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Ilmenau

Rettungsgasse auf A 71 derzeit nicht möglich

Abgesperrt sind die zweiten Spuren der A 71 bei Ilmenau schon länger, seit Kurzem wird nun gebaut. Die nur noch einspurige Autobahn ist zur Schleich-Piste degradiert, Fahrzeuge mit Sondersignal haben es schwer. Diese Situation ist nicht einmal in der StVO mit Regelung bedacht.



Bohrarbeiten auf der Autobahn A71 nahe Arnstadt vor dem Behringer Tunnel in Fahrtrichtung Schweinfurt. Zahlreiche Baustellen sorgen zwischen Erfurt und Suhl für Staus. Eine Rettungsgasse zu bilden, ist dort momentan nicht möglich-	Foto: Michael Reichel/arifoto.de
Bohrarbeiten auf der Autobahn A71 nahe Arnstadt vor dem Behringer Tunnel in Fahrtrichtung Schweinfurt. Zahlreiche Baustellen sorgen zwischen Erfurt und Suhl für Staus. Eine Rettungsgasse zu bilden, ist dort momentan nicht möglich- Foto: Michael Reichel/arifoto.de  

Ilmenau/Erfurt - "Für Rettungswagen ist eine Rettungsgasse freizuhalten", heißt es oft lapidar in Verkehrsfunkmeldungen nach einem Unfall. Und dies gilt bereits dann, wenn der Verkehr zu stocken beginnt. Bei der letzten großen Baumaßnahme auf der Autobahn 71 vor Monaten bei Ilmenau sorgte dies bisweilen für Probleme und Schwierigkeiten für Rettungskräfte. Hat sich die Situation inzwischen entspannt?

Die A 71 bei Ilmenau wird saniert, eine Rettungsgasse allerdings ist zwischen den Anschlussstellen Ilmenau und Stadtilm, aber auch vom Anschluss Stadtilm bis hinter den Tunnel Behringen nicht überall möglich, denn die ohnehin nur jeweils zweispurigen Strecken sind seit vier Wochen etwa auf Einspurigkeit reduziert. In der Straßenverkehrsordnung (StVO) ist zwar beschrieben, wie eine Rettungsgasse generell funktioniert, allerdings nur bei Vorhandensein mehrerer Spuren. Der Sonderfall auf der A 71 ermöglicht derzeit keine solche Rettungsgasse.

Das bestätigte auch Christian Cohn von der Autobahnpolizei auf Anfrage von Freies Wort . "Man kann in der StVO natürlich nicht jeden Einzelfall regeln", sagt er. Für solche Fälle wie auf der A 71 sei dann "unbedingt Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme nötig". Er weiß aber, dass nicht wenige Autofahrer diese spezielle Problematik verunsichert. Denn auch das Ausweichen auf die Standspur ist keine vorgesehene Standard-Lösung, es sei denn, sie ist ausdrücklich so beschildert. "Die Standspur ist eine Notspur, keine Rettungsspur, und bleibt liegengebliebenen Fahrzeugen vorbehalten", sagt der Autobahnpolizist. Keinesfalls also sei nun generell auf die Standspur auszuweichen, um zwischen der gesperrten Überholspur und der Standspur auf der Hauptfahrbahn eine Rettungsgasse zu bilden. Allenfalls könne es für einen kurzen Augenblick bei Herannahen eines Fahrzeugs mit Sondersignalen von hinten eine Option sein, kurzzeitig auf die Standspur auszuweichen, wenn diese frei ist.

Die derzeit nicht mögliche Rettungsgasse in dem Abschnitt stelle auch Polizei und Rettungskräfte vor eine Herausforderung, sagt der Autobahnpolizist. "Eigentlich bleibt dann nur, im Verkehr mitzuschwimmen", so Cohn. Das Martinshorn werde da auch oft ausgeschaltet, nur das Blaulicht angelassen, um besondere Eile zu signalisieren. Gewöhnlich würden Polizei und Retter in solchen Situationen nach Alternativen suchen, notfalls in Ausnahmesituationen auch, auf der Gegenfahrbahn voranzukommen, doch dies sei derzeit wegen der dort gleichen Situation - lediglich eine zur Verfügung stehende Spur - ebenfalls undenkbar.

Bei der Rettungsleitstelle des Ilm-Kreises und dem Amt für Brand- und Katastrophenschutz waren zwei Wochen nach Absperrung noch keine Problemfälle der Retter wegen der nicht möglichen Rettungsgasse in dem Bereich der A 71 aufgelaufen. Andreas Beck, stellvertretender Leiter des Amtes, sagte auf Anfrage, es gebe bislang noch keine Vorkommnisse, in denen Rettungswagen behindert worden oder zu spät zum Einsatzort gelangt seien. Auch bei der Rettungsleitstelle, deren Leiter er sofort befragte, war da nichts derartiges bekannt.

Immer wieder Stop-and-Go

Kurz vor Ostern wurden die Baustellen in dem Bereich eingerichtet, die Überholspuren beidseitig abgesperrt. Seitdem werden die Nutzer der Autobahn dort auf Tempo 80 abgebremst, kommt es in Stoßzeiten auch immer wieder zu Stop-and-Go. Viele Autofahrer fragten sich seitdem beim Passieren der Abschnitte, warum ausgerechnet vor Ostern die Spurreduzierung nötig war, die Arbeiten an der Strecke aber erst zwei Wochen danach starteten.

Im Baustellen-Informationssystem des Landes Thüringen im Internet finden sich zwei Hinweise auf die Bauvorhaben an der A 71 nach einem sogenannten Plan E1 und jeweils nur noch einspurigem Verlauf der Autobahnstrecken. Demnach erfolgt vom 23. April bis 25. Mai auf dem Abschnitt zwischen Abzweig Stadtilm und Kreuz Erfurt die Herstellung einer Mittelstreifenüberfahrt, dies zwischen Kilometer 83,4 und 85 Richtung Schweinfurt und zwischen Kilometer 90,6 und 83,4 Richtung Sangerhausen. Weiterhin stehen vom 29. April bis 15. Mai zwischen den Anschlussstellen Arnstadt Süd und Ilmenau West Fahrbahn- und Brückeninstandsetzungen Richtung Schweinfurt zwischen Kilometer 90,2 und 103,4 sowie Richtung Sangerhausen zwischen Kilometer 104,5 und 90,6 an. Dazu sei auch die Autobahnauffahrt Stadtilm/B 90n Richtung Schweinfurt gesperrt und werde zur Auffahrt Ilmenau Ost umgeleitet. Jedoch vermeldet das Präsidialbüro des Thüringer Landesamtes für Bau und Verkehr (TLBV) auf Anfrage von Freies Wort deutlich längere Bauzeiten an der Strecke, als im Internet bekanntgegeben, nämlich nicht bis Ende Mai, sondern teils bis Spätsommer.

Mitte 2003 freigegeben, steht demnach für die A 71 nach üblicher Liegezeit für Asphaltdecken gemäß den aktuellen Regelwerken von zwölf bis 15 Jahren nun der erste Erhaltungszyklus an. Das soll nach Angaben des TLBV in zwei Baumaßnahmen 2019 erfolgen: Die erste betrifft drei Bauteile der Deckenerneuerung Fahrtrichtung Schweinfurt, wobei Maßnahme 1 an der Anschlussstelle Stadtilm gerade und bis Anfang Juni laufe. Bauteil 2 zwischen Anschluss Stadtilm und Ilmenau/Ost soll Anfang Juni bis Anfang August saniert werden. Teil 3, an der Anschlussstelle Ilmenau/Ost, die auch kurzzeitig geschlossen werde, erstreckt sich von Anfang August bis Anfang September. Von August bis Ende Oktober erfolgen dort auch Arbeiten an den Talbrücken Albrechtsgraben und Streichgrund, teilt das TLBV mit. Abgesperrt wirkt bereits jetzt alles.

Subjektives Empfinden?

Baumaßnahme 2 betrifft die Kilometer 75,17 bis 93,16, wo eine Chloridinstandsetzung an fünf Überführungsbauwerken erfolgt. Geschehen soll dies in Bauphasen 2019 und 2020. In diesem Jahr erfolgt dies nahe Ilmenau derzeit und noch bis 8. Juli an einem Mittelpfeiler nördlich des Tunnels Behringen, vom 16. Juli bis 7. August an einem Randpfeiler nördlich des Tunnels Behringen und dann im Sommer 2020 noch an einem Randpfeiler südlich des Tunnels Behringen sowie 2019 und 2020 an weiteren A 71-Bauwerken nahe Arnstadt und Erfurter Kreuz.

Warum die Einrichtung der Baustellen so lange vorab erfolgte und 14 Tage für viele Autofahrer keine Bautätigkeit erkennbar war, hinterfragte Freies Wort ebenfalls beim TLBV. Demnach werde vom Verkehrsteilnehmer "meist nicht wahr genommen, welche Arbeiten zur Vorbereitung der Verkehrssicherung gehören und welche der eigentlichen Verkehrssicherung zuzuordnen sind. Weiterhin wurden bis zu örtlich wahrnehmbaren Bauleistungen vorbereitende Leistungen erbracht, die nur unter Absicherung erfolgen können. Hierbei handelt es sich vorrangig um detaillierte Schadensaufnahmen und Vermessungsleistungen."

Auf die Frage, wie lange nun täglich an den Baustellen gearbeitet werde, heißt es: "Ausnutzung Tageslicht ist vertraglich vereinbart, soweit die zu erbringenden Arbeiten dies zulassen. Die detaillierte Aufgliederung der Arbeitszeit sowie die Einhaltung der Arbeitszeitregelungen der Arbeitnehmer Bau obliegt dem Auftragnehmer." Auf die Frage, ob Auftragsvergaben mit schnelleren Bauzwängen teurer oder preiswerter wären, gab das TLBV keine Antwort. Ebenso blieb offen, ob der Eindruck der Autofahrer, alles dauere viel zu lange, berechtigt ist. Das TLBV schreibt, der Auftraggeber ermittle die groben Abläufe und erkläre Eck-, Zwischen- und Endtermine zum Vertragsbestandteil. Die Detailablaufpläne liefere der Auftragnehmer, da diese auf seinen technologischen Konzepten aufbauten. Zur Frage, ob es bei zu langen Bauzeiten Konsequenzen gebe, heißt es vom TLBV: "Die Bauverträge verfügen über fest definierte Zwischen- und Endtermine. Bei Überschreitung dieser sind Vertragsstrafen vereinbart."

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Thomas Klämt
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Veröffentlicht am:
14. 05. 2019
15:40 Uhr

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Thomas Klämt

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14. 05. 2019
15:40 Uhr



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