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Meiningen

Eigentlich zu nah dran: Fahrschulen wurden vergessen

Eine Situation, wie sie noch nie da war, täglich neue Erlasse von Land und Landkreis für alle Lebensbereiche - da kann es schon passieren, dass jemand übersehen wird. Momentan hängen beispielsweise die Thüringer Fahrschulen in der Luft.



Frank Schäfer hat seine Fahrschule vorsorglich geschlossen. Auch wenn es keine offizielle Anweisung dazu gibt. Foto: privat
Frank Schäfer hat seine Fahrschule vorsorglich geschlossen. Auch wenn es keine offizielle Anweisung dazu gibt. Foto: privat  

Meiningen - Es gab Zeiten, da wurden Fahrschulen als außerschulische Bildungsträger betrachtet. Für solche fiel auch keine beziehungsweise nur eine siebenprozentige Mehrwertsteuer an. "Ich hab über Jahre hinweg unter Vorbehalt mehr oder weniger freiwillig die volle Mehrwertsteuer gezahlt, was sich letztlich als richtig rausstellen sollte. Denn die Fahrschulen wurden irgendwann von den außerschulischen Bildungsträgern ausgenommen und den Dienstleistern zugeordnet und die Steuern waren nachzuzahlen", erzählt der Meininger Fahrschullehrer Frank Schäfer. Genau diese Einordnung macht ihm und vielen anderen Fahrschulen dieser Tage große Probleme. "Die Bildungseinrichtungen sind schon alle geschlossen und bei den Dienstleistern hat man uns einfach vergessen. Dabei können wir bei Fahrstunden unmöglich den geforderten Mindestabstand von 1,50 Metern einhalten. Selbst wenn ich nach jeder Fahrt das Lenkrad desinfiziere: Wie oft stößt man aneinander, wie oft muss ich ins Lenkrad greifen?!", beschreibt Frank Schäfer die Praxis. Am Dienstag wäre Theorieausbildung gewesen. Die hat er abgesagt. Auch wenn es keine offizielle Anordnung gibt, die sich auf die Fahrschulen bezieht.

Weil Frank Schäfer über Facebook mit vielen seiner Berufskollegen bundesweit vernetzt ist, weiß er, dass andere die gleichen Sorgen plagen. Den Theorieunterricht hätten ja die meisten längst abgesagt. Bei den Praxisstunden aber gehe es drunter und drüber. In den Facebook-Gruppen stärkte man sich gegenseitig den Rücken: Weiterfahren und Sich-Schützen, hieß es zunächst. Bis zum Wochenanfang mehrere Bundesländer - von Bayern bis Schleswig-Holstein - auch für die Fahrschulen entschieden, dass sie geschlossen werden müssen. In Thüringen machen das mindestens auch die Landkreise Hildburghausen und Sonneberg. Das hat zur Folge, dass viele Fahrschulen weiter fahren, weil sie ansonsten nicht auf eine Entschädigung hoffen können.

Auch die Interessenvereinigung der Fahrschullehrer drängt offenbar bisher nicht auf eine Lösung. "Der Thüringer Fahrlehrerverband in Erfurt schläft komplett. Die werben aktuell immer noch für die große Mitgliederversammlung am 23. März", kann Frank Schäfer nur mit dem Kopf schütteln.

Wie verhalten sich eigentlich die Fahrschüler? "Von den etwa 60 Leuten in der Ausbildung will ein Drittel gern fahren, weil man ja jetzt viel Zeit hat. Ein Drittel ist gerade in der Versenkung verschwunden. Und beim letzten Drittel sind die Eltern erbost, dass noch immer unterrichtet wird, weil das doch verantwortungslos den Jugendlichen gegenüber sei", erzählt Frank Schäfer.

Bis Mittwoch hat er seinen fahrpraktischen Unterricht noch aufrechterhalten, sich dann aber doch entschlossen, seine Fahrschule zuzuschließen. Trotz des finanziellen Risikos. Schon wegen der eigenen Sicherheit. In Suhl habe die Polizei schon einen Fahrschullehrer angehalten und befragt, warum er noch unterrichtet. Auch Kollegen in Meiningen sind noch auf Achse (im Altkreis gibt es etwa 15 Fahrschulen). "So hoch ist das Finanzniveau bei einer Fahrschule eben nicht. Es fehlt uns definitiv eine Ansage ,von oben‘. Denn so wären alle gezwungen, zu Hause zu bleiben, könnten dann aber auch Ausgleichszahlungen bekommen oder Kurzarbeitergeld für die Mitarbeiter", gibt Frank Schäfer zu bedenken. Im aktuellsten Erlass von gestern kommen die Fahrschulen jedenfalls noch nicht vor. "Deshalb weiß gerade niemand von uns, was zu tun ist." any

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Veröffentlicht am:
20. 03. 2020
20:45 Uhr

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Veröffentlicht am:
20. 03. 2020
20:45 Uhr



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