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Meiningen

Ein bisschen wie auf dem Mars

Als erster Thüringer Landkreis hat Schmalkalden-Meiningen am 18. März einen Corona-Abstrich-Stützpunkt in Meiningen eingerichtet. Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen werden dort die wichtigen Tests durchgeführt.



Die Mitarbeiter der Abstrichstelle sind allesamt medizinisch geschultes Fachpersonal und kennen sich mit Hygienemaßnahmen gut aus. Sie sind bei der Arbeit komplett in Schutzausrüstung gehüllt. So ist auch der Abstrich durch das geöffnete Autofenster kein Sicherheitsrisiko. Fotos: Ralph W. Meyer
Die Mitarbeiter der Abstrichstelle sind allesamt medizinisch geschultes Fachpersonal und kennen sich mit Hygienemaßnahmen gut aus. Sie sind bei der Arbeit komplett in Schutzausrüstung gehüllt. So ist auch der Abstrich durch das geöffnete Autofenster kein Sicherheitsrisiko. Fotos: Ralph W. Meyer   » zu den Bildern

Meiningen - Es mutet ein wenig wie eine Mars-Mission an: In weiße Overalls gehüllt, die Hände mit doppelt aufgezogenen Gummihandschuhen geschützt, mit Atemmasken und Brille ausgestattet, steht das medizinische Fachpersonal bereit, um bei Patienten mit begründetem Covid-19-Verdacht den alles entscheidenden Abstrich zu machen. Ort des Geschehens ist allerdings nicht der ferne Rote Planet, sondern das Gelände des Meininger Berufsbildungszentrums in der Gartenstraße/Am Stiefelsgraben. Abgelegen, perfekt zu sichern und doch gut erreichbar. Das besondere an dieser Abstrichstelle ist die Verwandtschaft zu Drive-In-Stationen von Fastfood-Restaurants - die von Ärzten überwiesenen Patienten fahren zu einem fest bestimmten Termin mit dem Auto vor. Das schützt sie und die fünf Stützpunkt-Mitarbeiter.

Schon im Zufahrtsbereich Stiefelsgraben weisen Tafeln den Weg und erklären die Verfahrensweise für die Wartezone und die Einfahrt. Vor dem bewachten Tor müssen sie sich telefonisch im abgeschirmten Büro anmelden. Erst dann wird die Zufahrt gewährt. An Station 1 fotografiert ein "Marsmensch" die vom Patienten an die geschlossene Seitenscheibe gehaltene Gesundheitskarte. Mit dem Foto auf dem Handy-Bildschirm geht es nun an die Scheibe zum Büro durch die alle Patientendaten erfasst werden - kontaktlos. Das Auto ist unterdessen auf dem Hof vor der Ein-Feld-Turnhalle durch eine Pylonen-Gasse gefahren und steht nun wieder in Ausfahrtrichtung an einem weißen Pavillon. Dort warten zwei Mitarbeiter in Vollschutz bereits mit den Abstrich-Utensilien. Jetzt heißt es Scheibe runter, Mund auf. Und husten, damit eventuell vorhandene Coronaviren tatsächlich im Rachen abgestrichen werden können. "Das Stäbchen wird dabei tief in den Rachen eingeführt, bis kurz vor die Erbrechen-Grenze", erklärt Dr. Oliver Stahl. Der Obmann der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) für die Organisierung des hausärztlichen Notdienstes im Landkreis Schmalkalden-Meiningen kennt sich aus. Er hat die Station mit aufgebaut und betreut sie und vor allem das Team fachlich.

Ist der Abstich genommen, verschwindet das Stäbchen sofort in einer Röhre. Das wiederum wandert umgehend in eine im Außenbereich stehende Kühlbox. "Kontaminiertes Material gelangt so nie in das Gebäude", betont Dr. Stahl. Am Ende des Tages fährt ein spezieller Kurierdienst die Abstrich-Stationen Bad Salzungen, Hildburghausen und Meiningen an, um die rund 100 Proben in ein durch die KV vertraglich gebundenes Labor in Suhl zu bringen. Dort erfolgt dann über Nacht die Auswertung. Im Labor Ritschenhausen werden hingegen unter anderem die Proben aus den Arztpraxen sowie dem Helios-Klinikum Meiningen untersucht.

Termin erforderlich

Mit dem Aufbau der Teststrecke war der Landkreis am 18. März Vorreiter im Freistaat. "Andere haben allerdings mehr Wirbel gemacht", erklärt Oliver Stahl, warum dieser Umstand in der Öffentlichkeit kaum Beachtung fand. Seit dem 20. März erfolgt seinen Worten zufolge die Terminvergabe über die zentrale Leitstelle in Weimar. Dort läuft auch die Telefonnummer 116 117 auf. Ziel sei es gewesen, die Hausärzte zu entlasten. Wer glaubt, infiziert zu sein, kann auch heute noch diese Nummer wählen und wird nach den aktuellen Richtlinien des Robert-Koch-Instituts (RKI) befragt. "Nur wer auf unserer Liste steht, kann auch getestet werden." Wer vorsorglich, also ohne Diagnose, getestet werden möchte, muss den Abstrich aus der eigenen Tasche bezahlen. Für solch eine Vorsorgeleistung stellt die KV zwischen 130 und 150 Euro in Rechnung. Sechs Personen haben diese Möglichkeit bereits genutzt, gut die Hälfte davon, weil sie für die Arbeit im Ausland eine Negativ-Bestätigung benötigten.

Um die strengen Hygiene-Regeln einhalten zu können, kann maximal alle fünf Minuten ein Abstrich vorgenommen werden. Anfangs wurde in diesem Takt gearbeitet. "Bei den ersten fünf Terminen im März haben wir so bis zu 200 Personen getestet, manchmal auch zwei pro Auto." Polizei und Ordnungsamt sorgten dabei regelmäßig für zusätzliche Sicherheit im Wartebereich. Seit der Änderung der RKI-Richtlinien in der zweiten April-Woche werden die Termine im Zehn-Minuten-Takt vergeben. Das entspricht pro Termin 20 bis 26 Testungen. "Es werden im Landkreis aber nicht weniger Tests durchgeführt. Da die Hausarztpraxen nun über die nötige Schutzausrüstung verfügen, kann auch dort getestet werden." Zudem ist unterdessen das Notdienst-Auto für die Abnahme von Abstrichen bei Hausbesuchen ausgerüstet. Aktuell werden daher in der Gartenstraße pro Termin nur 12 bis 13 Patienten empfangen. In Summe sichere man aber den Bedarf gut ab.

Fehlerquote

Wer das Prozedere durchlaufen hat, darf sich dennoch nicht ganz sicher sein. Denn die Fehlerquote liegt bei 30 Prozent. Gründe dafür gibt es nach Angaben von Dr. Oliver Stahl einige. So kann zum Beispiel die Virusmenge im Rachenraum sehr schwanken. Aber auch die Qualität der Test-Materialien ist nicht immer gleich gut. Zudem kann bis zur Untersuchung im Labor das Virus absterben und dann nicht mehr nachweisbar sein. Problematisch ist ebenso, dass die Position des Virus nicht immer im Rachen sein muss, es kann auch tiefer gewandert sein. Daher wird in Kliniken in solchen Fällen ein Secret aus dem Patienten gewonnen oder die Lunge mit einem speziellen Verfahren gespült. Bei diesen Test-Arten liege die Erfolgsquote höher, bei etwa 90 Prozent.

Nur neun Positive

Bei den bis Anfang dieser Woche im zentralen Abstrich-Stützpunkt durchgeführten 460 Test waren lediglich neun positiv. Das entspricht einer Quote von unter zwei Prozent, während der Durchschnitt positiver Testungen in Deutschland bei zehn bis elf Prozent liegt. Dr. Stahl weist aber Vorwürfe zurück, man würde in Thüringen nicht ordentlich testen. "Unsere Quote entspricht ziemlich genau der für den ländlichen Raum Thüringens." Gäbe es mehr Positive, wären auch die Kliniken deutlich voller. Dass in Kliniken häufiger positiv getestet werde, sei auch nicht verwunderlich. "Dort werden Patienten getestet, die schon krank sind."

Bislang ist der Abstrich-Stützpunkt montags, mittwochs und freitags von jeweils 15 bis 18 Uhr geöffnet. Sollten doch noch die Massentests kommen, dürfte die Warteschlange im Stiefelsgraben länger werden.

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Ralph W. Meyer

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Veröffentlicht am:
30. 04. 2020
18:14 Uhr

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Ralph W. Meyer

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30. 04. 2020
18:14 Uhr



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