ende Friedrich und Leticia die beiden Sieger des 10. Meininger Poetry Slam und lassen dazu die Sektkorken auf der Bühne knallen.

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Carola Scherzer
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Veröffentlicht am:
08. 06. 2019
00:00 Uhr

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08. 06. 2019
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